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Pfaffenhofen

11.11.2018

Feuerwehren wollen sich nach mehr als 70 Jahren wiedervereinigen

Über den Beschluss zur Wiedervereinigung der Feuerwehren von Roth und Berg freuen sich mit Kreisbrandrand Bernhard Schmidt (Mitte) auch die Kommandanten Robert Fickler (Berg/links) und Andreas Schweiggert (Roth).
Bild: Willi Baur

Die Abteilungen Roth und Berg planen eine Fusion. Die Räte müssen noch zustimmen. Eine Frage bleibt bei der gemeinsamen Dienstversammlung unbeantwortet.

Roth/Berg Mehr als sieben Jahrzehnte nach ihrer Trennung wollen sich die Feuerwehren der Pfaffenhofer Ortsteile Roth und Berg wieder zusammenschließen. Dafür sprachen sich bei einer gemeinsamen Dienstversammlung am Donnerstag alle anwesenden 29 aktiven Mitglieder der beiden Wehren aus.

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Der Marktgemeinderat muss allerdings noch zustimmen. „Davon gehe ich aus, die Abstimmung war ja eine eindeutige Aussage“, kommentierte Bürgermeister Josef Walz das Votum. Spätestens im Dezember werde er das Thema im Gremium behandeln, bei einer Zustimmung solle die Zusammenführung Anfang Februar umgesetzt werden.

Dass dieser Schritt mit dem im Vorjahr verabschiedeten Feuerwehrbedarfsplan nicht unbedingt harmonieren würde, weiß nicht nur der Rathauschef. Allen Verantwortlichen ist auch sehr wohl bewusst, was Kreisbrandrat Bernhard Schmidt in seinem Grußwort formulierte: „Die Einheiten vor Ort sollen lebensfähig bleiben.“

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Völlig ohne Not kam die Partnerschaft nicht

Die wichtige Frage eines Feuerwehrmannes nach dem künftigen Domizil der gemeinsamen Wehr blieb indes an dem Abend unbeantwortet. „Das wird auch vom Ergebnis der Standortanalyse abhängen, die der Markt bekanntermaßen erstellen lassen will“, sagte der Rother Kommandant Andreas Schweiggert.

Deutlich wurde jedenfalls: Der momentane Standort in Roth wird nicht reichen und ist offenbar auch nicht mehr zeitgemäß. Das Haus in Berg sei zwar moderner, aber zu klein für die gesamte Wehr, sagte Schweiggert. Er hoffe, „dass es jetzt mit einer Lösung vorangeht, egal ob Umbau oder Neubau“. Sein Berger Kollege Robert Fickler sagte: „Das wächst schon zusammen und wird eine gute Sache. Und mit einem neuen Haus wird es noch besser.“

Beide Wehren haben dem Vernehmen nach schon seit geraumer Zeit darauf hingearbeitet, seit dem Frühjahr auch gemeinsam geübt. „Alles einvernehmlich“, heißt es aus dem Umfeld, von einer „Liebesheirat“ war gar die Rede. Völlig ohne Not kam die Partnerschaft freilich nicht zustande. Für den Bürgermeister ein wesentlicher Faktor: „Aufgrund ihrer Mannschaftsstärke sind die beiden Wehren tagsüber nur noch bedingt einsatzfähig.“ Bei dem jüngsten Wohnhausbrand in Roth zur Mittagszeit sei dies ersichtlich geworden. Überdies habe „die räumliche Nähe zueinander“ den Entschluss gefördert.

Seit 1873 gab es in Roth und Berg einen "geordneten Feuerwehrdienst"

Allerdings: „Auch große Wehren haben heute Probleme“, machte Kreisbrandrat Schmidt deutlich. Unabhängig von der Größe unverändert aber sei ihre Bedeutung, „enorm der Druck, der auf den Wehren und ihren Führungskräften lastet“. Oft gehe es schließlich „um Leben und Tod“. Josef Walz hatte eingangs den Aktiven Respekt und Anerkennung für ihren selbstlosen Einsatz, ihre stete Leistungsbereitschaft und ihre Treue zur Wehr ausgesprochen und dabei auch an die bewegte Vergangenheit beider Einrichtungen erinnert. Seit 1873 gab es demnach in Roth und Berg einen zunächst der Pfaffenhofer Wehr angegliederten „geordneten Feuerwehrdienst“.

Der Chronik von Herbert Schörnig zufolge wurde im Januar 1888 dann die Freiwillige Feuerwehr Roth-Berg gegründet. Gut beschäftigt waren die anfangs 39 Männer immer, wie ein Blick in das Buch zeigt. Drei oder vier Stadelbrände pro Jahr sind hier mitunter verzeichnet, ab und an traf es natürlich auch Wohngebäude. Erst 1946 hatten einige Bürger aus Berg den Wunsch, sich aus der gemeinsamen Wehr zu lösen. Zur Gründung einer eigenständigen Feuerwehr geführt habe nicht zuletzt „das geheimnisvolle Auftauchen einer Motorspritze“. Diese stammte womöglich aus Beständen der aufgelösten Wehrmacht, wie manche munkeln.

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