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Ulm

28.01.2020

„Eine schlichtweg geniale Operette“: Das Theater schwärmt von der Csárdásfürstin

Steckten das Publikum mit ihrer Begeisterung für die „Csardasfürstin“ an: (von links) Christian Stolz (Moderation, Dramaturgie), Maria Rosendorfsky, Elke Kottmair, Markus Francke, Philippe Spiegel. Hinten: Gaëtan Chailly.
Bild: Florian Arnold

Bei einer Matinee am Theater Ulm zeigen sich alle Mitwirkende, vor und hinter den Kulissen, schon vorab begeistert von der „Csárdásfürstin“.

„Die Csárdásfürstin“ ist eine Operette aus der produktiven Feder des österreich-ungarischen Komponisten Emmerich Kálmán. Die Uraufführung fand am 17. November 1915 im Johann-Strauß-Theater in Wien statt. Mehr als ein Jahrhundert ist also über dieses Werk hinweggegangen und so darf man die Frage stellen: Ist das Werk jenseits seiner musikalischen Einfälle heute noch relevant – oder eben „nur“ ein Werk der „leichten Muse“, in dem es, wie in so mancher Operette, „schöne Musik und mitunter recht krude Texte“ gibt, wie der Regisseur des Theater Ulm, Benjamin Künzel, augenzwinkernd anmerkt? Bei einer Matinee im rappelvollen Theaterfoyer zeigten sich die mitwirkenden Künstler durchweg begeistert.

Die Handlung der Operette ist zwar wenig überraschend – es geht um verwickelte Liebesfäden, die zu mal mehr und mal weniger komplizierten Beziehungen von unterschiedlicher Haltbarkeit führen. Die bittersüße Atmosphäre zwischen Theaterwelt, Alt-Wiener Bürgertum und dem heraufdämmernden Ende des alten Kaiserreichs birgt aber viel Zeitkolorit und eben dieses gewisse „Mehr“, das Kálmáns Werk über andere Operetten hebt.

Emmerich Kálmáns Csárdásfürstin besticht durch Witz und Spannbreite

Da ist der Witz der Dialoge. Die Spannbreite an Themen. Die ungewöhnlich gut ausgearbeiteten Beziehungsgeflechte. Und nicht zuletzt Kálmáns ureigene Neigung zu Melancholie, die das Werk wie ein roter Faden durchzieht. So werden selbst lustigste Szenen veredelt, indem sie im Kontrast stehen zu gar nicht komischen Szenen: „Manchmal ist man da einfach zu Tränen gerührt“, sagt Künzel und die mit ihm auf der Bühne des Theaterfoyers sitzenden Kapazitäten nicken zustimmend. Choreograf Gaëtan Chailly begeistert sich für die Vielzahl an Tänzen und Stimmungen im Werk. Typisch für das „Fin de Siecle“ in der untergehenden Doppelmonarchie.

„Eine schlichtweg geniale Operette“: Das Theater schwärmt von der Csárdásfürstin

Philippe Spiegel (spielt Graf Boni Kancsianu) erfreut, dass die Figuren „sehr ehrlich und offen“ sind. Maria Rosendorfsky (Sylva Varescu) empfindet die spezifische Mischung aus Traurigkeit und Munterkeit als gleichermaßen lohnenswert für Mitwirkende wie für Zuschauer. Elke Kottmair (Komtesse Stasi) sagt: „Alle haben das Herz am rechten Fleck.“

Das Theater Ulm blickt voraus auf die Premiere der "Csárdásfürstin"

In die musikalische Welt konnte man in der Matinee schon hineinhören durch zwei Duette. Mit den musikalisch alles zwischen sinfonischer Breite und „ganz zerbrechlichem Soli“ (Künzel) auslotenden Arrangements dürfte sich das Publikum ebenso wohl fühlen wie mit dem Bühnenbild von Heiko Mönnich, das sich mit Nischen und versteckten Winkeln jeder Stimmung und Szene anpasst. Ist „Die Csárdásfürstin“ sogar „schlichtweg genial“, wie Künzel meint? Wenn die Begeisterung der Ausführenden aufs Publikum überschwappt, kann sich das beweisen.

„Die Csárdásfürstin“, in der Regie von Benjamin Künzel, feiert am 6. Februar, 20 Uhr, im Großen Haus des Theater Ulms Premiere. Weitere Infos unter www.theater-ulm.de.

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