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Ulm

21.05.2018

Faszinierende Moderne

„Das ist ein großartiger Opernabend.“Ausdrucksstark: Die Tänzer Beatrice Panero und Daniel Perin, umgeben von den Sängern des Opern- und Extrachores, in „Dahinströmen, singend“ von Gerhard Stäbler.
Bild: Jochen Klenk

Das Theaterpublikum zeigt sich nach der Premiere angetan von der letzten Inszenierung des scheidenden Operndirektors Matthias Kaiser. In einer hinteren Reihe saß ein besonderer Gast.

Mit einem mutigen Experiment, der Kombination von mehreren Kurzopern aus den vergangenen gut 100 Jahren, verabschiedet sich Operndirektor Matthias Kaiser aus Ulm. Zwei Uraufführungen von Gerhard Stäbler, einem der wichtigsten deutschen Komponisten der Gegenwart, faszinierten das Premierenpublikum im – leider – nur etwa zu drei Vierteln gefüllten Großen Haus durch die perfekte Übereinstimmung von Musik und szenischer Darstellung.

Wie fühlt es sich an, wenn man unerkannt die eigenen Werke von einem Sitz in den hinteren Reihen des Großen Hauses erlebt? Gerhard Stäbler, ein Mann mit leisem Auftreten, lächelt glücklich. Seit mehreren Tagen sei er in Ulm, erzählt er, und erlebte die letzten Proben mit. „Und jeden Tag habe ich etwas Neues entdeckt.“ Die Grundidee seines „Dahinströmen, singend“ sei das Meer in den verschiedenen Schattierungen der Farben, die es zeigen kann. „Ich habe allen Instrumenten und dem Chor eine Farbe gegeben.“ Die „Multiplikation eines Ozeans von Menschen“, in die jeder der Menschheit seine Stimme einbringt, so verschieden die Stimmen sind – dafür stehe die Stimme des Sängers Orpheus.

Das Ehepaar Klara und Anton Aubele aus Straß ist vom Abend sehr angetan. „Die Unvereinbarkeit von Ideal und Realität in der Schönberg-Oper ist sehr beeindruckend.“ Bühnenbild und Musik ergeben an diesem Abend ein Gesamtkunstwerk, das großartig sei. „Und am Ende die Carmina Burana: Sie werden zu Carmina Urbana der 20er Jahre. Die eingängige, wuchtige Musik von Orff geht am Ende nahtlos über in die schrillen Töne der 90-Sekunden-Momentaufnahme Stäblers. Das ist ein großartiger Opernabend mit überragenden Leistungen von Chor, Orchester, Solisten und Tänzern.“

Von der Carmina-Burana-Aufführung ist Ulmerin Sandra Bohnacker begeistert. „Ich liebe dieses Werk seit meiner Kindheit. Aufgeführt habe ich es aber noch nie gesehen.“ Die beiden Kurzopern vor der Pause haben sie daher weniger berührt, sagt die junge Ulmerin. „Ich habe die ganze Zeit auf dieses Werk gewartet.“

Kathrin Schulthess gefällt Matthias Kaisers Inszenierung sehr. „Die Sehnsucht nach der vollkommenen Frau hat mich in Schönbergs Oper sehr beeindruckt. Der Künstler steigt im Elfenbeinturm einen Schritt nach oben und zwei zurück.“ Das Bild des enthaupteten Orpheus, dessen Kopf nicht verstummt, sondern auf den Wellen Sphärenmusik singt, habe sich ihr eingeprägt, sagt die Ulmerin.

„Mir war im ersten Teil zu wenig Emotion, obwohl der Abend wirklich sehr gut gemacht ist“, sagt Leslie ter Jung. „Gänsehaut macht mir Zwölftonmusik aber einfach nicht. Ich bräuchte jetzt eher ‘Moonlight Serenade’, der Gefühle wegen“, sagt der Ulmer.

„Ein spannender Abend“, urteilt Sybille Gänßlen über Kaisers Abschiedsinszenierung. „Und optisch ganz viel zu schauen.“ Musik, Bühnenbild und Kostüme ergäben eine perfekte Einheit. „Nur in der Stäbler-Kurzoper geben die Ballettszenen für mich ganz viel Raum zur Interpretation.“

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