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28.06.2009

Eine neue Ära für die Bahn in Richtung Weißenhorn

Weißenhorn/Ulm Für die Bahnstrecke Ulm-Weißenhorn beginnt kommende Woche eine neue Zeitrechnung: Ab 1. Juli sind die Stadtwerke Ulm (SWU) offizieller Pächter der Schienen, die seit Ende der 60er-Jahre nur noch für den Güterverkehr genutzt werden. "Wir haben damit die komplette Stilllegung der Strecke verhindert", begründet SWU-Pressesprecher Bernd Jünke den Schritt des Unternehmens. Bis zum Ende des Jahres streben die SWU den Kauf der Strecke an. Der vereinbarte Preis beträgt (wie berichtet) 132 649 Euro plus Mehrwertsteuer.

Fans des "Bähnles" von Ulm bis zur Fuggerstadt verknüpfen mit dem Einstieg der SWU Hoffnung auf eine Renaissance der Bahnstrecke. Die Anhänger eines Schienenverkehrs sind sowohl im Güterverkehr als auch im angestrebten Personennahverkehr zu finden. So etwa Dr. Richard Groer, von der Scholz AG in Weißenhorn, der mit seiner Recycling-Firma noch einer der wenigen Nutzer der Strecke ist. Groer kämpft für einen zweiten Gleisanschluss. Mehr als 30 000 Tonnen, vor allem Altmetalle, transportiert die Scholz AG im Jahr auf der Schiene. Ein zweiter Anschluss an das Schienennetz bedeute für das Recyclingunternehmen, den Zug in die Zukunft nicht zu verpassen. Denn dann können 60 000 Tonnen transportiert werden. Wer soll den Anschluss zahlen? "Gute Frage, nächste Frage", antwortet Groer vielsagend. Wobei klar sei, dass er für den Verlauf auf seinem eigenen Grundstück aufkommen werde. Allerdings erwarte er für die anderen Bereiche Förderungen, schließlich profitiere die gesamte Region grundsätzlich von einer prosperierenden Firma.

Ein nicht benutzter Gleisanschluss liegt auf dem Gelände der Firma Peri brach. "Grundsätzlich", so Dieter Eismar, einer der Geschäftsführer, hätte Peri Interesse an einer Reaktivierung. Allerdings seien die "Laufzeiten" von Lieferungen auf Schienen aufgrund geringer Flexibilität der Anlieferung durch Brummis oftmals unterlegen. Auch fehle eine Containerverlademöglichkeit. Jedoch gebe es Bereiche, wie etwa Holzanlieferungen, die grundsätzlich durch den Schienenverkehr befriedigend bedient werden könnten. Es sei aber nicht zu erwarten, dass Peri in dieser Sache aktiv werde. Etwaige Angebote eines Betreibers würden jedoch wohlwollend geprüft, sagt der Geschäftsführer.

Der Kreistag verabschiedete im Jahr 2002 eine Willensbekundung, dass die neun Kilometer lange Bahnstrecke Weißenhorn-Senden wieder für den Personennahverkehr reaktiviert werden soll. Die Ausbaukosten dafür sind mit rund elf Millionen Euro kalkuliert. Die bislang weitgehend eingleisige Strecke der Illertalbahn soll nach dem Willen des Landkreises zweispurig ausgebaut werden. Dies wäre laut Landrat Geßner auch im Hinblick auf die beabsichtigte Wiederbelebung der Bahnstrecke Weißenhorn-Senden zu begrüßen. Die Deutsche Bahn AG lasse derzeit allerdings keine Planungen zum zweigleisigen Ausbau der Illertalbahnstrecke erkennen.

Eine neue Ära für die Bahn in Richtung Weißenhorn

Die Stadtwerke Ulm sind durch die Pacht ab kommenden Mittwoch für den Unterhalt der Strecke verantwortlich. Für die Nutzer der Strecke ergeben sich daraus zunächst keine Änderungen. "Die schwarze Null muss stehen", sagt Jünke im Hinblick auf die "Trassenentgelder", die das Unternehmen für die Nutzung kassiert. Und wann fahren dann die SWU-Züge nach Weißenhorn? "Unsinn", wiegelt Jünke ab. Die SWU würden lediglich die Infrastruktur verwalten und hätten jedoch keinerlei Interesse an einem Eigenbetrieb.

Verantwortlich für eine "Bestellung des Verkehrs" wie es im Fachjargon heißt, ist die Bayerische Eisenbahngesellschaft. Eine Ausschreibung müsste erfolgen, so Geschäftsführer Fritz Czeschka. Bis dahin sei es noch ein langer Weg: Es fehlten zahlreiche Vorarbeiten wie etwa Finanzierungspläne und Bedarfsanalysen.

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