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Ulm/Neu-Ulm

07.05.2020

Einkaufen an der Landesgrenze: Die Verwirrung hält an

Eine Doppelstadt, zwei Regelungen: Während der Media-Markt in Neu-Ulm in großen Teilen noch bis Montag abgesperrt ist, darf in Ulm schon auf der gesamten Fläche eingekauft werden.
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Eine Doppelstadt, zwei Regelungen: Während der Media-Markt in Neu-Ulm in großen Teilen noch bis Montag abgesperrt ist, darf in Ulm schon auf der gesamten Fläche eingekauft werden.

Plus Während in Ulm Blautalcenter, Ikea und Co geöffnet sind, guckt man bei Möbel Mahler und der Glacis-Galerie noch weitgehend in die Röhre. Das ruft Unverständnis hervor.

Blicke auf die Nummernschilder auf dem Parkdeck des Blautal-Centers und bei Ikea zeigen untrüglich: Die Bürger im Landkreis Neu-Ulm nutzen das Mehr an Freiheit in Baden-Württemberg gnadenlos aus. Während in Bayern erst am kommenden Montag sämtliche Geschäfte öffnen dürfen, sind dem Konsum im Ländle längst keine Hindernisse mehr in den Weg gestellt. Zumindest fast keine.

„Die Maskenpflicht ist nicht gerade förderlich für die Umsätze“, sagt Guido Reuter, der Manager des Blautalcenters. Notwendige Dinge wie Kinderschuhe etwa, würden gut verkauft. „Doch welche Frau shoppt schon gerne mit Maske ein Sommerkleid?“ Reuter schätzt die Umsatz- und Frequenzverluste im Blautalcenter auf einen deutlichen, zweistelligen Prozentwert.

Blautalcenter hat auf, die Glacis-Galerie in großen Teilen zu

Davon kann sein Kollege in der Neu-Ulmer Glacis-Galerie allerdings nur träumen. Erst am Montag darf Torsten Keller die komplette Glacis-Galerie eröffnen. Media-Markt ist bis dahin auf seine Mobilfunk und PC-Abteilung beschränkt. Die Mitarbeiter zeigen sich aber kreativ und bringen den Kunden auf Wunsch auch eine Auswahl an Rasierern oder Mixern. „Es wird Monate brauchen, bis wieder Normalität einzieht“, befürchtet Keller. Eigentlich hätte in Neu-Ulms Einkaufszentrum nun das fünfjährige Jubiläum gefeiert werden sollen, doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Eine angekündigte „Umstrukturierung“ ist erst mal auf die lange Bank geschoben. Derzeit investiert kaum ein Filialist in die Expansion. Die Händler seien im Gegenteil froh, wenn sie ihre Geschäfte überhaupt halten können. Für die Mietzahlung sei der Arbeitgeber von Keller, der Betreiber ECE, nicht zuständig.

In der Glacis-Galerie gibt es bald einen neuen Mieter

Die Mieten kassiere der Immobilienbesitzer, das Unternehmen CBRE Global. Keller spricht von „individuellen Lösungen“, was Mieten angehe. Schließlich habe nicht jeder Mieter die gleichen Einbußen. Froh ist Keller, dass der Filialist „Ernsting’s Family“ trotz Corona an der geplanten Neueröffnung festhalten will. Dies hat weitere Änderungen im „Rewe-Teil“ des Einkaufszentrums zur Folge: Seinen Laden geschlossen hat bereits der Pizza- und Döner-Imbiss „Gustosa“. Auf dieser Fläche plus dem Leerstand neben der Apotheke öffnet ab Juli der Kindertextil-Spezialist auf 200 Quadratmetern Verkaufsfläche. Außerdem zieht der Blumenladen „Florem“ von der „grünen Brücke“ hier in die direkte Bahnhofsnähe.

In den Sternen steht die Zukunft des Textilfilialisten Colloseum. Für sämtliche 135 deutschen Geschäfte wurde ein Antrag auf Insolvenzeröffnung gestellt. Nach Informationen von Keller wird die Filiale in der Glacis-Galerie am Montag aber wieder öffnen.

Ein für alle mal sind mit Beginn der Corona-Krise allerdings die Lichter bei der Testa-Rossa-Bar im zentralen Essensbereich ausgegangen. Wie Keller sagt, sei der Mietvertrag aufgelöst worden. Ein Ersatz werde nicht gesucht, stattdessen sollen dort zusätzlich Sitzgelegenheiten entstehen.

Während Keller seinen knapp 90 Händlern nun wenigstens wieder eine Perspektive bieten kann, ist die nahe Zukunft des Food-Courts aufgrund anhaltender Beschränkungen unklar. Der Verkauf von Speisen ist nur zur Mitnahme gestattet, was sich nicht zu lohnen scheint. Lediglich „Thai Curry Delhi“ machte am Donnerstag von dieser Möglichkeit Gebrauch. Keller ist dennoch zuversichtlich, dass ab Montag trotz Maskenpflicht und dem allgegenwärtigen Duft von Desinfektionsmittel wieder so etwas wie Normalität in der Glacis-Galerie einkehrt. Und er hofft, dass es in Zukunft in der Doppelstadt nicht „komplett unterschiedliche Regelungen“ gibt, falls es zu neuen Einschränkungen kommen sollte. Jeden Tag müsse er mit einer dreistelligen Zahl an Anrufern versuchen, zu erklären, warum was in Neu-Ulm zu hat, was in Ulm längst geöffnet ist. Verständnis sei das Letzte, was die Anrufer für derartige Unterschiede übrig hätten.

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