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Theater Ulm

11.05.2019

Eine Oper irritiert und fasziniert

Töten oder nicht töten: Die beiden Engel (Markus Francke, links, und I Chiao Shih) flüstern dem Protector (Dae-Hee Shin) ein.
Bild: Jean-Marc Turmes

Die Zuschauer der Premiere von George Benjamins „Written on Skin“ sind in ihren Gefühlen hin- und hergerissen. Über die Musik allerdings ist man sich weitgehend einig

Starker Applaus und auch Zuschauer, die zunächst keine Hand zum Beifall rühren: Kay Metzgers Inszenierung der 2012 uraufgeführten modernen Oper „Written on Skin“ des britischen Komponisten George Benjamin hinterließ das Premierenpublikum gleichermaßen fasziniert und irritiert. Metzgers Koproduktion mit der Königlichen Oper Stockholm und dem Landestheater Detmold bewirkte, dass nach der Premiere deutlich mehr Publikum als sonst im Theaterfoyer blieb und diskutierte. Komponist Benjamin, der zur Ulmer Premiere gekommen war, überreichte seinen eigenen Blumenstrauß an Sopranistin Maria Rosendorfsy, die vom Publikum gefeiert wurde.

„Das passiert mir selten“, so Theaterfreundin Renate Wagner, „dass ich nach einer Aufführung zugleich Bewunderung und Abscheu empfinde.“ „Written on Skin“ habe sie in seiner eisigen Atmosphäre fasziniert –und optisch auch abgestoßen. „Es ist so etwas von makaber“, sagt die Ulmerin, „aber ganz, ganz toll gesungen und gespielt, und die Musik ist sing- und hörbar.“

Ganz ähnlich ergeht es Andrea Ritzi. „So etwas habe ich noch nie gesehen, so eine ‚andere‘ Oper. Es ist spannend, und es ist komplett anders.“ Das Werk habe auf sie eine unheimlich intensive Wirkung, und der Satz von der kalten Lust in den Augen der Engel am menschlichen Elend sei ihr unter die Haut gegangen. „Die Musik ist nicht melodisch, aber lautmalerisch, was in den schrecklichen Szenen ja gewollt ist.“ Dass „Written on Skin“ in der englischen Originalsprache gesungen wird, freut die Ulmerin.

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Dass ihm das Werk unter die Haut ging, gibt auch Karl Bindl zu. Er fühlte sich sehr gefangen von der Musik, die im so tief ging, dass er den optischen Teil der Handlung weniger wahr nahm als die Klänge. „Am Schluss wurde mir wieder klar, dass es Theater ist.“

„Das war meine erste moderne Oper“, sagt Bert Paula aus Neu-Ulm. „Ich war neugierig in die Matinee gegangen, und die hat mich so überzeugt, dass ich mir eine Karte für die Premiere gekauft habe. Unheimlich dramatisch und intensiv! Die Sängerinnen und Sänger, vor allem Maria Rosendorfsky und Benno Schachtner, haben eine unglaubliche Leistung vollbracht. Das Zuhören und Zuschauen war für mich faszinierend und anstrengend zugleich.“

Auch Elke Dorn war nach der Matinee zur Oper gespannt auf die Aufführung. „Meine Erwartungen sind unbedingt erfüllt worden“, sagt die Ulmerin. Auch für sie war die Musik George Benjamins das wesentlichste Element der Aufführung.

„Für mich war die Aufführung auf eine ‚technische‘ Weise faszinierend“, verrät der Ulmer Dieter Bschorner. „Wie der Spannungsbogen im Guten wie im Bösen in der kalten Präsenz der Klinikatmosphäre steht, und der Versuch, die Emotionen der wahren Liebe herauszubringen, obwohl sie auch in Gewalt verwoben war.“ George Benjamins Musik ist für Bschorner „fast perfekt, weil sie da ist, ohne sich aufzudrängen.“ Die Momente der Glasharfe und ihren Klang empfand Bschorner als das Schönste, „weil sie den Übergang in eine andere Welt symbolisieren.“ Bschorners Frau Eleonor Schindlmayr tat sich schwerer mit Benjamins Werk. „Ich muss erst nachdenken“, sagt sie. „Die Musik hat etwas Bezwingendes. Es hat auf mich eine faszinierende Wirkung, aber nicht gerade im positiven Sinn, sondern eklig. Aber es war gleichzeitig unglaublich gut gespielt, und das Bühnenbild ist sehr gut.“ "Feuilleton

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