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Ulm

09.07.2020

Flüssiggas und Brennstoffzellen: Iveco fährt in Ulm mit Vollgas in die Zukunft

Die Firma Rolande, Pionier und Marktführer für den Aufbau von Tankstellen für Lkw-Flüssigerdgas und Bio-LNG in den Niederlanden, betritt jetzt auch den deutschen Markt. Auf dem Foto: Jolon van der Schuit (links, der Rolande-Chef) und Christian Sulser, Vorstand Vertrieb und Marketing bei Iveco Magirus.
Bild: Alexander Kaya

Plus Mit der Eröffnung einer Flüssiggas-Tankstelle macht der traditionsreiche Standort in Ulm einen Schritt in Richtung alter Größe. Bald werden im Donautal wieder Laster produziert.

Sogar der Betriebsratsvorsitzende packt sein Handy aus und fotografiert, als Christian Sulser, der Vorstand für Marketing und Vertrieb bei Iveco Magirus, vor der neuen Flüssiggas-Tankstelle posiert. Denn Wilfried Schmid, der seit 1986 bei Iveco ist, weiß, dass sein Unternehmen auch damit einen weiteren Schritt in Richtung Zukunft geht. Schmid war schon Betriebsrat, als 2012 die Lastwagenfertigung in Ulm eingestellt wurde. Die Trauer war groß, als klar war, dass an diesem traditionsreichen Standort keine Laster mehr, sondern nur noch Löschfahrzeuge der Schwesterfirma Magirus produziert werden sollten. „Ein Standort, der abgeschrieben war, wird wieder zum Zentrum“, formuliert es Sulser. Im Ulmer Donautal herrsche nun wieder Aufbruchstimmung. Ulm wird zum Zentrum eines Weltkonzerns für Antriebe jenseits fossiler Brennstoffe.

Bild: Alexander Kaya

Ein Ausdruck davon sei, dass nach drei Jahren als Versuchsanlage die Tankstelle für Lkw-Flüssigerdgas und Bio-LNG an der Nicolaus-Otto-Straße in Ulm vor dem Werksgelände von Iveco Magirus an den Markt gehe. Die Reichweite und Tankdauer ist mit Diesel-Lastern zu vergleichen Bio-LNG (Bio-Liquefied Natural Gas) ist ein zu 100 Prozent biologischer Kraftstoff, der aus zertifizierten Abfällen wie organischen Haushaltsabfällen, Schlamm, Dung oder landwirtschaftlichen Abfällen gewonnen werden kann. Er ist emissionsarm und klimafreundlich mit einer hohen Energiedichte und kann somit dazu beitragen, die Klimaschutzziele im Verkehr zu erreichen.

In Ulm steht jetzt eine der modernsten Flüssiggas-Tankstellen

„Dass hier in Ulm eine der modernsten und auch noch die erste CNG-/LNG-Tankstelle von Rolande in Deutschland steht, freut uns ganz besonders“, so Sulser. Denn nur 100 Meter entfernt stand bis zur Eröffnung die allererste LNG-Tankstelle in Deutschland. Das war eine mobile Anlage der Versuchsabteilung für Test- und dann Feldtestfahrzeuge zur Versorgung von mehreren Millionen Erprobungskilometern. Mit der neuen Gastankstelle vor den Toren des Iveco Werks in Ulm beweise die Firma Iveco ihre Vorreiterrolle beim Thema CNG/LNG. Derzeit gibt es in Deutschland 30 solche Flüssiggas Tankstellen, Ende des Jahres sollen es 70 sein.

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Sulser ist überzeugt, dass in den nächsten Jahren zahlreiche Antriebsformen parallel hergestellt werden: Diesel, Flüssiggas und auch Brennstoffzellen. „Wir werden die Lkw-Produktion wieder nach Ulm holen“, sagt Sulser.

Iveco baut ab 2021 in Ulm Brennstoffzellen-Schwerlastwagen

Die Partnerfirmen Iveco und FPT Industrial - die Nutzfahrzeugmarke und der Antriebsspezialist des Konzerns CNH Industrial - werden wie berichtet gemeinsam mit der amerikanischen Nikola Motor Company den Nikola TRE ab kommendem Jahr in Ulm Elektro- und Brennstoffzellen-Schwerlastwagen mitentwickeln und bauen lassen. Das Joint-Venture werde seinen Sitz in Ulm haben. Die alten Werkshallen seien schon komplett entkernt und würden für den Einbau der neuen Produktionsanlagen vorbereitet. „Das ist einmalig in Europa“, sagt Betriebsratschef Schmid. „Im Inneren habe ich immer geträumt, dass das möglich wird.“ Hier entstehe etwas Reales, die Bagger seien bereits unterwegs.

Der Anfang, so Sulser, soll mit der Produktion von Prototypen gemacht werden. In einem zweiten Schritt sei die Herstellung von 1000 Fahrzeugen geplant. Die Fahrerkabine werde aus Madrid zugeliefert, doch der komplette Antriebsstrang werde „Made in Ulm“ sein.

In der ersten Phase des Projekts wird das Joint Venture 40 Millionen Euro investieren und 60 neue Stellen schaffen. Insbesondere Ingenieure würden derzeit gesucht. Derzeit werden bei Iveco-Magirus im Ulmer Donautal 1700 Menschen beschäftigt. Auch wenn im Jahr 2012 der letzte Laster vom Typ Stralis in Ulm vom Band lief, war das Know-how nie weg aus der Münsterstadt: Die Lasterproduktion starb zwar, doch die Lasterentwicklung wurde zwei Jahre nach dem Aus für die Produktion gestärkt. Sämtliche Produktmarketing- und Planungsaktivitäten wurden nach Ulm verlagert. Zudem richtet sich am Standort Ulm der Fokus auf das Thema Brandschutz: Im Zuge der Verlagerung der Brummi-Produktion wurde ein „Brandschutzzentrum“ im Werk Donautal eröffnet. Satte 35 Millionen Euro wurden seit 2012 dort investiert. Nun kommen die Laster wieder zurück.

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