1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Erste Hilfe für den Kuschelhasen

Landkreis Neu-Ulm

09.12.2019

Erste Hilfe für den Kuschelhasen

Auch Affe, Krokodil und Tiger waren Patienten.
3 Bilder
Auch Affe, Krokodil und Tiger waren Patienten.
Bild: Birgit Hagstotz

Was tun mit abgelaufenem Verbandsmaterial aus dem Auto? BRK-Bereitschaft und Arbeiter-Samariter-Bund im Kreis Neu-Ulm haben Antworten.

Es ist der erste Kundendienst in einer anderen Werkstatt. Und anders als die vorherigen schaut der Mechatroniker nicht nur nach der Technik, sondern auch nach dem Erste-Hilfe-Kasten: Das Verfallsdatum, das auf der Rückseite der roten Tasche aufgedruckt ist, ist seit sieben Jahren abgelaufen.

Wer abgelaufenen Verbandskasten im Auto hat, riskiert laut ADAC bei einer Verkehrskontrolle ein Knöllchen

Wer keinen oder nur einen abgelaufenen Verbandskasten im Auto hat, riskiert laut ADAC bei einer Verkehrskontrolle ein Verwarngeld in Höhe von zehn Euro. Was in den Erste-Hilfe-Kasten gehört, ist in der DIN-Norm 13164 festgelegt. Aber spielt das Ablaufdatum überhaupt eine Rolle? Ja, sagt Verena Czasch. Die 32-jährige ist Rettungsassistentin und Leiterin der BRK-Bereitschaft Neu-Ulm. „Danach kann nicht mehr gewährleistet werden, dass das Material steril ist.“ Also ab in die Mülltonne? Nein, sagt Czasch: „Unsere Bereitschaftsjugend nimmt das Verbandsmaterial gerne.“

Das gilt nicht nur beim BRK: Auch der Kreisverband des Arbeiter-Samariter-Bunds mit Sitz in Illertissen freut sich über solche Spenden. Das Material verwende man zum Üben, sagt Ausbildungsleiterin Sylvia Rohrhirsch. „Wir bieten viele Kurse an, vom Kindergarten bis zur Firma“, sagt sie. Die Erste-Hilfe-Kästen eigneten sich dafür gut: „Wir arbeiten viel mit Fallbeispielen und drücken den Teilnehmern den Verbandskasten in die Hand.“ Die Spenden, berichtet Rohrhirsch, kämen oft von den Firmen, bei denen der ASB Kurse abhält.

Erste Hilfe für den Kuschelhasen

Etwa einmal im Monat bringen Autofahrer abgelaufene Erste-Hilfe-Kästen beim Bayerischen Roten-Kreuz vorbei, manchmal sammeln auch Kindergarteneltern die Taschen und geben gleich mehrere auf einmal ab.

Die BRK-Bereitschaftsjugend verwendet die alten Verbandpäckchen, Fixierbinden und Dreieckstücher zum Üben. Und dann ist da noch die Teddy-Klinik. Beim Aktionstag „Neu-Ulm spielt“, bei einigen anderen Veranstaltungen und auf Anfrage von Schulen und Kindergärten macht das Rote Kreuz dieses Angebot. Dann steht ein Rettungswagen bereit und Kinder können ihre Kuscheltiere untersuchen lassen – und selbst mituntersuchen. Dann wird der Bär abgehört und der Hase bekommt einen Verband. „Wir haben Kinder, die jedes Mal wiederkommen und gleich zum Rettungswagen stapfen“, berichtet Czasch, selbst Mutter eines zweijährigen Kinds. „Sie wickelt ihren Teddy mit Verband ein und freut sich, wenn sie beim Kinderarzt sitzt“, erzählt die Bereitschaftsleiterin über ihre Tochter. Genau das ist das Ziel der Teddyklinik: Kindern die Angst vor dem Arzt oder dem Rettungsdienst zu nehmen.

Bei den Treffen der Ehrenamtlichen und bei den Erste-Hilfe-Kursen des Bayerischen Roten Kreuzes im Kreis Neu-Ulm wird reihenweise Material verbraucht. Bei Übungstreffen der Aktiven sind es nach Czaschs Berechnungen jährlich ein gutes Stück mehr als 200 Verbandpäckchen, dazu komme das Material für mehr als 2000 Teilnehmer von Erste-Hilfe-Kursen. Viel Geld spare sich das BRK Neu-Ulm durch die Verbandskasten-Spenden nicht: „Bei uns kostet immer alles viel Geld – entweder, weil das Material sehr teuer ist, oder, weil wir sehr viel davon brauchen“, erklärt Czasch. Dennoch sei es sinnvoll, das abgelaufene Verbandsmaterial zu spenden: „Es ist viel zu schade, das wegzuwerfen.“

Bei den Katastrophenschutzübungen dürfen die Neu-Ulmer BRK-Ehrenamtlichen allerdings kein abgelaufenes Material verwenden, das ist so festgelegt. Alle zwei Jahre frischen die Rettungsassistenten ihren Erste-Hilfe-Kurs auf. Und das BRK bietet auch für alle anderen Auffrischkurse an, die etwas kürzer sind als herkömmliche Erste-Hilfe-Kurse. Jährlich 2000 Teilnehmer seien zwar viel, sagt Czasch. Aber mit Blick auf die Einwohnerzahl viel zu wenig.

Wer einen abgelaufenen Verbandskasten zuhause habe, könne das Material auch einfach auspacken und sich überlegen, was eigentlich wofür gedacht ist, rät die BRK-Bereitschaftsleiterin.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren