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Ulm

09.07.2015

Fachkräfte händeringend gesucht

In der IHK-Region Ulm fehlen bis 2030 etwa 10000 Fachkräfte, beispielsweise in sozialen Berufen, im Maschinenbau oder im Einzelhandel.
Bild: Symbolfoto: Daniel Karmann

Ob in der Pflege oder im Maschinenbau: In bestimmten Branchen fehlen in den nächsten Jahren tausende Mitarbeiter. Ein regionales Bündnis versucht, dagegen zu steuern.

In der Region werden laut Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm in den Jahren 2020 bis 2030 voraussichtlich etwa 10000 Fachkräfte fehlen. Vor allem in den Bereichen Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Einzelhandel, Handwerk, in den Bauberufen und in den sozialen Berufen ist der Bedarf in Ulm, im Alb-Donau-Kreis und im Kreis Biberach jetzt schon groß. Um diesem Trend gegenzusteuern, haben die IHK, die Agentur für Arbeit, der DGB und eine Reihe weiterer Partner vor zwei Jahren das Fachkräftebündnis Ulm/Oberschwaben gegründet. Gestern zogen Vertreter des Bündnisses eine Zwischenbilanz. Klar ist, dass alle Beteiligten einen langen Atem brauchen.

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Wichtig sei zunächst gewesen, die Kräfte der Partner zu bündeln, erläuterte Peter Rasmussen, Leiter der Agentur für Arbeit Ulm. Das heißt, nicht jede Institution soll ihren eigenen Weg beschreiten, sondern Kommunen und Hochschulen, Agentur für Arbeit, Gewerkschaft, IHK und Handwerkskammer gehen verschiedene Problemfelder gemeinsam an. Daraus sind verschiedene Arbeitsgruppen entstanden, die das Thema Fachkräfte sozusagen vom Kindergarten bis zum Berufsleben abdecken. Frühkindliche Förderung, Berufsorientierung und Ausbildung, Studium, Arbeitslosigkeit und internationale Fachkräfte sind die Themenfelder, die dort diskutiert werden. „Unser Ziel ist, dass keiner zurückgelassen wird und durch das Netz fällt“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle.

Die Bündnispartner haben beispielsweise herausgefunden, dass bis zu 40 Prozent der Kinder in der Region ein Jahr vor der Einschulung sprachliche Defizite haben und gefördert werden müssen. „Das geht nicht, darum müssen wir uns kümmern“, sagt Sälzle. Deshalb wurde unter anderem ein Modellprojekt ins Leben gerufen, bei dem Lehrkräfte für angehende Erzieherinnen sich zum Thema Sprachförderung weiterbilden, damit dieses Know-how später in die Kitas getragen werden kann.

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Angesichts eines riesigen Angebots von Möglichkeiten – es gibt mehrere Tausend Studiengänge und Hunderte Ausbildungsberufe – tun sich viele Jugendliche schwer, das für sie richtige Angebot auszuwählen. Hier sollen mehrere Broschüren und Flyer zur Berufsorientierung Hilfe bieten, ebenso zu Praktika, Berufswahl und Übergänge zum Studium. Ein weiteres Modellprojekt beschäftigt sich mit der Durchlässigkeit von beruflicher Ausbildung und Studium. „Systemwechsler“ nennt Otto Sälzle die jungen Leute, die ein Studium abbrechen und dann doch eine Ausbildung machen oder umgekehrt zuerst in die Lehre gehen und im zweiten Anlauf eine akademische Laufbahn einschlagen. „Anschlüsse finden, um Frustration zu vermeiden, ist hier das Entscheidende“, sagt Sälzle.

Das Werben um internationale Fachkräfte ist ein weiterer Schwerpunkt, den sich das Bündnis gesetzt hat, um den Bedarf der hiesigen Unternehmen zu decken. Es gelte, eine neue Willkommenskultur zu entwickeln. So sei beispielsweise ein internationaler Klub gegründet worden. Die Anerkennung internationaler Abschlüsse soll weiter forciert werden. Auch die Flüchtlinge müssten in den Arbeitsmarkt integriert werden. Hier gebe es jedoch in vielen Fällen eine hohe Sprachbarriere, die es erst zu überwinden gelte.

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