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Neu-Ulm

19.04.2019

Freund der Ex schwer verletzt: Täter müssen lange in Haft

Am Landgericht Memmingen mussten sich zwei Männer wegen versuchten Mordes verantworten.
Bild: Alexander Kaya

Plus Zwei Angeklagte aus Neu-Ulm müssen sich vor dem Landgericht verantworten. Die Kammer ist jedoch nicht davon überzeugt, dass sie den Nebenbuhler töten wollten.

Ein spektakulärer Kriminalfall, der sich in Neu-Ulm ereignete, hat am Gründonnerstag mit dem Urteil am Memminger Landgericht sein Ende gefunden: Zwei des versuchten Mordes und der schweren Körperverletzung angeklagte türkische Staatsbürger wurden jeweils zu einer längeren Haftstrafe verurteilt. Der 52-jährige Mann, der die Idee zu der Straftat hatte, wurde vom Gericht unter Vorsitz von Christian Liebhart zu sechs Jahren und neun Monaten verurteilt. Sein Komplize, ein 41-Jähriger, bekam sechs Jahre Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung, den Tatvorwurf des versuchten Mordes erkannte das Gericht nicht. Eine Vorgeschichte führte zur Tat.

Die beiden Verurteilten, die ihre Tat im Wesentlichen gestanden, der Tötungsabsicht aber energisch widersprochen haben, hatten im Juli 2018 in der Finninger Straße in Neu-Ulm dem neuen Liebhaber der Frau des Älteren aufgelauert, ihn in eine Falle gelockt und ihn schwer verletzt. Der 41-jährige Mittäter schlug dem Opfer mit einem Schlagstock mehrfach hart an den Kopf, ins Gesicht und an die Schulter, der 52-Jährige stach mit einem angespitzten Schraubendreher mehrfach ins Gesäß und einmal in den Bauch. Vor Gericht kam heraus, dass der Geschädigte großes Glück hatte, dass er den Angriff überlebte, aber heute noch körperlich und seelisch unter der Attacke leidet.

Frau hat sich einen neuen Freund gesucht

Die Staatsanwaltschaft berichtete noch einmal ausführlich über die Vorgeschichte, die zur Tat führte. Die Frau des 52-Jährigen, der am Donnerstag in feinem schwarzen Anzug, weißem Hemd und Krawatte auftrat, hatte diesen 2017 verlassen. Als er auf Kur war, hat sie sich mit ihrem neuen Freund, einem 45-jährigen Ulmer, zusammengetan. Ihr Mann wollte das zunächst nicht akzeptieren, vor allem litt er darunter, dass die drei gemeinsamen Kinder nun beim Freund seiner Frau in Obhut waren. Er sah damals auch klare Hinweise, dass der Neue ein Drogendealer sei und seine Frau und die Kinder in diese Welt mit hineinziehe.

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Weil er seine Frau bedrohte, wurde eine Kontaktsperre gegen ihn verhängt. Zumindest per Handy-Nachrichten ging er jedoch weiter auf diese los, zum Beispiel mit Sätzen wie „Ich werde dich fertigmachen“ und immer wieder bezeichnete er seine Frau als „Schlampe“ und deren Freund als „Bastard“. Er beschädigte mehrfach den Wagen seiner Frau und brachte schließlich heimlich einen Peilsender an diesem an, um immer zu wissen, wo sich das Auto befand, das stark vom „Neuen“ benutzt wurde.

Wie aus dem intensiven Chat-Verkehr mit Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern hervorgeht, plante der 52-Jährige, seine Frau oder zumindest deren Freund zu bestrafen. Er weihte schließlich den 41-jährigen Mitangeklagten in seinen Plan ein, der in den Tagen vor der Tat in seiner Wohnung nächtigte. Der Plan war letztlich nicht ganz ausgereift. Denn die beiden hatten nicht bedacht, dass sich der Tatort nahe der Elefantensiedlung und der Neu-Ulmer Polizei befand. Recht spontan gingen die Männer an dem Tatabend dorthin, nachdem sie festgestellt hatten, dass sich das angepeilte Auto dort befand. Kurz nach Mitternacht kam der Freund der Frau zum Wagen. Die Männer, die sich dort versteckt hatten, lockten ihn in eine Falle, schlugen und stachen zu. Bewohner der umliegenden Häuser hörten die Hilferufe des Geschädigten und riefen herunter, die beiden sollten aufhören und sie haben schon die Polizei gerufen. Daraufhin ergriffen die Täter die Flucht, wurden aber bald darauf gefasst.

Staatsanwaltschaft forderte höhere Haftstrafe

Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem Plädoyer für den 52-Jährigen acht Jahre und für dessen jüngeren Mittäter sechs Jahre und sechs Monate Haft, da die beiden den Tod des Opfers zumindest billigend in Kauf genommen haben. Die Verteidiger der beiden Angeklagten argumentierten, dass ihre Mandanten das Opfer keineswegs hatten töten, sondern ihm nur „eine Abreibung“ verpassen wollen. Ihre Forderung: Für den Älteren maximal vier Jahre Haft, für den 41-Jährigen nicht mehr als drei Jahre Gefängnis.

Als ihm das letzte Wort zugesprochen wurde, war der 41-Jährige gegenüber dem Gericht höchst aufgewühlt: „Sie können mir 150 Jahre Gefängnis geben, aber nicht wegen Mordabsicht. Das Gleiche gilt für ihn.“ Dabei zeigte er auf den 52-jährigen Mitangeklagten. „Ich bereue meine Tat und schäme mich, dass ich hier bin. Ich entschuldige mich und bitte um eine mildere Strafe.“ Auch der 52-Jährige entschuldigte sich, war aber völlig gefasst: „Es tut mir leid, dass es so gekommen ist.“

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