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Pfaffenhofen

10.04.2015

Flüchtling auf Rad prallt gegen Auto: Wer zahlt?

Diese Schäden soll der Wagen laut eines Gutachtens von einem Zusammenstoß mit einem Radfahrer zurückbehalten haben.
Bild: Alexander Kaya (Repro)

Ein Asylbewerber soll in Pfaffenhofen einen Schaden verursacht haben - die Behörde winkt ab

Der Knall dürfte weithin vernehmbar gewesen sein, als ein Fahrradfahrer vor einigen Wochen auf dem Stellplatz des Martinushauses mit Wucht gegen das Heck eines dort geparkten Mazdas prallte. Ein örtlicher Automechaniker hat den Schaden am Wagen in Augenschein genommen. Jener soll erheblich sein: Auf rund 1800 Euro taxierte ein Gutachter die Reparaturkosten, auf einem Foto sind eine Delle oberhalb des rechten Rücklichts und mehrere Kratzer zu sehen. Verletzt wurde bei dem Zusammenstoß augenscheinlich niemand.

Wer den Schaden verursacht hat, ist nicht bekannt. Angeblich soll es sich um einen Mann mit dunkler Hautfarbe handeln, sagt der Mechaniker. Augenzeugen hätten das beobachtet und auf einen der 80 Asylbewerber geschlossen, die aktuell in Diepertshofen und Kadeltshofen untergebracht sind. Unter den Spenden an die Flüchtlinge seien auch Fahrräder gewesen. Nach dem mutmaßlichen Unfall sei niemand bereit, für den Schaden aufzukommen. „Das interessiert keinen“, so der Pfaffenhofer. Seiner Auffassung nach müsste eine Behörde aufkommen, da die Flüchtlinge schließlich vom Staat betreut würden.

Dem ist allerdings nicht so, sagt Karen Beth, Juristin am Neu-Ulmer Landratsamt. „Der Staat kommt ja bei Schadensfällen auch nicht für seine dauerhaft hier lebenden Bürger auf.“ Die Haftpflicht sei, anders als ihr Name vielleicht vermuten lasse, eben keine Pflichtversicherung. Der Verursacher müsse selbst belangt werden – falls ihm der Unfall und die Schuld überhaupt nachgewiesen werden könnten. „Eine Versicherung zahlt ja auch nur dann“, so Beth. Und fügt hinzu: „Spekulieren kann man viel.“ Wie die Juristin sagt, seien im Zuge der Flüchtlingsströme durchaus mehrere Gerüchte in Umlauf, etwa, dass zuletzt Flüchtlinge Fahrräder gestohlen hätten. Bei einer Kontrolle der Polizei sei aber nicht ein gestohlenes Rad gefunden worden.

Der Pfaffenhofer Helferkreis Asyl beschäftigt sich mit dem Unfall auf dem Parkplatz des Martinushauses. „Ein Auto wurde aller Wahrscheinlichkeit nach auf unserem Parkplatz von einem unserer Asylbewerber beschädigt“, sagt Pfarrer Reinfried Rimmel. Man habe über ein Plakat in englischer Sprache versucht, den Verursacher ausfindig zu machen. Ein Foto des Schadens an dem Fahrzeug sei herumgezeigt worden. Es habe sich bislang aber niemand gemeldet, sagt Rimmel. Und betont: Der Helferkreis wolle helfen und „Brücken bauen“ – allerdings könnten wohl nicht alle Probleme aufgefangen werden.

Auch bei der Weißenhorner Polizei ist der Schaden bereits aktenkundig. Oder besser: die Schäden. Denn einige Tage nach dem Fahrrad-Unfall soll ein Auto die hintere Stoßstange des Mazda touchiert haben. Die Halterin habe beides angezeigt, bestätigt Hauptkommissar Hubert Schneider. Den Schaden durch das Rad allerdings erst nachträglich und vor Kurzem. Das mache die Ermittlungen schwierig. So sei es fraglich, ob sich überhaupt noch Spuren wie etwa Lackreste nachweisen lassen. Schneider: „Je länger ein Unfall her ist, desto schwerer wird es.“

Bisher deutet manches darauf hin, dass die Autobesitzerin auf den Kosten sitzen bleibt. Ihre Kfz-Haftpflichtversicherung komme dafür nicht auf, hieß es. Repariert wurde der Schaden bisher nicht. Die Kosten belaufen sich auf 1800 Euro – plus 400 für den Gutachter.

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