1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Export-Schlager: Schützen bringen die Polka nach New York

Holzheim

02.10.2014

Export-Schlager: Schützen bringen die Polka nach New York

Copy%20of%20CIMG3173.tif
3 Bilder
Beste Oktoberfeststimmung herrschte im Hofbräuhaus in Chicago: Dort spielte die Holzheimer Schützenkapelle bei ihrer USA-Reise über zwei Stunden lang auf. Im Bild vorne die Sänger Franziska Schweigart und Joachim Wegele.
Bild: Schützenkapelle

Kapelle marschierte bei der großen Steuben-Parade durch die Millionenmetropole. Und auch im Hofbräuhaus in Chicago sorgten die Gäste aus Schwaben für Stimmung

Im Gepäck hatten sie Urlaubsstimmung, Durst und reichlich böhmische Blasmusik. „Ein Riesenerlebnis“, schwärmt Vorsitzender Andreas Stadler. Und die Mitfahrer pflichten ihm bei, im Zuge des USA-Trips gab es für die 37 Musiker viel zu erleben. So besuchten sie Freunde eines Orchesters in der Kleinstadt Grinnell (Iowa) und spielten im Hofbräuhaus in Chicago auf.

Erst die Väter, dann die Söhne und Töchter: Schon im Jahr 1977 war eine Holzheimer Delegation in die USA gereist, fast vier Jahrzehnte später stand nun ein weiterer Besuch an. Geplant hatte den elftägigen Trip im Zeichen des Taktstocks die Holzheimer Bürgermeisterin Ursula Brauchle, die in der Reisebranche arbeitet. „Die Idee geisterte schon ein paar Jahre durch die Reihen.“ Befeuert wurde das Fernweh zuletzt durch den neuen Dirigenten Marius Galvin – der aus Südafrika stammende Musiker hat gute Kontakte zum Leiter des symphonischen Orchesters der kleinen Universitätsstadt in Grinnell im Bundesstaat Iowa. Die Kollegen könnte man doch mal besuchen, hieß es in Holzheim. Gesagt, getan.

Auch Amerikaner feiern gerne, das haben die Gäste in New York schnell festgestellt. Am Vorabend des großen Umzugs hatte das örtliche Festkomitee bereits zum Gala-Dinner auf einem Ausflugsschiff geladen. „Das war ziemlich fein“, sagt Stadler. Für 200 Dollar pro Person gab es Häppchen und „Happyness“ auf dem Hudson – und eine grandiose Aussicht auf die beleuchteten Wolkenkratzer.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Tags darauf wurde fleißig musiziert: Zwei Stunden dauerte die Parade, die als Zeichen der deutsch-amerikanischen Freundschaft nunmehr seit 57 Jahren stattfindet. Mit dabei sind meistens zahlreiche Gruppen aus Deutschland – die Holzheimer trafen heuer etwa auf Gleichgesinnte aus Donauwörth und Münster. Als letzte Kapelle im Tross boten die Schützen ihr gesamtes Repertoire auf. Der Umzug endete in einem Festzelt am Centralpark, wo die New Yorker ihr Oktoberfest feiern. Dort ließ sich der Gerstensaft in großen Zügen genießen – immerhin fasst ein Glas, ein sogenannter Pitcher, etwa 1,6 Liter. Der Preis: 18 Dollar. „Günstiger als auf der Wiesn in München“, weiß Kassierer Martin Pietschmann. Und entgegen eines weitverbreiteten Vorurteils sei das Bier in Übersee durchaus genießbar: „Da sind ja längst viele namhafte deutsche Brauereien vertreten.“

Die Musiker aus Holzheim erlebten die New Yorker als recht begeisterungsfähig: „Egal, wo wir in Tracht auch hinkamen, irgendjemand wollte immer ein Foto machen oder mit uns anstoßen“, erinnert sich Stadler. „Das war toll.“

Weniger Spaß verstanden hingegen Amerikaner in Grenzschützer-Uniform – das wurde den Holzheimern bewusst, als sie die Niagara-Fälle besichtigten und die Grenze nach Kanada passierten. Dort wurde der Schlagbaum offenbar zur Kommunikationsbarriere. „Ein unfreundlicher Herr empfahl uns, doch bitte mal einen Englischkurs zu besuchen“, sagt Kapellenvorsitzender Stadler und lacht.

Per Bus ging es weiter nach Chicago, wo die Musiker im Hofbräuhaus vor Hunderten Gästen einen zweieinhalbstündigen Auftritt hinlegten. Gage erhielten sie zwar nicht, aber dafür freie Getränke, Schnitzel und Haxen. Ganz zur Freude manches inzwischen recht Hamburger-geplagten Schwaben, weiß Reiseleiterin Brauchle. „Einige waren schon ein bisschen auf Knödel-Entzug.“

Die Holzheimer reisten einem Kulturschock entgegen: Nach den hektischen Großstädten gab es jetzt flaches Land zu sehen. Felder, so weit das Auge reichte. „Das war schon Wahnsinn“, sagt ein Musiker, dem es vor allem die gigantischen Landmaschinen angetan hatten. Während der Busfahrt nach Iowa machte die Kapelle bei einem Hersteller Stopp, wo kolossale Traktoren und Mähmaschinen bestaunt werden durften. „Unsere Landwirte waren happy“, sagt Stadler.

In Grinnell wurden die Schützenmusiker schon erwartet: Die Gastgeber hatten sich ins Zeug gelegt und für ein gemeinsames Konzert Werbeplakate drucken lassen. Im örtlichen Saal spielten die Holzheimer mit den Symphonikern auf – für die Zuhörer ein abwechslungsreiches Erlebnis: „Zuerst spielten die Amerikaner ihre getragenen Klänge und dann kamen wir mit vollem Rohr Blasmusik, das war schon was“, sagt Kapellenvorsitzender Stadler. Bei gemeinsamen Stücken standen insgesamt 90 Leute auf der Bühne, ganz zur Freude des Publikums: „Es gab tosenden Applaus.“

Eine Sehenswürdigkeit war das Grinnell-College, das als Universität einen guten Ruf genießt. Staunen konnten die Holzheimer über die Gebühren: Wer hier studiert, muss jährlich 50000 Dollar berappen.

Nach der Heimkehr genießen die Holzheimer jetzt wieder die Ruhe im Dorf. „Der Krach und der Trubel in New York waren für einige schon etwas viel“, sagt Stadler. Zuerst wollen sich die Musiker gründlich ausschlafen. Das ist gar nicht so leicht: Einige lavieren noch am Jetlag, an den Folgen der Reise durch die Zeitzonen. „Ich war morgens um 3 Uhr plötzlich putzmunter“, sagt ein Musiker. Das wird bald vergehen, beschwichtigt Reiseexpertin Brauchle. Anders als die schönen Erinnerungen – von denen werden die Holzheimer noch lange zehren.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20fws012.tif
Senden

Was die Feuerwehr neben ihren Einsätzen leistet

ad__starterpaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket