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Landkreis Neu-Ulm

23.11.2019

Fischer ärgern sich über die Ausbeutung der Iller

Die schwäbischen Fischer haben sich mit der ökologischen Qualität von Gewässern der Region befasst.
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Die schwäbischen Fischer haben sich mit der ökologischen Qualität von Gewässern der Region befasst.
Foto: Andreas Brücken

Plus Während ein geplantes Kleinkraftwerk bei Dietenheim umstritten ist, zeigt ein Investor am Ayer Wehr, wie Umweltschutz und wirtschaftlicher Profit zusammengehen

Wolfgang Höß ist nicht nur Bürgermeister von Altenstadt, sondern auch der Vorsitzende der Fischereigemeinschaft Untere Iller. Wenn es um die Nutzung des Flusses geht, findet der engagierte Fischer und Politiker klare Worte, wie jüngst im Rahmen der Herbsttagung des Fischereiverbands Schwaben: Es dürfe nicht sein, dass staatliches Eigentum dem Profit von Kraftwerksbetreibern geopfert werde, erklärte Höß den Vereinsmitgliedern im Bürgerhaus Senden.

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Gemeint ist damit das geplante Schachtkraftwerk an der Iller bei Dietenheim. Das Projekt eines Münchner Bauherrn steht im Widerspruch zur Haltung von Naturschutzverbänden und Fischereivereinen: Während die Länder Baden-Württemberg und Bayern gemeinsam rund 70 Millionen Euro für die Renaturierungsmaßnahmen „agile Iller“ bereitstellen, bewirke das Kleinkraftwerk das Gegenteil, sagt Höß und erklärt, dass Fische durch ein Kraftwerk mit einem unzureichenden Fischpass nicht flussaufwärts wandern könnten, um dort an ihre Laichplätze zu kommen: „Hier wird der Fluss unter dem Deckmantel einer vermeintlich ökologischen Energiegewinnung ausgebeutet.“

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Ohnehin sei die Iller als alpiner Fluss durch die Begradigungen, wie sie vor rund 100 Jahren durchgeführt wurden, arg geschunden. Um die Fließgeschwindigkeit des Wassers zu erhöhen, wurde es in ein gerades Flussbett gezwängt. Im Laufe der Jahre hat die Strömung jedoch fast den gesamten Kies mit sich gerissen, sagt Höß und beschreibt Stellen in der Iller, deren Grund nur noch aus reinem Flins, also Felsen, bestehen: „Hier kann kein Fisch mehr laichen.“

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Wie Ökologie und Ökonomie mit dem Fluss funktionieren kann, zeigt Heinrich Winter, der seit etwa neun Monaten der Eigentümer des Ayer Wehrs ist. Derzeit wird das Kraftwerk an der Iller auf den neuesten Stand gebracht. Doch hat der Investor aus Augsburg nicht nur den wirtschaftlichen Aspekt in seinen Planungen berücksichtigt. Auch zahlreiche Maßnahmen für den Umweltschutz wurden in das Projekt mit aufgenommen: Ein Biotop wurde bereits vorbereitet und die Arbeiten an einem Fischpass mit einer Durchlaufgeschwindigkeit von einem Kubikmeter pro Sekunde wurden begonnen. Eine weitere Fischrampe soll noch im kommenden Herbst am westlichen Ufer entstehen. Was die Kosten für das Projekt betrifft, sagt der Investor nichts Genaues: „Nicht Hunderttausende, sondern in die Million geht der Preis dafür“, lautete die knappe Auskunft von Winter. Die Herausforderung, eine möglichst naturnahe Lösung unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes zu schaffen, sei enorm gewesen. Er betont, die Zusammenarbeit mit den Behörden des Landratsamts, dem Wasserwirtschaftsamt und den beteiligten Vereinen und Verbänden sei hervorragend gewesen.

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Als weiteres Vorzeigeprojekt präsentierten die Mitglieder des Fischereivereins Elchingen die Renaturierung des Franz-Willbold-Sees. Vor rund 50 Jahren entstand das Gewässer westlich der A7 und nördlich der Donau ebenso wie zahlreiche weitere Baggerseen durch den Kiesabbau. Wegen der steil abfallenden Ufer sei der See leblos wie eine Badewanne gewesen, erinnert sich Michael Hiller. Der Zweite Vorsitzende des Fischereivereins Elchingen erzählt, wie die Mitglieder zunächst die Altlasten wie Maschinen und Geräte des Kiesabbaus beseitigen mussten, bevor im April 2018 der Ausbau des Ufers stattfinden konnte. „Wir haben die steile Böschung abgetragen und mit Erdaufschüttungen ein Flachwasserufer geschaffen.“ Große Flussbausteine und Totholz, die im See abgeladen wurden, hätten dafür gesorgt, dass schon nach wenigen Monaten erste Wasserpflanzen gewachsen seien. Rund 30000 Euro wurde für die Maßnahme investiert, wie Hiller sagt, 90 Prozent davon hat der Landesfischereiverband bezuschusst. Der Präsident des Schwäbischen Fischereiverbandes, Hans-Joachim Weirather, lobt die Arbeit der Elchinger Fischer. Der Franz-Willbold-See sei ein Beispiel, wie weitere Projekte dieser Art in Schwaben angeregt werden können.

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