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Landkreis

21.06.2017

Förderschule auf dem Prüfstand

An der Wilhelm-Busch-Schule in Illertissen und Weißenhorn werden Kinder mit besonderem Förderbedarf unterrichtet. Pläne der Schulleitung und der Regierung von Schwaben sehen nun eine Fusion der beiden Standorte in Illertissen vor.
Bild: Madeleine Schuster

Durch einen Zusammenschluss könnte die Einrichtung in Illertissen zum zentralen Standort im Landkreis-Süden werden. Die Kreisräte sehen diese Pläne allerdings kritisch.

Für rund 19,3 Millionen Euro hat der Landkreis die Sanierung und Erweiterung des Illertal-Gymnasiums in Vöhringen gestemmt. Erst im Mai wurde die Bildungseinrichtung eingeweiht. Doch kaum ist die eine Sanierung abgehakt, diskutieren die Kreisräte bereits über ein neues Schulprojekt.

Auf dem Programm einer gemeinsamen Sitzung des Schul- und Bauausschusses im frisch sanierten Gymnasium stand gestern ein neues Konzept für die Wilhelm-Busch-Schule. An der Einrichtung mit Hauptsitz in Illertissen und Außenstelle in Weißenhorn werden Kinder mit besonderem Förderbedarf unterrichtet. Die Schule wird vor allem von Kindern aus dem südlichen Landkreis besucht: Das Einzugsgebiet reicht von Senden und Weißenhorn im Norden bis Kellmünz im Süden. In Illertissen werden dabei die Klassen 1 bis 4 unterrichtet, in Weißenhorn die Klassen 5 bis 9. Genau diese Trennung der Schule auf zwei Standorte ist laut Rektor Johannes Wehr allerdings alles andere als optimal. Schon lange bestehe deshalb der Wunsch, die Außenstelle in Weißenhorn in den Hauptsitz in Illertissen zu integrieren.

Für den Schulleiter geht es dabei um nicht weniger als den Fortbestand der Förderschule. Deren Schülerzahl an beiden Standorten hat sich innerhalb der vergangenen zwölf Jahre mehr als halbiert: von 299 auf aktuell 136. Ursache für den „unverhältnismäßig hohen Rückgang“ ist laut Wehr neben der Tatsache, dass immer mehr förderbedürftige Kinder mittlerweile Regelschulen besuchten, auch die räumliche Trennung. Wegen begrenzter Ressourcen könnten manche Angebote auf Dauer nicht an beiden Standorten bestehen, etwa eine Ganztagsbetreuung. Die sei in Zukunft nur in Illertissen möglich, wo auch die Schulleitung sitzt. „Um zu überleben, brauchen wir andere Rahmenbedingungen“, so Wehr.

Für den Schulleiter kommt dabei nur eine Zusammenlegung der Standorte in Frage – und die sollte im besten Fall in den kommenden vier Jahren über die Bühne gehen. Die Idee: Schon im nächsten Schuljahr könnten die Schüler der Klassen 5 und 6 nach Illertissen umziehen. Das sei laut Wehr ohne größere Kosten möglich. Bereits im Schuljahr 2021/22 sollen dann die restlichen Kinder folgen – der Standort in Weißenhorn könnte aufgelöst werden. In Illertissen könne so der Ganztagsbetrieb ausgebaut und neue, jahrgangsübergreifende Stütz- und Förderklassen eingeführt werden. Um alle Kinder an einem Standort unterzubringen, wäre in Illertissen allerdings ein Ergänzungsbau notwendig. Die geschätzten Kosten für den Umzug inklusive Neubau: rund 5,2 Millionen Euro. Eine Summe, die einige Kreisräte aufhorchen ließ.

Im Gegensatz zu Schulleitung und Regierung von Schwaben, die die Pläne einer Zusammenlegung ebenfalls befürwortet, traten die Mandatsträger gestern erst einmal auf die Bremse. Nicht nur wegen der zusätzlichen finanziellen Belastung für den Landkreis, der als Sachaufwandsträger einen Teil der Kosten stemmen müsste, sahen die Kreisräte das Vorhaben kritisch.

Zu wenig „ausgegoren“ nannte etwa Richard Ambs (CSU) die Pläne, die den Räten vorgelegt worden sind. Dass eine Zusammenlegung der beiden Standorte überhaupt im Raum stehe, sei für die Kreisräte insgesamt sehr „überraschend“ gekommen, so Beate Altmann. Wie die restlichen Mitglieder der Ausschüsse sprach sich die CSU-Frau und Grundschul-Rektorin dafür aus, das Thema erst einmal zu vertagen. Bevor über die Zukunft der Wilhelm-Busch-Schule gesprochen wird, soll ein Gesamtkonzept für alle Förderschulen im Landkreis auf den Tisch.

Denn über eines waren sich die Räte einig: die Förderung von Kindern, die vor allem in ihrer sozial-emotionalen Entwicklung Defizite haben, wird im Landkreis zunehmend wichtiger. Von Altmann und Ansgar Batzner (Freie Wähler) wurde deshalb die Einrichtung einer Schule für Erziehungshilfe ins Spiel gebracht. Also einer Einrichtung, die Kinder mit erheblichen emotionalen und sozialen Defiziten unterstützt. Im Regierungsbezirk Schwaben gebe es bislang keine staatliche Schule in diesem Bereich. Und das, obwohl der Bedarf groß sei, so Schulamtsdirektor Batzner: „In unseren Schulen brennt es diesbezüglich.“ Die Kreisräte gaben Ulrich Kapfer von der Regierung von Schwaben deshalb mit auf den Weg, sich für die Einrichtung einer Schule für Erziehungshilfe im Landkreis einzusetzen.

Bevor eine mögliche Fusion der Wilhelm-Busch-Schule im November dann erneut auf der Tagesordnung steht, wollen sich die Räte vor Ort außerdem ein Bild von der Situation der Schule machen.

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