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Konzert

21.07.2017

Eine Frau, ein Abschied und sieben Instrumente

Seit ihrer Zeit auf einer Alpe im Tessin kann Karin Schedler auch erdig und bodenständig jodeln und mit dem Alphorn umgehen.
Bild: Dagmar Hub

Die 52-jährige Pfarrerin Karin Schedler kehrt Neu-Ulm den Rücken – und verzückt vorher noch das Publikum

Durch die Kirchenfenster konnte man gegen Ende des Konzerts zwar bereits die Blitze eines Gewitters sehen, der Donner aber hielt sich noch zurück, als wolle er Johannes Brahms’ e-Moll-Sonate für Violoncello und Klavier nicht stören: Karin Schedler hatte die Sonate einst zum Abitur gespielt. Jetzt, lange Zeit später, spielte die 52-jährige Pfarrerin den Cello-Part der technisch schwierigen Sonate als letztes Stück ihres Abschieds-Klanggeschenks an die Petruskirche – als „ökumenisches Projekt“ gemeinsam mit dem Organisten der katholischen Stadtkirche St. Johann Baptist, Joseph Kelemen.

Zuhörer wirkten ganz verzückt: Sieben verschiedene Instrumente spielte Karin Schedler, die Neu-Ulm nun in Richtung Ries verlässt und Pfarrerin in Ederheim/Hürnheim/Christgarten wird, an diesem Konzertabend, und sie sang und jodelte. Die meisten anfangs entwickelten solistischen Ideen traten im Lauf der Programmentwicklung zurück, weil Familienmitglieder, Freunde und drei Kirchenmusiker zusagten, sie bei Stücken zu begleiten. So entstand ein Konzert – geistlich, urwüchsig, jazzig, humorvoll und sehr persönlich und mit einer riesigen Bandbreite von Renaissance bis Blues, von europäischer Musik bis zu Kompositionen, die in Neu-Ulm und Ulm entstanden sind. So unterschiedlich die Prädikate klingen – sie alle haben etwas mit der Biografie der Pfarrerin zu tun, die seit frühester Kindheit von Klang fasziniert ist.

Orgel zu spielen, lernte Karin Schedler beim früheren Petruskantor Wolfgang Gütinger. Der begleitete sie nicht nur bei ihrem Posaunen-Einsatz im Bereich von Calypso und Blues, sondern hatte Karin Schedler auch eine Komposition gewidmet.

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Die erklang ebenso wie Gütingers Choral-Partita „Jesu meine Freude“ von 1976. Gütingers Nachfolger Oliver Scheffels begleitete Karin Schedler in barocker Pracht bei Georg Friedrich Händels F-Dur-Sonate und bei Diogenio Bibaglias wundervoll gespielter a-Moll-Sonate. Ans Cembalo setzte sich Karin Schedler selbst, um ihren Sohn Raimund bei John Dowlands – eigentlich für Laute geschriebenem – „Flow, my Tears“ zu begleiten.

Viel Beifall gab es für einen richtigen Familien-Einsatz: Raimund Schedler und seine Freundin Leveke Durst sangen das Duett „Falling Slowly“ aus dem Film „Once“, am Klavier begleitet von Karin Schedler, die selbst gern und sehr gut singt – und die seit ihrer Zeit auf einer Alpe im Tessin auch erdig und bodenständig jodeln kann, was sie – im Dirndl – solistisch und mit Sabine Meier-Guthke und Annika Goergens eindrucksvoll unter Beweis stellte. Und weil sie mit den Bergen seit ihrer Kindheit verbunden ist, durfte auch das Alphorn in der Petruskirche nicht fehlen.

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