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Ulm

12.03.2015

Eine Stadt zieht an einem Strang

Fotos, Brillen und Nudeln: Alles wurde eingebaut

Gisela und Ira Dentler präsentieren im Stadthaus die Bürgerkette, ein Gemeinschaftsprojekt von 284 Menschen aus Ulm und Umgebung. In den einzelnen Abschnitten gibt es einiges zu entdecken.

Ein Jahr lang haben 284 Bürger auch über Ulm hinaus fürs gemeinsame Projekt individuell „und frei aus sich selbst heraus“ in der Betreuung von Gisela und Ira Dentler gearbeitet. Bei vier sonntäglichen Treffen in der Goldschmiede im Fischerviertel konnte das gute Stück dann tatsächlich vollendet werden. Jedes Glied der Kette erzähle eine Geschichte, betonte der langjährige Verwaltungsleiter und Freund der Dentler-Familie, Wolfgang Frauendorf, als Eröffnungsredner. Wie zum Beispiel diese, die von der Urenkelin eines Münsterbauers angefertigt wurde. Beim letzten Bauabschnitt des Münsterturms bis 1890 war der Urgroßvater abgestürzt und tödlich verunglückt. Seine Werkzeuge und Teile des Münsters sind in einem Kettenstück verewigt. Als bunte Wandcollage gilt das Gesamtwerk gleichermaßen als Symbol für die Höhe des Hauptturms (161,53 Meter) und für kreativen Bürgersinn.

Unterschiedliche Materialien kamen zum Einsatz: Massiv geschmiedete, aber auch gehäkelte Kettenstücke wurden eingebunden. Einzug fanden Modellschiffchen, Bierdeckel, Postkarten, Späne, Sparbuch, Nudeln, Fotografien, Frettchenschlangen aus Plastik, Popcorn-Tüten oder im Ulmer Münster liegen gebliebene Brillen. Für Details muss sich der Betrachter aufs hell erleuchtete Kunst-Sammelsurium zubewegen. „Wir kommen wieder nach einer Radtour“, sagte eine Mutter im Vernissagen-Getümmel zu ihrer Tochter. Ein von den Dentlers organisiertes Opernglas war stürmisch umlagert.

Die stilistische und thematische Vielfalt bürgerschaftlicher Kunstpassion ist in der Tat eine Reise in den Meierbau wert. Beiträge kamen etwa auch von Ludwigsfelder Grundschülern oder Günzburger Städtenachbarn. Mit Blechutensilien hat sich Bühnenbildnerin Marianne Hollenstein eingebracht. Die achtjährige Christine reizte das Thema Biber in der Friedrichsau. Unter dem Toleranz-Motto „Wir ziehen alle an einem Strang“ sind die „Religionen in Ulm“ thematisiert. Der Ulmer Spatz ist mit pfiffigen Bildnissen eingefädelt.

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Tief berührt zeigt sich Gisela Dentler vom Beitrag von Ruth Bochtler zum Thema „Lebensfreude“. Die Ulmerin verstarb, ohne das mannigfaltige Endprodukt noch in Augenschein nehmen zu können. Im „würdigen Rahmen“ des Stadthauses dankte die Goldschmiedin allen, insbesondere den Akteuren: Immer mehr Menschen hätten im Laufe der Aktion den Mut gefunden, sich an der Bürgerkette zu beteiligen. Eröffnungsredner Frauendorf verwies auf eine besondere Qualität der Bürger der Münsterstadt: „Wenn die Ulmer was wollen, dann schaffen sie es“, betonte er – auch mit Blick auf Reichsstadtgeschichte oder Bau- und Kulturprojekte der Gegenwart wie Wissenschaftsstadt oder Wilhelmsburg.

Die Bürgerkette ist bis 26. März im Obergeschoss des Stadthauses im Foyer neben dem Großen Saal ausgestellt. Was künftig mit ihr geschieht, ist noch ungewiss. Gisela und Ira Dentler freuen sich über Vorschläge. Einen gibt es schon: die Präsentation in der von Antoni Gaudí 1882 im neukatalanischen Stil entworfenen, bislang unvollendeten Basilika Sagrada Familia in Barcelona. Laut Planung soll ihr Hauptturm im Jahr 2026 zum 100. Todestag von Gaudí das Ulmer Münster um acht Meter überragen. Eine weitere Station wäre ein ausgesprochener Herzenswunsch von Gisela Dentler: „Wir hätten das gerne auch in der Kunsthalle Weishaupt.“

Ausstellung: Geöffnet Montag bis Samstag 10-18 Uhr, Donnerstag 10-20 Uhr, Sonntag 11-18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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