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Ausstellung

04.03.2011

Erinnerungen aus Pergament und Papier

Einblicke in die Ulmer Stadtgeschichte gibt die Ausstellung „Ulmer Patrizier im Spiegel ihrer Privatarchive“. Bei der Eröffnung führte der Historiker Dr. Stefan Lang in das Thema ein.
Bild: Foto: Andreas Brücken

Haus der Stadtgeschichte zeigt „Ulmer Patrizier im Spiegel ihrer Privatarchive“ – und gibt auch Einblicke in ihr Alltagsleben

Ulm Im Münster findet man ihre Namen noch überall, am Rathaus prangen ihre Wappen, im Ulmer Museum hängen zahlreiche Bildnisse der edlen Herren. Die Patrizierfamilien, die Neithardt, Besserer und Krafft, haben der Stadt im Mittelalter und der Frühen Neuzeit ihren Stempel aufgedrückt, als Ratsherrn, Bürgermeister, Pfarrer und Gelehrte die Geschicke der Gemeinde mitbestimmt. Das Haus der Stadtgeschichte zeigt in einer Sonderausstellung die „Ulmer Patrizier im Spiegel ihrer Privatarchive“.

Die Ausstellung ist der Abschluss eines Forschungsprojekts, bei dem der Historiker Dr. Stefan Lang zwei Jahre lang die Privatarchivalien erfasst und durchstöbert, die die Nachkommen der Patrizier dem Stadtarchiv überlassen haben – und so der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben. Rund 700 Pergamente und 30 Meter Aktenmaterial hat allein Lang gesichtet und katalogisiert, bei einem Vorläuferprojekt waren schon einmal mehrere 100 Urkunden erfasst worden. In der aktuellen Ausstellung liegt der Fokus auf den Familien Krafft, Neithardt und Schermar.

Einzige Stiftungsurkunde für Münsterkapelle

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Das sicherlich spektakulärste Stück im Schwörhaus ist die Urkunde aus dem Jahr 1437, mit der Heinrich Neithardt die Neithardt-Kapelle im nördlichen Turm des Gotteshauses stiftet – samt Grablege für die Familie und Bibliothek. Das Dokument ist die einzig erhaltene Stiftungsurkunde für eine Münsterkapelle. Zudem handelt es sich bei ihr um ein sogenanntes Transfix, denn angeheftet ist eine zweite Urkunde, in der der Bischof von Konstanz die Stiftung bestätigt.

Stücke wie diese gibt es viele in den sieben Vitrinen der Ausstellung, doch für Lang ist ein anderes Stück sehr viel sehenswerter: Die „To-do-Liste“ des Ambrosius Neithardt aus dem Jahr 1428. Auf dieser notierte der damalige Ulmer Stadtschreiber nicht nur anstehende berufliche Aufgaben (wie das Verfassen von Urkunden), sondern auch private Verpflichtungen: unter anderem das Setzen von Weinstöcken, das Anbringen von Fensterläden und die Reparatur des Gartentores. „Die Liste gibt einen Einblick in das Alltagsleben der Zeit“, sagt Lang.

Freilich sah das Leben eines Patriziers, immerhin ein Stadtadliger, etwas anders aus als das eines normalen Ulmers. Davon zeugt unter anderem auch das Tagebuch des Anton Schermar, entstanden in den Jahren 1623 bis 1626. Der junge Patrizier bereiste und studierte in Frankreich und Italien – für einen Mann seines Standes damals nicht ungewöhnlich.

Die Ausstellung gibt einen anschaulichen Überblick über das Leben und Wirken der Patrizier. Einen noch tieferen Einblick verspricht ein rund 130 Seiten starker Band, der zum Jahresende erscheinen soll.

Ausstellung bis 30. März, geöffnet Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr.

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