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Ulm

28.05.2015

Enthusiasmus am laufenden Band

Eine alte Bandmaschine aus dem Free-FM-Studio.
Bild: Foto: Radio free FM

Der nichtkommerzielle Ulmer Sender Radio free FM ist seit 20 Jahren auf Sendung. Warum alleine das schon eine Leistung ist.

Sowohl bei den WG-Besprechungen als auch beim Sendestart dabei war Raffael Schmidt, inzwischen im Programmrat und in der Redaktion der Sendung „Kulturradio“. Er erinnert sich gerne an den – holprigen Anfang. „Der Sendestart wurde damals kurzfristig um 18 Stunden vorverlegt“, erzählt er. „Ich bin dann einfach ins Studio gegangen und habe angefangen. Es war wie ein Soundcheck on air.“

Do it yourself: Darum geht es bei Radio free FM noch heute. Der Sender – eines von zehn freien Radios in Baden-Württemberg – lebt vom Idealismus der Beteiligten. Denn abgesehen vom Geschäftsführer und dem Azubi wird die gesamte Arbeit von Minijobbern und vor allem Ehrenamtlichen getragen. „Wir wollten ein Radio machen, das anders ist, bei dem jeder mitmachen kann“, sagt Schmidt. Dafür gibt es die freien Radios im Ländle, die von der Landesanstalt für Kommunikation lizenziert und über einen Anteil der Rundfunkbeiträge auch finanziert werden: Sie sollen normalen Bürgern den Zugang zu den Medien eröffnen. Entsprechend groß ist die Vielfalt: Es gibt etwa Techno- und Country-Musik, Vegetarier- und Literaturmagazine, eine eritreisch-evangelische Radiosendung oder den „Russkii Express“. Vor allem aber versteht sich Radio free FM als „Plattform für die Ulmer Kultur“, wie Schmidt sagt.

Im UKW-Band ist der Sender auf der Frequenz 102,6 zu Hause – und das soll auch so bleiben. Auch wenn vonseiten der Landesanstalt immer wieder Attacken kommen, wie Programmrätin Sabine Fratzke berichtet. „Dort findet mancher, die freien Radios wären im Internet besser aufgehoben.“ Doch genau das hält sie für einen Trugschluss. Denn nur auf UKW könnten die Sender auch ein breites Publikum erreichen – zumal auf dem Land oft noch gar keine Breitband-Internetanschlüsse vorhanden seien. Immerhin: Die grün-rote Landesregierung hatte schon zu Beginn ihrer Amtszeit angekündigt, „eine Lanze für die freien Radios brechen“ zu wollen.

Grenzwertige Situationen hat der kleine Sender in den vergangenen Jahren schon öfter erlebt. Auch schon vor dem Start, wie Fratzke berichtet: „Wir hatten damals noch keine Räume, keinen Verein, keine GmbH und keine Lizenz, aber wir haben ein Studio für 40000 Mark gekauft.“ Typisch Radio free FM: Enthusiasmus geht dort eben manchmal vor Vernunft. Und da schaffen es auch mal Verrücktheiten in den Äther: Es gab auf dem Sender, der inzwischen in der Platzgasse sein Hauptquartier hat, etwa ein „Echtzeitkochen“, bevor die Kochshow-Schwemme das Fernsehen erreichte, oder eine Autokino-Tonübertragung. Raffael Schmidt erinnert sich aber besonders gerne an einen kuriosen Vorfall: Einmal, als abends um 23 Uhr eine Live-Band im Studio allzu viel Gas gab, wollten sich die genervten Nachbarn Zugang zum Studio verschaffen. „Wir mussten damals die Tür von innen zuhalten“, sagt Schmidt mit einem Grinsen. „Schließlich ging es darum, den Fortbestand des Programms zu gewährleisten.“ 

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