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06.03.2009

Eine Mords-Gaudi im Stadttheater

Weißenhorn Es war ein Mammutprojekt, Ludwig Thomas "Briefwexel des Josef Filser" für die Bühne umzusetzen. Dieser zweibändige Brief-Roman rund um den schlitzohrigen bayerischen Landtagsabgeordneten Filser und seine Streiche beim "regüren" bietet eine Vielzahl orthografischer Stolperfallen, zahllose Anekdoten und skurril-verschrobene An- und Einsichten; so rät der Filser der "Bfahrerskechin" (Pfarrers-Köchin), sich den "Ghrobf" mit Hundeschmalz einzureiben und gegen Bauchweh empfiehlt "seine Ekselenz Filser" Katzendreck auf dem Bauchnabel.

Florian L. Arnold

Wie man Thomas urkomisches Werk bühnenfähig macht, haben Josef Zintl, Oberstufenberater des Nikolaus-Kopernikus-Gymnasiums Weißenhorn und sein Kollege Klaus Plappert exemplarisch vorgeführt. Zusammen mit der jungen Blasmusik-Formation "Weißblech" gestalteten sie einen zwerchfellerschütternden Abend, der vom genialischen Mundart-Witz Thomas und der Spielfreude aller Beteiligten gleichermaßen lebte.

Landtagsabgeordneter Josef Filser (Josef Zintl) lädt seinen Spezl, den Posthalter Korbinian Bächler (Klaus Plappert), nach München ein. Dort wollen sie einen Abend in Saus und Braus verbringen. Es gilt, diesen Abend der Ausschweifungen vor den Frauen, vor allem vor Filsers Gattin Marie (Stefanie Anderl) geheim zu halten. Filser macht seinem Spezl den Mund wässrig über das gute Bier und die "feschen Madl, die ihr Milchgeschäft in die Auslage hängen". So gehen die beiden Herren auf die "Redutt" - und erwachen am nächsten Morgen mit grässlichem Kater. Besonders übel erwischt es den Filser. Erst verschwindet sein Geldbeutel, dann wirft man ihn betrunken in die Gosse. Die schwäbische Baroness (Elke Offenwanger), mit der Filser turtelte, ist auch keine Hilfe. Sie erpresst ihn mit ihrer "verlorenen Unschuld" und will von Filser 800 Mark "Schweigegeld". Flugs schreibt Filser den nächsten Brief - und versucht, seinem Spezl Korbinian die Vaterschaft unterzuschieben… Josef Zintl als Filser und Klaus Plappert als Korbinian Bächler schlüpften mit sichtlichem Vergnügen und großer Spielfreude in ihre Rollen. So wurde aus der szenischen Lesung stellenweise ein veritables Theaterstück, das von "Weißblech" treffend musikalisch kommentiert wurde. Regelrecht genial der Schluss: Eine Art "Collage" der Briefe an Filser, in der die Anklagen gegen Filser von allen Beteiligten simultan gesprochen werden; mittendrin, vom Scheinwerfer in verklärenden Glanz gerückt, Zintl als Filser, dessen Lügengebäude in sich zusammenfällt. Dieser Abend bot alles, was zu einer Mords-Gaudi dazugehört: spielfreudige Akteure, lustige Lieder - die sofort mitgesungen wurden - und sympathisch-verschrobene Charaktere, die trotz Schlitzohrigkeit die Herzen des Publikums für sich gewinnen.

Eine zweite Vorstellung der "Briefwexel" findet am 24. März im Stadttheater statt, Beginn: 20 Uhr. Kartenvorverkauf ab 13. März bei Touristik Rohrhirsch, Kirchplatz 7, Telefon (07309) 2043.

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