Geschichte

01.10.2015

Feind und Retter

Kleiner Korse mit großem Platz in der Geschichte: Napoleon Bonaparte (1769-1821) veränderte Europa nachhaltig – ganz besonders Bayern, wie auch der Historiker Thomas Schuler schreibt.
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Kleiner Korse mit großem Platz in der Geschichte: Napoleon Bonaparte (1769-1821) veränderte Europa nachhaltig – ganz besonders Bayern, wie auch der Historiker Thomas Schuler schreibt.
Bild: www.napoleoninbayern.de

Thomas Schuler beschäftigt sich in dem Buch „Wir sind auf einem Vulkan“ mit Bayern zur Zeit Napoleons. Am Freitag stellt es der Historiker in seiner Heimatstadt Ulm vor

Was wäre Bayern ohne Napoleon? Diese Frage stellt derzeit die bayerische Landesausstellung in Ingolstadt. Mit seinem kürzlich erschienenen Buch „Wir sind auf einem Vulkan – Napoleon und Bayern“ widmet sich auch der Ulmer Historiker Thomas Schuler der Geschichte des Freistaats in der Zeit der Französischen Revolution. Und fragt man ihn direkt, weiß er auch eine Antwort: Ohne Napoleon, so sagt er, würde es Bayern wahrscheinlich gar nicht mehr geben. „Bei den Österreichern gab es damals ernsthafte Bestrebungen, sich Bayern einzuverleiben“, sagt Schuler und ergänzt mit einem Schmunzeln: „Dann hätten wir heute schon Autobahngebühren.“

Der Historiker gehört zu den führenden Napoleon-Experten in Deutschland. Seit 15 Jahren beschäftigt er sich intensiv mit dem Leben und Wirken des Feldherrn, der gerade in der Region Ulm tiefe Spuren hinterlassen hat. In der Schlacht bei Elchingen am 14. Oktober 1805 gelang seinen Truppen ein wichtiger Sieg gegen Österreich. Bayern stand damals an der Seite Frankreichs, dessen Soldaten sich freilich gar nicht zimperlich gezeigt hatten. „Sie haben jedes Dorf auf ihrem Weg bis auf die nackten Mauern ausgeplündert“, sagt Schuler. Und doch wurde Napoleon in Bayern als Retter empfunden. „Trotz allem waren die Österreicher unbeliebter“, sagt Schuler. Er nennt als Beispiel einen Elchinger Abt, der von französischen Soldaten verprügelt wurde – und später die „Heldentaten des Napoleon“ in einem Buch rühmte.

„Wir sind auf einem Vulkan“ schildert Bayerns Weg zwischen der Französischen Revolution und dem Wiener Kongress detailreich und verständlich. Genau darum geht es dem Historiker: „Ich bin von der Schule traumatisiert.“ Dort sei der Geschichtsunterricht zumeist „schmerzhaft langweilig“ gewesen. Dabei sei die Geschichte ganz anders: aufregend und auch für die Gegenwart relevant. Für Schuler ist die Geschichte Bayern in napoleonischer Zeit ein gutes Beispiel dafür, dass historische Vorgänge bis heute nachwirken. Von der Französischen Revolution inspiriert, schufen der aufgeklärte Kurfürst und spätere König Max Joseph und sein Minister Montgelas einen modernen Staat; die von Napoleon gezogenen Grenzen haben im Wesentlichen noch immer Gültigkeit. Auch deswegen, weil Bayern, als sich das Blatt zuungunsten der Franzosen wendete, die Seiten wechselte.

Feind und Retter

Thomas Schuler ist kein Napoleon-Fan. „An dem Mann scheiden sich bis heute die Geister“, sagt er. Doch immer wieder bemühte Vergleiche Bonapartes mit Hitler seien „total falsch“. In seinem Buch, das auf seiner wissenschaftlichen Arbeit der Vorjahre aufbaut, zeigt Schuler beide Seiten, das Leid und den Fortschritt, die Zerstörung und den Glanz. Dafür habe er schon viel Lob bekommen, sagt der Ulmer. Unter anderem von Fürst Carl Friedrich von Wrede, einem Nachfahren des Feldmarschalls Carl Philipp von Wrede, des wohl wichtigsten bayerischen Militärführers der napoleonischen Zeit. „Er hat mir ausdrücklich zu dem Buch gratuliert.“ Wrede ist auch am heutigen Donnerstag dabei, wenn „Wir sind auf einem Vulkan“ im Königsaal des Bayerischen Hofes in München präsentiert wird.

Morgen, Freitag, stellt Schuler – dann allein – den Band auch in Ulm vor, um 19.30 Uhr im Donauschwäbischen Zentralmuseum. Dann wird er die spannendsten und unterhaltsamsten Episoden aus dem Buch vortragen: Es geht etwa um den legendären Diamanten „Blauer Wittelsbacher“ oder auch um champagnertrinkende bayerische Soldaten. Illustriert wird der Vortrag mit zahlreichen Bildern, die auf eine Leinwand projiziert werden. „Ich will die Zeit wieder lebendig werden lassen“, verspricht er. „Die Zuhörer sollen sich wie im Kino fühlen.“

„Wir sind auf einem Vulkan“ ist erschienen bei C.H. Beck und kostet im Buchhandel 24,95 Euro. Mehr zur Arbeit von Thomas Schuler auf seiner Webseite www.napoleoninbayern.de

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