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Weißenhorn

02.10.2019

Film von Weißenhornerin: Kleine Tode unter Freunden

Um Tod und Schuld dreht sich Isabelle Konrads erster abendfüllender Film „Small Deaths“. Dieser hat im Ulmer Obscura-Kino seine Premiere.
Bild: Isabelle Konrad

Die 21-jährige Isabelle Konrad hat ihren ersten Film „Small Deaths“ fertiggestellt. Der Weg dorthin war schwerer als gedacht – und das nächste Projekt ist schon in der Mache.

Nach der Party ist vor dem Horror: In der Nacht noch haben Jenny, Marc, Tara und Hendrik gemeinsam gefeiert, berauscht von einer unbekannten Droge. Doch am Morgen danach ist Jenny tot – und das Leben der anderen gerät aus den Fugen. Wer hat Schuld? Wer übernimmt Verantwortung? Die drei jungen Leute gehen mit dem Verlust ganz unterschiedlich um, mit Aggression gegen sich und andere, mit Schweigen und Wut. Eine Tragikomödie nennt die Weißenhornerin Isabelle Konrad ihr Langfilm-Debüt „Small Deaths“, das am Samstag, 5. Oktober, um 17.45 Uhr im Ulmer Obscura-Kino seine Premiere feiert – nach zwei Jahren Vorarbeit und manchen Rückschlägen.

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Vorsichtig ist kein Begriff, der einem in Zusammenhang mit der Filmemacherin einfällt. Wenn andere Künstler noch abwägen, macht sie schon – auch um den Preis zu scheitern. Wobei die 21-Jährige, die Medienkunst an der HfG Karlsruhe studiert, lieber lernen als scheitern sagt. Und irgendwie kriegt sie dann doch die Kurve. So war es 2018 bei ihrer Ausstellung „24/7“ im Weißenhorner Rathaus, die aus einem missglückten Studienprojekt hervorging.

Im Sommer 2017 wurde "Small Deaths" in Weißenhorn gedreht

So ist es auch bei ihrem Film „Small Deaths“, den sie überwiegend in einem Haus in der Weißenhorner Innenstadt drehte. Schon mit 17 hatte sie einen kurzen Experimentalfilm gedreht, mit 18 begann sie die Arbeit an dem 90-minütigen Drama, für das sie auch das Buch schrieb. Für den Dreh im Sommer 2017 scharte sie ein Team von etwa 30 Helfern um sich, Freiwillige, denn ein Budget gab es nicht, Amateure vor und hinter der Kamera. Vieles musste Konrad dennoch selbst machen. „Ich habe gekocht, geputzt, Geld besorgt, die Kamera bedient und Regie geführt“, erinnert sie sich an dieses Abenteuer der Sorte „einfach mal machen“.

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Mit zwei Jahren Abstand gibt sie zu: „Ich war ein bisschen überfordert.“ Das fertige Material war teilweise nicht brauchbar, es gab unter anderem Probleme mit dem Ton. Auch das Feedback an der Hochschule war lange nicht unbedingt ermutigend. Bis ein Professor ihr Tipps gab, wie das Werk noch zu retten wäre. Im Juni 2018 wurden noch drei Szenen nachgedreht, dann ging „Small Deaths“ in den Schnitt. Im Herbst schließlich war der Film fertig, doch Isabelle Konrad hielt ihn noch zurück, versuchte ihn bei namhaften Festivals unterzubringen, allerdings ohne Erfolg.

Isabelle Konrad nennt Film ein "Drama ohne Grund"

Jetzt erst lässt sie ihn auf die Öffentlichkeit los – und ist mit dem, was sie zeigen kann, durchaus zufrieden. „Small Deaths“ sei brutaler, aber auch echter geworden, als sie es anfangs gedacht hätte. Die 21-Jährige betrachtet ihr Werk als klassischen Arthaus-Film für ein anspruchsvolles, kinoaffines Publikum. Er sei eine Mischung aus Tragödie und Coming-of-Age-Drama, aber auch humorvoll, ironisch und surreal. Ein wilder filmischer Trip in Handkamera-Ästhetik, ein „Drama ohne Grund“, wie es die Filmemacherin nennt. Die Reaktionen von Familien, Freunden und Kommilitonen seien zwar gemischt ausgefallen („die einen waren extrem begeistert, andere eher reserviert“), alle aber hätten danach mit ihr über den Film reden wollen, manche zwei Stunden lang. „Das ist für mich das größte Kompliment“, sagt Konrad. Jetzt hofft sie, dass „Small Deaths“ nach der Premiere auch noch in weiteren Kinos zu sehen sein wird. „Das hängt auch davon ab, wie es in Ulm läuft.“

Konrad selbst sieht den Abend im Obscura aber weniger als Anfang einer Verwertungskette, sondern als Abschluss eines Projekts, das ihr zwischenzeitlich auch ihre Grenzen aufgezeigt hat. „Es war sehr schwierig, aber durch das, was ich gelernt habe, habe ich anderen etwas voraus“, sagt die 21-Jährige. Diese Erfahrungen will sie nun in ihren nächsten Streifen einbringen, den sie im Rahmen ihres Medienkunst-Studiums in Karlsruhe dreht. Es soll wieder ein Langfilm werden, sonst aber „komplett anders“, wie sie sagt. Diesmal geht es um Frauen in der Filmbranche, Konrad spricht von Profi-Darstellern, einem großen Team, sogar von Spezialeffekten. Im Februar soll der Dreh beginnen. Die Finanzierung bereitet ihr noch ein wenig Sorgen, aber sie ist optimistisch. „Ich muss Klinken putzen gehen, wie immer.“

Ob sie sich auch schon als eine der Frauen im Filmgeschäft versteht? Ja, sagt Isabelle Konrad, auch wenn sie sich durch ihr Studium noch in einem geschützten Umfeld befinde. Doch es liege noch ein weiter Weg vor ihr.

Für die Premiere von „Small Deaths“ am Samstag, 5. Oktober, um 17.45 Uhr im Obscura-Kino (im Roxy) gibt es noch Karten. Ticketbesitzer haben freien Eintritt zur Aftershow-Party in der Alte Mühle Eventlocation in Roggenburg. Diese beginnt um 21 Uhr.

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