Newsticker

RKI meldet 18.633 Neuinfektionen und 410 weitere Todesfälle
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Expedition ins (Puber-)Tierreich mit Jan Weiler

Ulm

26.04.2018

Expedition ins (Puber-)Tierreich mit Jan Weiler

Jan Weiler und seine Streifzüge durch das wilde Reich der „Pubertiere“ faszinieren und amüsieren viele Menschen, natürlich auch im Roxy
Bild: Stefan Kümmritz

Der Autor Jan Weiler kommentiert im Ulmer Roxy vergnüglich und kurzweilig die Marotten der Jungen. Unter den Zuhörern sind deutlich mehr Frauen als Männer.

Bis auf den Sitznachbarn in der ersten Reihe kamen die Besucher des Jan-Weiler-Abends im Ulmer Roxy aus dem Lachen kaum heraus. Dieser ältere Herr ließ stoisch, ohne die Miene zu verziehen, über sich ergehen, was den Rest des etwa 250-köpfigen Publikums, das zum klar größeren Teil aus Frauen bestand, erheiterte: eine höchst humorige und wirklich nicht böse gemeinte Abrechnung mit der Jugend von heute. Das sind die Buben und Mädchen zwischen 12 und 18, die der Autor „Pubertiere“ nennt. Sie verwandeln sich im dritten Teil seiner Saga, „Und ewig schläft das Pubertier“, schon mal in „Lamentiere“, „Kommentiere“, „Boykottiere“ oder „Diskutiere“. Es sind also ganz normale Jugendliche.

Der zweieinhalb Stunden dauernde Abend ist höchst unterhaltsam. Jan Weiler beweist, dass er genauso gut erzählen kann wie schreiben – und dass er über sein Geschriebenes wie über sich selbst lachen kann. Und natürlich über die „Pubertiere“, die er trefflich aufs Korn nimmt. Er tut das süffisant und so herzlich, dass am Ende sogar der Sitznachbar in der ersten Reihe aus seiner Lethargie erwacht und die Hände zum Applaus dreimal ineinander patscht – mit ernstem Blick.

Dass deutlich mehr Frauen den Ausführungen Weilers lauschten, mag es daran gelegen haben, dass der Autor als interessanter Mann sehr gut bei ihnen ankommt. Vielleicht glaubten auch viele Besucherinnen, sie könnten von ihm ein paar Tipps für die Erziehung ihrer pubertierenden Sprösslinge mit auf den Weg bekommen. Von denen hatte der Mann auf der Bühne schon einige parat. Ob sie immer tauglich sind, steht auf einem anderen Blatt. So berichtete Weiler von einem Trick, wie er seinen Buch-Sohn Nick, der im wirklichen Leben Tim heißt, in die Küche bekommt, wenn das Essen fertig ist: „Man muss den Stecker des W-Lan-Routers aus der Wand ziehen, dann steht der Sohnemann ganz schnell in der Küche und mault: ,Internet geht nicht’. Dann sage ich: Dafür ist das Essen fertig. Das kann man sehr oft machen, denn die Kinder begreifen die Zusammenhänge nicht.“

Das klingt böse, aber Weiler überspitzt gerne und hat schnell die Lacher auf seiner Seite. So auch, wenn er über die Lieblingsbeschäftigung von Nick und Carla, der Tochter aus dem Buch, erzählt: „Die liegen mit ihrem Handy auf der Couch wie Kegelrobben. Auf meinen Vorschlag, einen Spaziergang zu machen, hatte Nick drei Gegenargumente parat: Als erstes sagte Nick: ,Alter, ich habe Wasser in den Beinen.’ Zweites Argument des Sohnes: ,Ich habe keine Zeit. Bei meinem Spiel auf dem Handy bin ich gerade bei Level 21.’ Und dann noch: ,Ich werde nur noch Spaziergänge absolvieren, wenn es ein klares, definiertes Ziel gibt.“ Weiler wusste die Antwort: „Das Ziel ist unser Zuhause“, worauf Carla meinte, dann müsse man ja nicht los, denn man sei ja schon am Ziel, im Zuhause.

Hinreißend, wie Jan Weiler seine Zuhörer mit kurzen Passagen aus seinem Buch oder locker Erzähltem in seinen Bann zog. Wie er mit klarer Sprache, leichten Grimassen und Gesten die Schwächen, Marotten und Sonderbarkeiten der „Pubertiere“ auf witzige Art von sich gab und kommentierte. Wie er im Buch offen bekennt, dass für Carla das Peinlichste ist, wenn er tanzt („Weiler: „Ich tanze wie der Lump am Stecken“) und ihn dann schon einmal als „Strolch“ und „saftenden Sack“ bezeichnet. Oder wie er über Carlas Erlebnisse in der Fahrschule berichtet. So zum Beispiel: „Als der Fahrlehrer sie bat, vor dem Abbiegen zu blinken, sagte sie: ,Nö, dann weiß ja jeder, wo ich hin will.’“

Jan Weiler gab zum Besten, was ihm, dem früheren Werbetexter und Journalisten, der 2003 mit „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ das erfolgreichste Romandebüt der vergangenen 20 Jahre abgeliefert hatte, so alles zu den Jugendlichen einfiel und anderen nicht einfällt. Wie er von den ihn hänselnden Kindern daheim Christiane Schmidt genannt wird. „Das ist eine Verballhornung von krist ja nischt mit“, verriet der Autor. Er kennt auch die Sprache der Jugendlichen und weiß, wie sie zum Beispiel am Telefon damit umgehen: „Wir haben uns früher mit dem Namen gemeldet. Wenn Nick ans Telefon geht, sagt er nur ,Yo.’ Manchmal sagt er auch gar nichts.“ Es sind die ganz normalen Erfahrungen eines ganz normalen Mannes mit ganz normalen „Pubertieren“. Da gibt es nichts zu debattieren – wir sind ja keine „Debattiere“.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren