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Ulm/Neu-Ulm

23.11.2016

Fachkräftemangel: Firmen schauen in die Röhre

Ein Mangel herrscht in der Region an technischen Fachkräften.
Bild: Jol

Die besorgniserregenden Ergebnisse einer grenzüberschreitenden Studie.

Erstmals wurde jetzt eine Fachkräfteprognose erstellt, die gezielt auf die Stadt Ulm sowie den Kreis Neu-Ulm herunter gebrochen wurde. Die zentralen Ergebnisse der Studie des Wirtschaftsforschungsinstitut Wifor stellten Oliver Stipar und Jonas Pürckhauer von den Industrie- und Handelskammern Schwaben und Ulm am Dienstag auf der Sitzung des Stadtentwicklungsverbands vor.

Verteilung Durchschnittlich werden bis zum Jahr 2030 etwa 6500 Fachkräfte im Raum Ulm/Neu-Ulm fehlen. Auf den Stadtkreis Ulm entfällt dabei mit etwa 74 Prozent der Löwenanteil: Rund 4800 Stellen pro Jahr können nicht besetzt werden. Für durchschnittlich 1700 Stellen pro Jahr im Kreis Neu-Ulm wird sich kein passender Bewerber finden. Folglich bleibt mehr als jede 14. offene Stelle in Ulm unbesetzt Im Landkreis Neu-Ulm mehr als jede 30. Stelle.

Alterung Der demografische Wandel, also insbesondere die Alterung der Gesellschaft, wird den Kreis Neu-Ulm stärker treffen als Ulm. So wird den Prognosen zufolge der Fachkräftemangel im Kreis bis 2030 deutlich ansteigen, während er in Ulm eher auf gleichbleibend hohem Niveau verharrt.

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Bereiche Das Fachkräfteproblem ist bei Weitem kein primäres Problem im Bereich der Akademiker. So beläuft sich der durchschnittliche Fachkräftemangel in den akademischen Berufen im Prognosezeitraum bis 2030 auf etwa 750 (550 im Stadtkreis Ulm, 210 im Landkreis Neu-Ulm). Der Fachkräftemangel in den nicht-akademischen Berufen beträgt hingegen 5700 (4300 in Ulm Ulm, 1400 im Kreis Neu-Ulm). Auf beruflich Qualifizierte mit hoher Qualifikation, wie zum Beispiel, Meister, Techniker oder Betriebswirte, entfallen davon 2200 fehlende Fachkräfte (1500 in Ulm, 700 im Kreis Neu-Ulm). 3500 fehlende Fachkräfte gehen auf das Konto beruflich Qualifizierter mit mittlerer Qualifikation, also Menschen mit abgeschlossener Ausbildung aber ohne weiteren Abschluss wie etwa den Meisterbrief: 2800 davon fehlen im Schnitt pro Jahr in Ulm, 700 im Kreis Neu-Ulm.

Berufsfelder Die rund 2200 fehlenden nicht-akademischen Fachkräfte mit hoher Qualifikation verteilen sich auf 1100 technische und 1100 kaufmännische Fachkräfte (Ulm: 700/800, Kreis Neu-Ulm: 400/350). Die rund 3500 fehlenden Fachkräfte mit mittlerer nicht-akademischer Qualifikation teilen sich in 1000 technische und 2500 kaufmännische Fachkräfte auf (Ulm: 1.000/1.800, Kreis Neu-Ulm: 50/700). Gefragt sind insbesondere Berufe in Unternehmensführung und -organisation, Technische Forschungs-, Entwicklungs-, Konstruktions- und Produktionssteuerungsberufe und Berufe der Erziehung, Lehre, soziale und hauswirtschaftliche Berufe und Theologie.

Gründe Dass in Ulm künftig mehr Fachkräfte als im Kreis Neu-Ulm fehlen, liegt, so Pürckhauer, daran, dass hier ein städtisches Gebiet mit einer zu großen Teilen ländlich geprägten Region verglichen wurde. „Ulm boomt mehr als der Kreis Neu-Ulm.“

Reaktion Einig sind sich die Industrie- und Handelskammern, dass in Schulen noch mehr die Bedeutung der klassischen Lehre (“duale Ausbildung“) betont werden muss. „Wir sollten die Studie auch an die OECD“, sagte Neu-Ulms Oberbürgermeister Gerold Noerenberg. Denn die „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ hatte jüngst bemängelt, dass Deutschland im internationalen Vergleich einen unterdurchschnittlichen Akademikeranteil habe. Im Schnitt absolvieren 40 Prozent der jungen Erwachsenen in den untersuchten Industriestaaten ein Hochschulstudium. In Deutschland sind es nur 27 Prozent. Deutschland hat allerdings mit der weitgehend einzigartigen dualen Berufsausbildung eine Sonderstellung, sodass internationale Vergleiche hier nach Expertenmeinung hinken.

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