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Ulm

05.11.2014

Erst die Sinfonie, dann die Ferien

Lass das mal den Papa machen: Joseph Haydn (Florian Stern) muss vor dem Urlaub noch schnell eine Sinfonie komponieren – und schaut den Musikern beim Spielen über die Schulter.
Bild: Alexander Kaya

 „Ein Fall für Papa Haydn“ im Podium führt junge Zuhörer in die Welt der Klassik ein – und ist tolle Unterhaltung für die ganze Familie.

Als Hofkapellmeister hat man es nicht leicht. Joseph Haydn freut sich gerade auf das Picknick mit Frau und Kartoffelsalat, da braucht Fürst Esterházy schon wieder eine Sinfonie, noch dazu versehen mit einer schnippischen Aufforderung: „Überraschen Sie mich endlich mal wieder.“ Die Musiker sind noch weniger begeistert: Sie sehnen schon lange den Urlaub mit den Familien herbei. Ein Problem? Nicht doch – aber „Ein Fall für Papa Haydn“. So haben die Ulmer Philharmoniker ihr Kinderkonzert im Podium des Theaters Ulm überschrieben. Bei diesem lernen junge Besucher nicht nur die berühmte „Abschiedssinfonie“ des österreichischen Komponisten kennen, sondern erfahren auch viel über das Musizieren im Orchester.

Die Rahmenhandlung, die sich Regieassistentin Maria Bätzing ausgedacht hat, ist tatsächlich eine Hommage an die Entstehungsgeschichte der in fis-Moll komponierten 45. Sinfonie Haydns. Denn glaubt man der Überlieferung, waren die Orchestermusiker auf Schloss Esterházy im Sommer 1772 tatsächlich urlaubsreif und baten den Kapellmeister, sich beim Fürsten für sie einzusetzen. Er tat dies auf denkbar originelle Art: Mitten im vierten Satz reißt das Presto ab – und die Streicher spielen ein Adagio. Angeblich sollen bei der Uraufführung dann die Musiker nach und nach die Bühne verlassen haben, bis nur noch zwei Geigen übrig waren.

Ob Legende oder wahre Anekdote: Beim Kinderkonzert wird daraus eine kurzweilige Geschichte, bei der natürlich auch die Musik nicht zu kurz kommt. Die Besucher können dabei Joseph Haydn – Schauspieler Florian Stern mit gelb-goldenem Anzug und weißer Perücke – beim Komponieren über die Schulter schauen. In Form von Papierfliegern erreichen ihn die Klagen der Musiker: Der Kontrabassist hat Rückenschmerzen, die Oboe muss zum Zahnarzt, die Bratsche muss die Schwiegermutter besuchen. Haydn lässt sich davon nicht von seiner Arbeit abbringen. Er hopst durch das Orchester, tuschelt mit Generalmusikdirektor Timo Handschuh am Dirigentenpult und gibt den spielenden Musikern auch mal lautstark Anweisungen. „Lauter!“, ruft er dann, „wieder runter!“ oder auch „mehr Swing!“ Und wenn die einzelnen Register mal nichts zu spielen haben, machen sie sich schon mal strandfertig oder spielen mit dem Wasserball.

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Alles wird „verwurschtelt und vernudelt“

Das ist lustig anzusehen – und dazu eine spielerische Einführung in die Form der Sinfonie. Denn Haydn, immerhin so etwas wie der Vater der klassischen Sinfonie, verrät den Zuhörern auch, wie die vier Sätze aufgebaut sind, was ein Thema ist und dass dieses innerhalb einer Sinfonie immer wieder „verwurschtelt und vernudelt“ werde. Keine Frage: Den Urlaub haben sich Papa Haydn und seine Mitstreiter redlich verdient.

Weitere Aufführungen ab 23. November. Viele Termine sind schon ausverkauft. Karten gibt es an der Theaterkasse oder unter theater.ulm.de

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