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Ulm

12.09.2015

Flüchtlinge: Jetzt ist auch in Ulm der Notfall da

Die alte Turnhalle des Keplergymnasiums, direkt neben der neuen „Stapelturnhalle“ (links) an der Olgastraße, wird derzeit umgebaut. Dort sollen ab Oktober bis zu 120 Flüchtlinge untergebracht werden.
Bild: Andreas Brücken

Weil die Zahl der Flüchtlinge weiter steigt, bereitet die Stadt die erste Turnhalle für die Unterbringung von bis zu 120 Menschen vor. Lieferengpässe gibt es derzeit bei Stockbetten.

In den vergangenen Monaten hat die Stadt Ulm alle Hebel in Bewegung gesetzt, um neue Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge zu schaffen. Die zuständigen Fachleute haben Wohnungen angemietet, Container gekauft, städtische Gebäude neu hergerichtet und die frühere Hindenburgkaserne umgebaut. Doch allmählich ist eine Grenze erreicht, und die Verwaltung muss tun, was sie eigentlich nicht wollte: eine Turnhalle mit Flüchtlingen belegen. Im Gegensatz zum Landkreis Neu-Ulm, der jetzt bereits das dritte Gebäude für den Sportbetrieb sperren muss (wir berichteten), richtet die Stadt Ulm aber derzeit eine Halle her, die zuletzt nicht mehr genutzt wurde.

Es handelt sich um die frühere Turnhalle des Keplergymnasiums an der Olgastraße. Direkt daneben, gegenüber vom Landgericht und Justizhochhaus, wurde erst Ende Juli die neue „Stapelturnhalle“ eingeweiht. In diesem Gebäude, in dem drei Turnhallen übereinander gebaut wurden, um Platz zu sparen, findet für die Schüler des Kepler- und des Humboldtgymnasiums künftig der Sportunterricht statt. Die alte Halle stand zuletzt leer und war auch schon ausgeräumt. Jetzt müssen die Strom- und Wasseranschlüsse wieder hergestellt werden. Der Geräteraum wird für die Essensausgabe umgebaut. „Die Halle wird erst in der zweiten Oktoberhälfte nutzbar sein“, sagte Marlies Gildehaus, Pressesprecherin der Stadt Ulm, auf Anfrage. Ein Problem, vor dem die Stadt wie viele andere Kommunen derzeit steht: „Es gibt einen Engpass bei der Lieferung von Stockbetten und anderen Möbeln.“ Auch mobile Toiletten oder Container seien gerade schwer zu bekommen. Die Stadt hofft, dass das Mobiliar für die Turnhalle rechtzeitig da ist, bevor die Notunterkunft belegt wird. Noch kommt die Stadt mit den bestehenden Kapazitäten aus, aber es gebe keinen Zweifel daran, dass die Halle demnächst benötigt wird.

Derzeit sind in Ulm 675 Flüchtlinge registriert, doch die Zahlen können sich täglich ändern. Das Regierungspräsidium Karlsruhe, das die neuen Flüchtlinge im Land erfasst und verteilt, weist den Kommunen teilweise ziemlich kurzfristig neue Kontingente zu, was kürzlich etwa den Alb-Donau-Kreis betraf, der auf die Schnelle das ehemalige Rewe-Lager in Beimerstetten zu einer Notunterkunft umfunktionieren musste. Von den Erstaufnahmeeinrichtungen, wo die Flüchtlinge registriert werden, werden die Asylbewerber auf Gemeinschaftsunterkünfte verteilt oder dezentral untergebracht, etwa in Privatwohnungen. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden hingegen vom Jugendamt in Obhut genommen und in Jugendhilfeeinrichtungen wie dem Oberlinhaus betreut. 34 Jugendliche, die ohne Eltern oder andere erwachsene Begleiter nach Deutschland gekommen sind, leben derzeit in Ulm. Noch stammt mehr als die Hälfte der Flüchtlinge in Ulm aus Südosteuropa, doch der Anteil der Asylbewerber aus Syrien dürfte in absehbare Zeit deutlich zunehmen.

Den wachsenden Bedarf an Wohnraum versucht die Stadt mit weiteren Um- und Neubauten zu decken. In der Hindenburgkaserne am Mähringer Weg auf dem Eselsberg wird ein ehemaliges Offiziersgebäude umgebaut, in der Magirusstraße in der Weststadt ein Bürogebäude. Neubauten sind in Wiblingen, Böfingen und auf dem Parkplatz des Westbads geplant.

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