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EU-Projekt

13.06.2014

Forscher wollen Stromfresser auf Diät setzen

Uni Ulm sucht Energiesparpotenziale beim internetbasierten Rechnen

Was die Anbieter internetbasierter Rechendienstleistungen vermutlich freut, bereitet Klimaschützern beträchtliche Sorgen. Noch in diesem Jahr sollen bis zu 60 Prozent aller Rechenleistungen in der „Cloud“, der virtuellen Wolke, verarbeitet werden, schätzen Experten. Doch die Serverparks, in welche die Daten über das Internet ausgelagert werden, sind regelrechte Energiefresser. Laut aktuellem Greenpeace-Bericht verbraucht das weltweite Cloud Computing mit rund 700 Milliarden Kilowattstunden inzwischen mehr Strom als die gesamte Bundesrepublik.

Amerikanische IT-Konzerne wie Apple, Google und Facebook setzen nun verstärkt auf regenerative Energien, um ihre CO2-Bilanz zu verbessern. „Viel besser wäre es natürlich, wenn Energie erst gar nicht verbraucht wird“, sagt Professor Stefan Wesner. Der Leiter des Instituts für Organisation und Management von Informationssystemen an der Universität Ulm koordiniert ein mit 4,5 Millionen Euro von der EU gefördertes Forschungsprojekt zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Energieeffizienz von Cloud-Computing-Prozessen. Das im Herbst vorigen Jahres angelaufene „Cactos“ Projekt zielt auf die Effizienzsteigerung von Cloud-Infrastrukturen. Die Abkürzung steht übrigens für die etwas sperrige Bezeichnung Context-Aware Cloud Topology Optimisation and Simulation. Das Projekt läuft bis September 2016. Das ehrgeizige Ziel: mehr Leistung bei gleichem oder geringerem Energieverbrauch. An dem internationalen Konsortium sind führende Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Großbritannien, Irland, Schweden und Deutschland beteiligt.

„Unsere Forschung soll dabei helfen, Cloud-basierte Anwendungen so energieeffizient und leistungsstark wie möglich anzubieten“, so Wesner. Der Großrechner-Experte und Leiter des Kommunikations- und Informationszentrums der Universität Ulm und seine Forschungspartner haben dabei die Betreiber von Rechenzentren im Blick. Die Herausforderung: Moderne Hardware wird immer heterogener und die Steuerung der Rechenzentren umso komplexer. Gemeinsam arbeitet das internationale IT-Team nun an einer praktikablen und umweltfreundlichen Lösung.

Der im Rahmen von Cactos zu entwickelnde Werkzeugsatz ist darauf ausgerichtet, die optimale Infrastruktur auszuwählen, die im Hinblick auf Servicequalität und niedrige Betriebskosten ideal zur Anwendung des Nutzers passt. Das erhöht nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern schont über den reduzierten CO2-Ausstoß auch das Klima. „Unser Ziel ist es, Hardware-Ressourcen besser zu nutzen und so die Energieeffizienz zu steigern. Allein durch die Wahl der richtigen Hardware kommt man um ein Vielfaches schneller zum Ergebnis“, sagt der studierte Elektrotechniker.

Die Ergebnisse der Forschungen sollen nicht nur den beteiligten Firmen etwas bringen. „Wenn man Cloud-Anwendungen nutzt, hat man auch als Endverbraucher etwas davon“, sagt Wesner – nämlich dann, wenn die Anbieter von ihren Einsparungen etwas an die Kunden weitergeben.

Die Universität Ulm wird auf jeden Fall davon profitieren, indem sie im Rechenzentrum Energie und damit bares Geld spart. (az)

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