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Ulm

23.04.2015

Folge deinem Rhythmus

Voller Einsatz in der Sporthalle: Roberto Scafati (Mitte), Ballettdirektor am Theater Ulm, probt mit Kindern und Jugendliche stilisierte Kampfszenen für das Tanzprojekt „Chance to Dance!“.
Bild: Dagmar Hub

Ballettchef Roberto Scafati und das Jugendamt bringen Kinder und Jugendliche für „Chance to Dance!“ zusammen. Bei der Musikauswahl waren dabei Kompromisse nötig.

„Chance to Dance!“, so der Titel, steht in einer guten Tradition: Man erinnert sich an „Total Dance“ im Theater Ulm aus dem Jahr 2007, ein integratives Tanz-Projekt, für das der damalige Ballettchef Andris Plucis Jugendliche aus unterschiedlichen Kulturen und Bildungshintergründen zusammen auf die Bühne holte. Es brachte den beteiligten Jugendlichen viel Selbstwertgefühl und persönliche Entwicklung, so Siegfried Sauter, Sachgebietsleiter des Ulmer Jugendamtes.

Deshalb wünschte er sich jetzt eine Neuauflage für die beteiligten Kinder und Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren. Trainiert wird in Gruppen jeweils einmal wöchentlich in der VfB-Sporthalle am Eselsberg – mit Tänzern des Theaters: Yuka Kawazu und Damien Nazabal proben mit den Jugendlichen, denen Roberto Scafati und Ballettrepetitorin Irina Schweizer nahebringen, sich mit Ausdruck in imaginierten Situationen zu bewegen.

Mit dem „Bolero“ hatte sich Scafati – wie beim großen Vorbild „Rhythm is it“, bei dem ebenfalls keiner der beteiligten Jugendlichen mit klassischer Musik und Tanz vertraut gewesen war – bewusst eine legendäre Ballettmusik ausgesucht. „Ich wollte ihnen zeigen, dass es auch andere Musik gibt als die, die sie täglich hören“, erzählt Scafati. Doch er merkte schnell: So viele Großmütter, die plötzlich zu den Probenterminen Geburtstag hatten, konnte es gar nicht geben. Sein Traum war nicht realisierbar. „Das war auch ein Lernprozess für uns Profis. Die Schüler kamen zurück, als wir ihre Musik für das Projekt auswählten.“ Der gerade Beat gegenwärtiger Popmusik erreiche jeden schnell, weil der Rhythmus des Herzschlages jedem Menschen vom Mutterleib an vertraut ist, sagt Scafati. Dass die Jugendlichen nach „Chance to Dance!“ eher für ein Tanzprojekt zu begeistern wären, wie es Scafati ursprünglich plante, vermutet Julia Schinz, Schulsozialarbeiterin der Adalbert-Stifter-Gemeinschaftsschule. „Sie haben die Hemmschwelle ‘Tanzen’ geschafft und haben jetzt richtig Lust auf die Sache bekommen.“

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In der Sporthalle rangelt die zierliche Tänzerin Kawazu angedeutet mit einem Jugendlichen auf dem Boden. Scafati ist von den Jungen umringt, scheint sie zu provozieren. Um Mobbing wird es in „Chance to Dance!“ gehen, weshalb Scafati mit den fünf jungen Männern der Gruppe auch stilisierte Kampfszenen probt. „Aber nie in die Richtung, dass man zuschlägt, sondern dahingehend, sich die Kraft des anderen zunutze zu machen.“ Er spreche die Intuition der Schüler an, erklärt Scafati, schärfe und schule ihre Konzentration.

In die Choreografie werden auch Live-Percussion-Einlagen und von der 16-jährigen Katharina Quast geschriebene und interpretierte Songs integriert. Quast ist eine junge Sängerin aus Schemmerberg bei Biberach, die sich in der Sparte Musical für den Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ qualifiziert hat. Einige der Schüler haben die ersten Schritte auf der Bühne des Großen Hauses schon ausprobieren dürfen. Die Angst vor dem Publikum versucht ihnen der Ballettdirektor zu nehmen. „Während der Aufführung sieht man den Zuschauerraum nur schwarz“, hat er ihnen versichert.

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