Ulm

15.02.2013

Fremde Freunde

Eines der Bilder vom Alexandra Vogt im Stadthaus Ulm

Die Künstlerin Alexandra Vogts zeigt im Stadthaus irritierende Aufnahmen von Pferden und Menschen - eine ungewöhnliche Ausstellung

Am Anfang stand ein Pferd, das Alexandra Vogt für ihre künstlerische Arbeit benutzte. Inzwischen sind Pferde der Lebensinhalt der Allgäuer Künstlerin: Mit einer inzwischen 15 Tiere starken Araberherde lebt und arbeitet die 1970 geborene Vogt heute in einem aufgelassenen Milchwerk bei Kammlach (Landkreis Unterallgäu). Doch aus dieser ländlichen Abgeschiedenheit kommt manchmal eigenwillige, manchmal verstörende Fotokunst: Das Stadthaus Ulm zeigt ab heute in einer Kabinettausstellung Arbeiten Vogts aus den vergangenen zehn Jahren – in denen ebenfalls die Pferde die Hauptrolle spielen.

Dass die beliebten Reittiere derzeit sowohl im Edwin-Scharff-Museum als auch im Stadthaus im Zentrum stehen, ist kein Zufall: Die Vogt-Werkschau ist eine Antwort auf die Neu-Ulmer Präsentation „Junge Pferde! Junge Pferde!“ und die erste enge Zusammenarbeit der beiden Kulturträger. Doch während die Ausstellung im Scharff-Museum mit um 1900 entstandenen Pferdedarstellungen ein künstlerischer Abgesang auf das Pferdezeitalter ist, wird das Pferd in den Fotografien Vogts zum Stellvertreter für den Menschen und zum mythischen Wesen zugleich. Als Brückenschlag steht ein bronzener „Reiter“ Scharffs im Stadthaus – und zwei Vogt-Arbeiten begrüßen die Besucher im Neu-Ulmer Kunstmuseum. Beide Ausstellungen zeigen: Es lohnt sich, sich mit dem Pferd zu beschäftigen, auch wenn es sich nicht in der Lasagne versteckt.

Nach einer Hängung früher Arbeiten, die in der Art einer Erinnerungswand vor allem das unschuldige Verhältnis zwischen jungen Mädchen zu ihren Reittieren illustrieren, ist von „Wendy“ im Meier-Bau nichts mehr zu spüren: Mit den weißen Streifen einer Kriegsbemalung blicken einem die Pferde aus den oft vor dem nebligen Himmel der Unterallgäuer Kulisse entstandenen Aufnahmen entgegen, mit Büstenhaltern, Strümpfen oder Krawatten geschmückt. Eine märchenhafte, fast an „Pippi Langstrumpf“ erinnernde Leichtigkeit spricht aus manchen Bildern.

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Doch da ist eben auch die dunkle Seite der Bilder: eine Frau in zerschlissener Kleidung geht mit einer völlig verdreckten Melkmaschine auf ein Pferd zu, Männerbeine in Netzstrümpfen stehen neben Pferdebeinen, eine Frau hält einen Spiegel vor ihr Gesicht, in dem sich das Antlitz eines Schimmels spiegelt. Bilder, die mit ihrer surrealen Inszeniertheit, ihrer irrlichternden Erotik gleichermaßen irritieren wie faszinieren. Alexandra Vogt kommt mit ihren Fotografien dem Pferd ganz nah – und lässt es uns doch unendlich fremd erscheinen. So fremd, wie sich Menschen sonst nur selbst sein können.

Eröffnung Samstag, 16. Februar, um 19 Uhr. Projektleiterin Annette Schellenberg führt in die Ausstellung ein. Die Schau ist bis 23. Juni im Stadthaus zu sehen.

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