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Landkreis Neu-Ulm

24.05.2019

Feuerwehren fordern mehr Respekt für ihren Einsatz

Schwieriger Einsatz: Im Juli 2018 brannte eine Maschinenhalle in Asch bei Weißenhorn.
Bild: Wilhelm Schmid

Bei der Dienstversammlung der Kommandanten im Landkreis Neu-Ulm wird viel über Pöbeleien und Gewalt gegen Einsatzkräfte gesprochen.

Mehr als 3000 Feuerwehrleute im Landkreis Neu-Ulm stehen rund um die Uhr bereit, um Mitmenschen zu helfen, die in Not sind. Dafür verlassen sie ihren Arbeitsplatz oder die Familie und setzen oft genug ihre Gesundheit aufs Spiel. Doch statt großem Respekt erfahren die Einsatzkräfte häufig Pöbeleien oder gar gewalttätige Angriffe. Sämtliche Redner bei der Kommandanten-Dienstversammlung des Landkreises in Senden waren sich am Mittwochabend einig, dass gegen die sich leider mehrenden unschönen Szenen mit aller Konsequenz vorgegangen werden müsse.

Landrat Thorsten Freudenberger forderte in seinem Grußwort: Man dürfe nicht zulassen, dass mangelnde Wertschätzung für den Feuerwehrdienst jemals zur Normalität werde. Die 3000 Aktiven und 500 Jugendlichen hätten vollste Anerkennung für ihren schwierigen Dienst verdient, zumal der demografische Wandel allein schon Schwierigkeiten mit sich bringe, Ehrenamtliche zu finden. Es gelte, die Probleme zu beschreiben, Lösungen zu suchen und klare Position zu beziehen, sagte der Landrat und dankte allen, die zur erfolgreichen Arbeit der Feuerwehr im vergangenen Jahr beigetragen hatten.

Bilanz 2018: 3333 Einsätze im Landkreis Neu-Ulm

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl-Heinz Brunner ergänzte, dass dank der „größten und wichtigsten Bürgerinitiative alle in einem freien Land sicher leben können“. Sendens Bürgermeister Raphael Bögge erweiterte den Dank auf die Familien, die angesichts des hohen Zeitaufwandes der Feuerwehrangehörigen vielfachen Verzicht üben müssten. Markus Zoller, Leiter der Polizeistation Senden, hob die stets gute Zusammenarbeit aller Hilfsorganisationen hervor und rief dazu auf, der „alarmierenden Entwicklung“ entschieden zu begegnen.

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Kreisbrandrat Bernhard Schmidt legte in seinem Jahresbericht eine eindrucksvolle Leistungsbilanz vor: Demnach wurden im Jahr 2018 genau 3333 Feuerwehreinsätze absolviert, was alle zweieinhalb Stunden eine Hilfeleistung bedeutet. Mehr als 100 Menschen wurden aus lebensbedrohlichen Lagen gerettet, 162 wurden medizinisch erstversorgt und 23 mussten tot geborgen werden. Diese Zahlen, sagte Schmidt, hätten im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zugenommen. 270 Brände wurden gelöscht und 1174 technische Hilfeleistungen machten daneben den Löwenanteil der Einsätze aus.

Die Zahl der Aktiven in den Feuerwehren geht leicht zurück

Durch Ausbildung, Übungen sowie Instandhaltung und Erneuerung des Fuhrparks und der Geräte halten sich die 3500 Ehrenamtlichen im Landkreis sowie die 35 Hauptamtlichen der Neu-Ulmer Wache auf dem Laufenden, um den steigenden Anforderungen gewachsen zu sein. Doch alle Fahrzeuge, Gerätehäuser und Ausrüstungen sind wertlos, wenn die Menschen fehlen, die sie bedienen und die sicherstellen, dass die gesetzliche Hilfsfrist mit zehn Minuten vom Notruf bis zum Eintreffen an der Einsatzstelle eingehalten wird. Veränderungen in der Arbeitswelt machen die Tageszeit von 6 bis 18 Uhr inzwischen zur kritischen Zeit, sodass es Schmidt zufolge unumgänglich ist, Männer und besonders auch Frauen zum Eintritt in die Feuerwehr zu bewegen.

Zwar steigt die Zahl der Jugendlichen leicht an und Projekte wie die neu eröffnete Kinderfeuerwehr in Nordholz geben Anlass zur Hoffnung. Doch die Zahl der Aktiven gehe leicht zurück – ein „Alarmsignal“, sagte Bernhard Schmid. Politik und Wehren müssten gemeinsam daran arbeiten, die personelle Situation zu verbessern und dabei besonders die Tagesalarmsicherheit zu gewährleisten, forderte er.

Der Kreisbrandrat äußerte sich auch zum Thema Gewalt gegen Einsatzkräfte: Vor allem den „Egozentrikern hinterm Steuer“ müsse entschieden begegnet werden, Bewusstseinsbildung aufseiten der Verkehrsteilnehmer müsse ebenso gefördert werden wie Ruhe und Gelassenheit im Umgang mit solchen, die eines offenbar nicht begriffen: Dass sie mit ihrer Blockadehaltung die Wartezeiten und die Hilfeleistung verzögerten.

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