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Literaturwoche

10.07.2014

Eine Sprache, zwei Welten

Ungleiches Duo: die Herren Krausbirn und Stiefelspütz alias Walter Baco (links) und Florian L. Arnold.
Bild: Marcus Golling

Bei den „Piefke-Poeten“ balgen sich ein Österreicher und ein Deutscher

Man kann sich seinen Sitznachbarn im Zug halt nicht aussuchen. Das denkt der mies gelaunte Herr Stiefelspütz, als er im Abteil neben dem gut aufgelegten Wiener Krausbirn landet. Der humorlose deutsche Michel gegen den hoffnungslos optimistischen Österreicher: Das ist die Ausgangssituation der „Piefke-Poeten“, die sich zum Abschluss der Literaturwoche der Griesbad-Galerie erstmals gemeinsam vor ein Publikum wagen.

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„Testfeld“ hatte das Duo – bestehend aus dem Wiener Schriftsteller und Schauspieler Walter Baco und dem Elchinger Satiriker Florian L. Arnold – den Abend überschrieben, und das war durchaus Teil des Konzepts. Denn statt eines durchgeplanten Literaturtheaters gab es viel Improvisation im Eingangsbereich zu den Gewächshäusern des Botanischen Gartens, wohin die Lesung wegen des unsicheren Wetters verlegt worden war.

Natürlich: Die Basis dieses Abends sind die Stereotypen, die Deutsche und Österreicher voneinander haben. Dort der Piefke, dem jegliche Lässigkeit fremd ist, dort der von Natur aus weinselige Ösi, der – zumindest im Fall von Krausbirn – niemals um einen Schenkelklopfer verlegen ist. Das Duo spielt unterhaltsam mit den Vorurteilen, ohne selbst stereotypisch zu werden und findet originelle Zugänge. So werfen beide der jeweils anderen Nation vor, der deutschen Sprache nicht wirklich mächtig zu sein. Für den Wiener Krausbirn ist klar: Gutes Deutsch gibt’s nur am Burgtheater.

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Die Geschichte der beiden Zugreisenden ist gewissermaßen die Rahmenhandlung für – vorbereitete – literarische Soli von Baco und Arnold, die bei gewissen Stichwörtern hin eingestreut werden. Dass dabei auch ein paar lose Enden entstehen und nicht jeder Ball elegant aufgenommen wird, ist zu verzeihen – schließlich befindet man sich noch auf einem „Testfeld“. So sehen es auch die rund 30 Besucher im Botanischen Garten, die den Auftritt mit Applaus belohnen. Dass die Zusammenarbeit der beiden spitzzüngigen Autoren viel Potenzial hat, haben die „Piefke-Poeten“ zuvor allemal bewiesen.

Ein gelungener Abschluss für die Literaturwoche also, die ihrem Organisator Arnold auch insgesamt viel Freude bereitet hat: „Wir sind sehr zufrieden.“ Alle Veranstaltungen seien gut besucht gewesen, manche hätten sogar „richtig eingeschlagen“. Arnold denkt vor allem an die Sonderausgabe von „Die erste Seite“ in der Buchhandlung Jastram, wo die Zuhörer in den Schaufenstern sitzen mussten, aber auch an die Lesung mit dem Stellwerck-Verlag in der Freiluftbar „Stiege“. Viele Veranstaltungen seien blind geplant worden, so der Organisator, „und wir sind eigentlich jedes Mal belohnt worden“.

Schon jetzt verspricht Arnold eine Neuauflage der Literaturwoche im kommenden Jahr, in das er nach eigenen Angaben „viel Rückenwind“ mitnimmt. Dann könnten auch einige neue Partner mit an Bord sein. Arnold zufolge hätten sich einige Ulmer Institutionen während der Reihe interessiert an einer Zusammenarbeit gezeigt.

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