Newsticker

Höchster Stand seit Mai: Robert-Koch-Institut meldet 1226 Corona-Neuinfektionen
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Einstein-Marathon: 11.000 Menschen laufen bei Volksfeststimmung

Ulm/Neu-Ulm

26.09.2016

Einstein-Marathon: 11.000 Menschen laufen bei Volksfeststimmung

So viele Läufer wie nie standen in diesem Jahr in den Startlöchern. Vor allem die kürzeren Distanzen über fünf und zehn Kilometer liefen und gingen viele Teilnehmer.
Bild: Alexander Kaya

So viele Läufer, Geher und Fahrer wie nie waren am Sonntag in Ulm und Neu-Ulm unterwegs. Doch nicht für jeden stand der sportliche Ehrgeiz im Vordergrund.

Der Einstein-Marathon ist ein Volksfest des Sports – mit dieser Definition hat der Moderator auf der Münsterplatz-Bühne nicht ganz unrecht. Einstein-Marathon, das bedeutet für die einen zwickende Waden, schwitzige Umarmungen, Trockenobst. Für die anderen Laola-Wellen, Covermusik, Bockwurstsemmel. Es ist eine Massenveranstaltung, die Menschen mit zweierlei Intention besuchen: um Sport zu machen und um Sport zu erleben.

So viele waren noch nie dabei

Noch nie sind so viele Läufer, Geher und Fahrer an den Start gegangen wie an diesem Sonntag: Rund 11 000 Teilnehmer sind angetreten, um sich mit anderen zu messen, den inneren Schweinehund zu überlisten und Spaß zu haben. Mindestens genauso viele Menschen stehen entlang der Straßen von Ulm, Neu-Ulm, von Pfuhl bis Wiblingen, um Freund, Vater, Tochter anzufeuern oder einfach, um die Spätsommersonne zu genießen, die sich, endlich, gegen elf Uhr aus der Nebelsuppe hebt. „Ausflugswetter“, nennen das die einen. „Geile Bedingungen. Ein Tag, um Bestzeiten zu laufen“, sagt David Striebel aus Ulm, als er am Münsterplatz die Ergebnislisten mustert. Dass der 27-Jährige kurz zuvor einen Halbmarathon gelaufen ist, erstmals in der Zeit von 1:26:50, ist ihm nicht anzusehen: kein roter Kopf, keine Atemnot. „Da hat heut alles gepasst: angenehme Temperaturen, kaum Steigungen, gute Bands, die einen pushen“, resümiert er, lacht und nimmt seine Freundin in den Arm. Beide hätten schon oft am Einstein-Marathon teilgenommen, sei ja ein Heimspiel.

Wie sehr das Sportereignis vor der Haustür die Massen anzieht, zeigt sich dann insbesondere bei den Kurzstreckenläufen über fünf und zehn Kilometer am Nachmittag: An den Startlinien tummeln sich etwa 5000 Teilnehmer – von Kindern, über Rentner bis zu Arbeitskollegen – weshalb der Start wegen Stolpergefahr für viele etwas gemächlicher ausfallen muss. Wenige Meter abseits des Startpunkts am Gänstor kämpfen noch vereinzelt Marathonläufer gegen die 42 Kilometer an – Meter für Meter legen sie in ihrem persönlichen Tempo zurück. Hauptsache ankommen. Eine Gruppe Cheerleader am Straßenrand feuert unermüdlich mit ihren Pompons an: „Auf geht’s! Weiter! Kämpfen!“ Nachzügler hätten den Motivationsschub nötiger als Überflieger.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Zwischenfall bei Einstein-Marathon

Ein Zwischenfall ereignete sich in der Fischergasse: Dort musste ein 53-jähriger Zehn-Kilometer-Läufer reanimiert werden. „Das hatten wir noch nie beim Einstein-Marathon, ist aber nicht ungewöhnlich“, sagt der Claus-Martin Muth, Leiter der Sektion Notfallmedizin am Ulmer Uniklinikum. Eventuell sei der Mann zu schnell gelaufen für seine Verhältnisse. Insgesamt mussten die Rettungskräfte 120 Mal Hilfe leisten, das sei recht oft.

Einstein-Marathon: 11.000 Menschen laufen bei Volksfeststimmung
455 Bilder
Ulmer Einstein-Marathon 2016: Fotos auf der Strecke vom Beurer-Halbmarathon & Sparkassen-Marathon
Bild: Alexander Kaya

Als der Ire Clive Brown als erster Marathonläufer am Münsterplatz einläuft, feiern die Zuschauer den Sieger, Jahrgang 1974,  mit Luftballons, Ratschen und Pfeifen. Nach einem kurzatmigen Interview verschwindet Brown in dem Zelt, das heuer auf dem südlichen Münsterplatz aufgebaut ist und in dem Studentenfutter und isotonische Getränke bereitstehen. Das Zelt sei nicht geplant gewesen, man habe improvisieren müssen, so die Veranstalter im Vorfeld des Marathons. Es wurde für eine Physikausstellung aufgebaut, die am Dienstag startet.

Improvisieren mussten die Organisatoren auch, was die Routen anbelangt. Wegen der Baustellen müssen die Inlineskater und Handbiker erstmals durch die Glacis-Galerie flitzen. Auch Julia Kiehlneker aus Neu-Ulm rollt mit ihren Inlineskates flugs über den Steinboden. „Rutschig war es nicht, aber vor dem Ausgang hat eine Stelle etwas gebremst“, erzählt die 43-Jährige nach dem Rennen. „Aber alles ist besser als das ätzende Kopfsteinpflaster vom letzten Jahr.“ Knapp 47 Minuten habe sie zum Ziel gebraucht, damit sei sie sehr zufrieden. Eine Überraschung für die Handbiker: Obwohl mit Max Weber ein Silbermedaillengewinner der Paralympics von Rio unter den Teilnehmern war, machte ein anderer das Rennen: Tobias Knecht.

Was am Ende des Tages vom Einstein-Marathon in Erinnerung bleibt: persönliche Bestleistungen, Luftsprünge, Schulterklopfen, Muskelkater – und wenn nichts von alldem: dann zumindest eine leckere Bockwurstsemmel.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren