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Ulm/Vöhringen

08.07.2020

Er macht Wieland größer und größer

Erwin Mayr hat Harald Kroener abgelöst, der 45 Jahre an der Spitze von Wieland war.
Bild: Alexander Kaya

Plus Nach Nordamerika ist Asien dran. Der Boss der Wieland Gruppe, Erwin Mayr, plaudert anlässlich des 200. Geburtstags des Unternehmens über Expansionspläne – und Patronenhülsen.

Eigentlich hätte Erwin Mayr, der Vorstandsvorsitzende der Wieland Gruppe, vor bis zu 10000 Menschen am Fest zum 200. Firmenjubiläum am Ulmer Stammsitz sprechen sollen. Eigentlich. Die Pandemie macht dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung. So muss Mayr mit einem Saal der Ulmer Sparkasse in der Neuen Mitte vorliebnehmen, in der sich ein Grüppchen Journalisten eingefunden hat.

Im Gegensatz zu Großveranstaltungen wurde die dortige Ausstellung „200 Jahre Wieland“ nicht abgesagt. Die Verbindung der Sparkasse Ulm besteht nicht nur darin, dass der Slogan („Verändern. Um zu bleiben, was wir sind“) auf beide Unternehmen zutrifft, wie der Sparkassenchef Stefan Bill sagt. Nein, auch die „Hochleistungslegierung“ aus dem Hause Wieland auf dem Chip, so Mayr, mache das Geldabheben mit der Kreditkarte erst möglich. „Kupfer ist wichtig“, sagt Mayr. Praktisch jeder Mensch habe jeden Tag ein Stück von Wieland in der Hand: egal ob als Türschloss, Stecker, Brillengelenk, Kugelschreiber, Münze, Zylinder des Sodastreams – oder Patronenhülse.

Er macht Wieland größer und größer
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Ausstellung zum 200-jährigen Jubiläum der Wieland Gruppe in der Sparkasse Neue Mitte in Ulm.

Wichtig ist der Einsatz von Kupfer bei Waffen für Wieland aber offenbar nicht. Wie Mayr auf Nachfrage betont, sei das Geschäft mit Patronen „in Europa irrelevant“. Höher seien in diesem Feld die Umsätze in den USA. Doch im „Gesamtkontext“ machten Patronenhülsen einen „kleinen einstelligen Prozentwert“ des Jahresumsatzes aus. Bei 3,34 Milliarden Euro, die für das Geschäftsjahr 2018/2019 angegeben werden, immer noch ein stattlicher Betrag.

Wieland: Vom Glockengießer zum weltweit führenden Spezialisten für Kupfer und Kupferlegierungen

In 200 Jahren Unternehmensgeschichte hat sich Wieland von einem Glockengießer in der Ulmer Rosengasse zu einem weltweit führenden Spezialisten für Kupfer und Kupferlegierungen gemausert. 200 Jahre – ein Jubiläum, das außer Brauereien, Branntweinherstellern und Gaststätten die wenigsten Unternehmen feiern.

Bild: Alexander Kaya

Den langfristigen Blick auf die eigene Zukunft hatte Wieland schon früh. Geradezu modern wirkt in Zeiten des Fachkräftemangels, wie frühzeitig sich das Unternehmen um Mitarbeiter abseits der Arbeit am Schmelzofen kümmerte. In Ulm sowie in weit größerem Maße in Vöhringen errichtete Wieland um 1900 Wohnungen und Häuser für Arbeiter und Angestellte. Auf der „grünen Wiese“ entstehen so ganze Wieland-Siedlungen, die vielen Familien über Jahrzehnte eine arbeitsplatznahe Heimat geben.

Wie in Ulm wurden auch in Vöhringen sehr moderate Mieten verlangt oder die Wohnungen zu attraktiven Konditionen zum Kauf angeboten. Hierzu stellte Wieland günstige Kredite zur Verfügung. Und die 1908 eröffnete Kantine mit Badeanstalt gilt als Paradebeispiel für frühe Sozialeinrichtungen.

Wieland: Mitarbeiter in Ulm und Vöhringen bilden nur noch die Minderheit der Belegschaft

Heute hat Wieland 90 Standorte auf der ganzen Welt und Mayr verkündet, die Gruppe weiter „dynamisch auszubauen“. Die 1185 Menschen in der Stammbelegschaft in Ulm sowie die 2136 Mitarbeiter in Vöhringen sind angesichts von 9000 Wieland-Beschäftigten auf der ganzen Welt nur noch eine Minderheit.

Bild: Alexander Kaya

Die Zeichen im Weltkonzern mit Ulmer Wurzeln stehen weiter auf globaler Expansion: Mit dem Aufkauf des größten US-Konkurrenten „Global Brass & Copper“ habe 2019 ein „Kulturwandel“, wie es Mayr ausdrückt, im Unternehmen bereits eingesetzt. Nachdem der Blick von Wieland mit dieser Übernahme nach Westen ging, wolle sich das Ulmer Unternehmen nun im Osten ausbreiten. Mayr: „Stillstand ist Rückschritt.“

Wieland Ulm/Vöhringen: Nach der Expansion nach Nordamerika ist Asien an der Reihe

Doch so einfach wie mit der Übernahme des führenden Herstellers und Händlers von spezialisierten Nichteisenprodukten in Nordamerika werde die Expansion in Asien nicht. Dort gebe es kein derart marktbeherrschendes Unternehmen vergleichbar mit „Global Brass & Copper“, dessen Übernahme Wieland sofort auf den Thron befördern würde. Deswegen werde auch die Möglichkeit des Baus eigener Werke geprüft. Als ein erster Schritt solle der Standort im Stadtstaat Singapur ausgebaut werden.

Seine Wurzeln in Ulm will Wieland bei aller Globalisierung aber nicht vergessen. Deswegen wird zum 200. Geburtstag das erste Wieland-Produkt neu aufgelegt: Eine Miniatur-Glocke, die in Elchingen von einem Kunsthandwerker gegossen wird und bei der Sparkasse Ulm zum Selbstkostenpreis für einen guten Zweck verkauft wird. Die Ausstellung dort ist ab sofort geöffnet, bis sie voraussichtlich am 22. September nach Vöhringen ins Eychmüller-Haus umzieht.

In der zweiten Wieland-Heimat ist dann auch der nach der Glocke zweiter Sortimentsschwerpunkt der frühen Wieland-Jahre zu bewundern: eine von Firmengründer Philipp Jakob Wieland gefertigte Feuerspritze aus dem Jahr 1865.

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