1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Eine Kirche, die keine Gemeinde mehr fand

21.06.2014

Eine Kirche, die keine Gemeinde mehr fand

Copy%20of%20ANB_8855.tif
2 Bilder
Das Haus der Begegnung, eine Bildungs- und Begegnungseinrichtung der Evangelischen Kirche, feiert sein 30-jähriges Bestehen. Es wurde im Juni 1984 in der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche an der Neuen Straße eingeweiht.
Bild: Andreas Brücken

Vor 30 Jahren wurde das Haus der Begegnung in der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche eröffnet. Ein Blick zurück.

Sein 30-jähriges Bestehen feiert das Haus der Begegnung (Hdb), eine Bildungs- und Begegnungseinrichtung der Evangelischen Kirche, mit einer Ausstellung über seine Geschichte: Das Hdb wurde am 17. Juni 1984 eingeweiht. Diese Ausstellung wird am Montag, 23. Juni um 20 Uhr eröffnet und ist bis zum 31. Juli zu sehen.

Im Jahr 1281 überließ Mechthild Hunrärin ihren Garten im Ulmer Osten beim Reichenauer Hof den Dominikanermönchen zum Aufbau eines Klosters. Der Stifter des Klosters war Krafft, der alte Schreiber, ein Vorfahr des Münster-Grundsteinlegers Lutz Krafft. Der Grabstein des 1297 verstorbenen Krafft, des alten Schreibers, befindet sich im Chor der Dreifaltigkeitskirche. So hieß das Haus der Begegnung, als es noch Kirche war.

Dominikanerkloster, Predigerkirche, Dreifaltigkeitskirche, Haus der Begegnung: Die Namenswechsel erklären sich aus der Geschichte des Hauses. Zu ihrem Predigerkloster errichteten die Dominikanermönche ihre Predigerkirche, deren Schiff 1305 und deren Chor 1321 geweiht wurden. Nach der Reformation verließen die Dominkanermönche, deren bekannteste der Mystiker Heinrich Seuse und der erste Ulmer Stadtchronist Felix Fabri gewesen waren, Ulm. Die leeren Klostergebäude zerfielen, der Chor der Kirche blieb unter Dach. Das Grab des 1366 verstorbenen Mystikers Heinrich Seuse, latinisiert Suso genannt, wurde bei der Suche nach ihm 1704 unerkannt zerstört.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Beim Kirchenneubau in der Renaissance – der dann Dreifaltigkeitskirche genannt wurde – wurde der erhaltene gotische Chor der alten Predigerkirche integriert. Hier fanden auch Konzerte statt, die hervorragende Akustik der Kirche war geschätzt. Am 17. Dezember 1944 hatte gerade die Weihnachtsfeier der Kinderkirche geendet, als der Bombenangriff auf Ulm auch die Dreifaltigkeitskirche in Schutt und Asche legte. Wiederum überstanden nur der gotische Chor und die Sakristei der Predigerkirche die Kriegszerstörung. Meterhoch soll der Schutt noch 1948/49 im Schiff der Ruine gelegen haben.

Stadtpfarrer Ebert setzte sich für einen Wiederaufbau ein, doch ringsum wohnte keine Gemeinde mehr. Sollte nun aus der ehemaligen Kirche ein Mahnmal werden wie aus der Ruine der Gedächtniskirche in Berlin? Letztlich wurde im Dezember 1979 der Auftrag zum Ausbau zum Begegnungszentrum erteilt – und 40 Jahre nach der Zerstörung erhielt die ehemalige Dreifaltigkeitskirche 1984 ihre heutige Gestalt als Haus der Begegnung.

Für die Feierlichkeiten zum Jubiläum wird eine „Seusezelle“ an den Mystiker erinnern. Wer nicht nur nach geistiger Nahrung sucht: Zum 30-Jährigen gibt es im Haus der Begegnung drei Brände (Birne, Quitte und Schlehe) aus regionaler Herstellung zu kaufen, für die Mechthild Hunrärin, Heinrich Seuse und Felix Fabri Pate standen.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Petruskirche Neu-Ulm.jpg
Neu-Ulm

Musik von Bach bis Gospel in der Petruskirche

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen