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Unterelchingen

03.11.2019

Elchinger Epitaph: Ein Lebenslauf, in Stein gemeißelt

Lese kann diese Inschrift wohl fast niemand. Festlich und würdevoll wirkt der Epitaph für den Pfarrer Johann Baptist Lang dennoch.
Bild: Ralph Manhalter

Eine Gedenktafel erinnert an das Wirken des Pfarrers Johann Baptist Lang in Unterelchingen und an die Wirren des 18. Jahrhunderts.

Mit der Aufforderung, für die ewige Ruhe des Verstorbenen zu beten, schließt die ausführliche theologische Ehrerbietung, welche Hochwürden Pfarrer Johann Baptist Lang zuteil wurde. Wir befinden uns im Jahr 1742, genauer: am 8. Dezember. Nach einem langen Gelehrten- und Seelsorgerleben schließt der Unterelchinger Geistliche für immer die Augen. In seine Amtszeit fällt der Umbau der örtlichen Pfarrkirche, die für die nächsten Jahrhunderte im Inneren ihr typisches barockes Antlitz prachtvoll darbieten soll. Ein Epitaph, also eine Gedenktafel, liefert eine ehrerbietende Lebensbeschreibung des Kirchenmanns. Die Tafel ist seit Allerheiligen an der Außenmauer der Leichenhalle der Unterelchinger Kirche zu sehen.

So war der Todestag des Pfarrers Lang gleichzeitig der Beginn jener Memoria genannten Erinnerungskultur, welche nicht nur dem Andenken des Verblichenen gewidmet sein sollte. Natürlich forderten die Überlebenden im Namen der Verstorbenen Fürsprache ein, Gebete und Messen. Gleichzeitig erinnern die Inschriften den Betrachter jedoch an die eigene Vergänglichkeit: memento mori – gedenke, dass du sterben wirst. In einer Zeit, als Tod Elend und existenzielle Unsicherheit zur Tagesordnung gehörten, wahrlich ein nahe liegender Gedanke: Die Pest wütet im Land, das gemeine Volk wird mal mehr, mal weniger ausgebeutet. Auf der anderen Seite jedoch ein heller Lichtschein am Horizont: Die ersten Boten einer Geisteshaltung, die sich in den nächsten Jahren zur mentalen Revolution, zur Aufklärung steigern wird. Alles wird auf den Kopf gestellt: Gott, die Geistlichkeit, der Adel, alles!

Gedenktafel für Pfarrer Johann Baptist Lang in Unterelchingen

Apropos auf den Kopf gestellt: Ja, das war der Epitaph des Pfarrers auch. Wie lange, weiß niemand zu berichten. Nur wer ihn entdeckt hatte und wann, ist belegt. Konstanze Kopp besuchte zusammen mit ihrem Gatten Stefan im Jahr 2017 einen Adventsmarkt im Pfarrstadel. Da stand er also, der Stein. Mit seinen Abmessungen von fast einem auf zwei Meter recht monumental. Aber er stand eben auch auf dem Kopf, sodass die Inschrift nicht sofort lesbar war. Also wurde ein Foto gemacht und das Bild zu Hause auf dem Computer gedreht. Jetzt waren zwar Buchstaben erkennbar, aber die Problematik gestaltete sich nun auf andere Art und Weise: Die Inschrift war auf Latein.

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Manch Sprachkundiger mühte sich in den nächsten Wochen und Monaten an dem Stein ab. Nicht das klassische Latein Caesars war es nämlich, das es zu entziffern galt; bei intensiver Beschäftigung mit dem Text kam immer mehr ein frühneuzeitliches Kirchenlatein zum Vorschein, dessen Kenntnisse außerhalb der Geistlichkeit als recht rudimentär zu bezeichnen sind. Durch eine glückliche Fügung fand sich mit Josef Kerrscher ein Lateiner der Alten Schule. Als Gymnasiallehrer mühte er sich durch die blumigen, ehrerbietenden Passagen barocker Provenienz. Das Resultat war eine Lebensbeschreibung des Geistlichen Lang, der neben seiner Tätigkeit in Unterelchingen auch noch einen Lehrstuhl für Theologie an der Universität Krakau besaß.

Elchingen: Epitaph an der Leichenhalle

Über den ursprünglichen Standort des Epitaphs herrscht ebenso Unkenntnis wie über die leibliche Grabstätte des Pfarrers. Einig war man sich jedoch, das Steindenkmal nicht wieder zu verstecken, sondern für jeden Besucher sichtbar zu platzieren. Als geeigneter Ort erschien die Außenmauer der Leichenhalle, wo nun an Allerheiligen die frisch restaurierte Platte enthüllt wurde. Nach einer kurzen Ansprache durch Bürgermeister Joachim Eisenkolb sowie kirchlichem Beistand der beiden Ortspfarrer Sebastian Nößner und Jean-Pierre Barraud erhielten die zahlreichen Besucher Gelegenheit, ein wahres Kleinod barocker Steinmetzkunst in Augenschein zu nehmen. Auch wenn der Text für einen Großteil unverständlich sein dürfte, allein der Anblick des mit Ranken und Blattwerk umkränzten Steins verleiht dem Gegenstand Festlichkeit und Würde.

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