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12.03.2009

Exhibitionist muss in die Psychiatrie

Ulm (gert) - Nach dreitägiger Hauptverhandlung hat die Erste Große Strafkammer des Ulmer Landgerichts unter Vorsitz von Reiner Gros einen 39-jährigen beschäftigungslosen Mann wegen zahlreicher Delikte zu Gefängnisstrafen verurteilt und gleichzeitig die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Ein Sachverständiger hatte bei dem Angeklagten eine schwere kombinierte Persönlichkeitsstörung festgestellt, die durch bloßes Wegsperren nicht behoben werden könne.

Oberstaatsanwältin Brigitte Lutz hatte zu Beginn des Verfahrens in mehreren Anklageschriften 25 Einzeldelikte aufgelistet, die in den vergangenen drei Jahren verübt worden waren. Aufgefallen war dieser "schwierige Mensch mit ungeradem Lebenslauf" vor allem durch ein Dutzend exhibitionistischer Handlungen im Ulmer Stadtgebiet, wobei er teilweise mit Damenwäsche bekleidet aufgetreten war. Des Weiteren wurden ihm sexueller Missbrauch von Kindern, Erregung öffentlichen Ärgernisses, Missbrauch von Notrufen und eine Vielzahl von Diebstählen zum Vorwurf gemacht. Der Angeklagte war im Großen und Ganzen geständig, bestritt aber vehement, auch im Alten Friedhof als Exhibitionist aufgetreten zu sein.

Der Angeschuldigte war in den vergangenen drei Jahren immer wieder von Amtsgerichten verurteilt und ins Gefängnis geschickt worden. Eine Berufungskammer hatte schließlich den Verdacht, dass mit dem Straftäter irgendetwas nicht in Ordnung sein könne und möglicherweise die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus notwendig wäre. So kam das Bündel von Einzelanklagen vor eine Große Strafkammer, denn nur sie kann eine Unterbringung verfügen. Insgesamt waren 48 Zeugen geladen.

Obwohl das Gericht in wenigen Fällen das Verfahren eingestellt hat, kam doch eine ganz erkleckliche Anzahl von Straftaten zusammen, die mit drei Verurteilungen geahndet wurden. Die Große Strafkammer verhängte zwei Mal zwei Jahre und drei Monate und ein Mal vier Monate Freiheitsentzug. Gleichzeitig wurde wegen der Wiederholungsgefahr bei den Sexualstraftaten die Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet. Die Urteile sind bereits rechtskräftig.

Ausschlaggebend für die Urteilsfindung war sicherlich das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen. Dr. Peter Winckler, Facharzt für forensische Psychiatrie in Tübingen, kam zu der Auffassung, dass eine Besserung des Angeklagten im normalen Strafvollzug nicht zu erwarten, und deshalb die Unterbringung in einer Klinik nach Paragraf 63 Strafgesetzbuch zu befürworten sei, zumal gerade bei den Sexualstraftaten eine Wiederholung und Steigerung der Intensität nicht ausgeschlossen werden könne. Ob eine mehrjährige Therapie eingewurzelte Verhaltensmuster ändern könne, das müsse abgewartet werden: "Eine seelische Abartigkeit ist therapeutisch kaum zu fassen." Weil das Verhalten des Angeschuldigten aber eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle, führt kein Weg an der Unterbringung vorbei.

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