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Landkreis Neu-Ulm/Ulm/Unterallgäu

07.01.2021

Fazit der Arbeitsagentur: Was das Jahr 2020 prägte

Das Kurzarbeitergeld wird von der Agentur für Arbeit gezahlt.
Bild: Jan Woitas/dpa (Symbolfoto)

Die Arbeitsagentur zieht eine Bilanz des Jahres 2020 und blickt nicht nur auf die Corona-Folgen. Wie die Lage im Landkreis Neu-Ulm, in Ulm und im Unterallgäu im Dezember war.

Richard Paul, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Donauwörth blickt auf turbulentes Arbeitsmarkt-Jahr 2020 zurück: „Nachdem einzelne Wirtschaftsbereiche bereits von konjunkturellen Problemen und strukturellen Veränderungen betroffen waren, hatte uns die Corona-Pandemie ab März fest im Griff“, schildert er. Im Jahresdurchschnitt lag die Arbeitslosenquote im Kreis Neu-Ulm bei 3,2 Prozent und damit um 1,0 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Durchschnittlich waren 3327 Personen arbeitslos gemeldet. Das sind 1104 mehr als 2019 (plus 49,7 Prozent).

Richard Paul ist der Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Donauwörth.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

Paul fasst zusammen: „Thema Nummer 1 war vergangenes Jahr die Kurzarbeit.“ Sie habe in nie dagewesenen Maße zur Sicherung der Beschäftigung beigetragen, die Unternehmen hielten nach wie vor an ihren Mitarbeitern fest. „Die Krise hat aber auch ihren Preis. Im Jahr 2020 zahlte die Agentur Donauwörth im gesamten Agenturbezirk beachtliche 73 Millionen Euro für Kurzarbeitergeld aus und es wurden über 54 Millionen Euro Sozialversicherungsbeiträge erstattet. Ein Jahr zuvor waren es insgesamt lediglich 3,6 Millionen Euro“, so Paul weiter. Auch die Ausgaben für das Arbeitslosengeld I sind um 46,5 Prozent auf fast 67 Millionen Euro gestiegen.

Landkreis Neu-Ulm: Nachfrage nach Arbeitskräften ist gesunken

Der Bedarf an Arbeitskräften ist nach Pauls Angaben rückläufig. Branchen, die unmittelbar von den Beschlüssen zum Lockdown betroffen waren und sind, hätten deutlich weniger Stellen gemeldet. Zudem gelte es, den Transformationsprozess zu meistern. Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei um rund ein Drittel gesunken und die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sei im Jahresvergleich erstmals leicht rückläufig.

Männer waren nach Agenturangaben 2020 mehr von Arbeitslosigkeit betroffen als Frauen. Im Jahresdurchschnitt stieg die Arbeitslosigkeit bei Männern um 707 Personen oder 55 Prozent, bei Frauen um 397 oder 42,4 Prozent. Beim Jobcenter Neu-Ulm waren durchschnittlich 1014 Menschen arbeitslos gemeldet knapp ein Drittel aller Arbeitslosen.

Kurzarbeit und digitaler Wandel beschäftigen Firmen im Kreis Neu-Ulm

Der Personalbedarf der Betriebe war wesentlich niedriger als in den Vorjahren: Im Jahr 2020 waren laut Arbeitsagentur durchschnittlich 1108 offene Stellen gemeldet, das sind 790 oder 41,6 Prozent weniger als im Jahr 2019. Auch die Zahl neuer gemeldeter Stellen ist gesunken.

Kurzarbeit prägte den Arbeitsmarkt im Jahr 2020.
Bild: Patrick Pleul/dpa (Symbolfoto)

Nach den aktuellsten Daten vom Juni 2020 standen zu diesem Zeitpunkt 65.386 Menschen im Kreis in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis. Die Beschäftigung sank im Vergleich zum Vorjahr um 1618 (2,4 Prozent). Das liegt vor allem am Verarbeitenden Gewerbe, an Metall-, Elektro- und Stahlindustrie sowie an der Arbeitnehmerüberlassung. „Auch im Zeitalter der Digitalisierung und der Transformation werden wir nicht weniger Arbeit haben, die Arbeit verändert sich jedoch“, resümiert der Agenturchef. Langfristig kämpfe man gegen den Fachkräftemangel und setzte stark auf die Qualifizierung von Beschäftigten.

So war der Dezember im Kreis Neu-Ulm aus Sicht der Arbeitsagentur

Zum Jahresende nahm die Arbeitslosigkeit im Kreis Neu-Ulm geringfügig ab, berichtet Paul. Pandemie- oder witterungsbedingte Einflüsse seien jedoch bisher kaum spürbar. Allerdings seien die Daten zur Monatsmitte und damit vor dem Beginn des erneuten Lockdowns erhoben worden. Im Dezember erreichte die Arbeitslosenquote wie im November den Wert von 3,3 Prozent (Vorjahr: 2,3 Prozent). Aktuell sind 3387 Menschen ohne Stelle, 18 weniger als vor einem Monat und 1090 mehr als vor einem Jahr. Im Dezember gingen 167 Kurzarbeit-Anzeigen für 1140 Personen ein, im November waren es noch 91 Anzeigen für 816 Beschäftigte.

Statistische Ergebnisse über die realisierte Kurzarbeit als Hochrechnung liegen auf Landkreisebene bis Juli dieses Jahres vor. Demnach ergeben sich 679 Betriebe und 10.352 Personen in Kurzarbeit und eine Kurzarbeiterquote von 15,8 Prozent. Aufgrund der Gültigkeitsdauer der Anzeigen von zwölf Monaten kann die realisierte Kurzarbeit die angezeigte Kurzarbeit übersteigen.

Agentur für Arbeit meldet Zahlen aus Ulm und aus dem Unterallgäu

In Ulm waren im Dezember nach Angaben der dortigen Agentur für Arbeit 3104 Menschen auf der Suche nach einer Stelle. Somit nahm die Arbeitslosigkeit zum Vormonat um 14 Personen (0,4 Prozent) ab. Die Arbeitslosenquote blieb zum Vormonat gleich bei 4,3 Prozent und somit 1,0 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Bis zum 28. Dezember zeigten in Ulm 149 Betriebe für bis zu 1594 Beschäftigte Kurzarbeit an. Im November waren es 148 Betriebe, die für bis zu 1767 Beschäftigte Kurzarbeit anzeigten.

Auch die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen blickt auf das vergangene Jahr zurück. In dessen Einzugsgebiet liegt auch der Landkreis Unterallgäu. Wenig überraschend war auch hier Corona das bestimmende Thema 2020. Vergangenes Jahr hat das Amt die höchste Zahl an Arbeitslosen seit zehn Jahren verzeichnet. Im Unterallgäu lag die Arbeitslosenquote zuletzt bei im bayernweiten Vergleich immer noch niedrigen 2,4 Prozent. Im Dezember 2019 waren es noch 1,8 Prozent. Zudem gab es im Agenturbezirk so viel Kurzarbeit wie nie zuvor. Im April und Mai waren jeweils rund 60.000 Arbeitnehmer betroffen.

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