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Literaturwoche

05.07.2014

Frische Texte unter freiem Himmel

Der Stellwerck-Verlag an der Stiege: (von links) Axel Roitzsch, Christine Ott, Pauline Füg und Moderator Florian L. Arnold.
Bild: Marcus Golling

Der Würzburger Stellwerck-Verlag präsentiert sich an der Ulmer „Stiege“

Man kann von den Millionengehältern im Fußball halten, was man will. Aber im Regelfall sind es die besten Kicker, denen das Geld hinterhergefahren wird. In der Literatur ist es nicht ganz so einfach: Erfolgreich ist nur, was auch massenwirksam vermarktbar ist. Doch gerade die vermeintliche Amateurliga der Schriftsteller hat überaus Lesenswertes zu bieten: Das bewies der junge Würzburger Stellwerck-Verlag bei seinem Auswärtsspiel in der Freiluftbar „Stiege“ an der Herdbrücke.

Die Lesung war Teil der Literaturwoche der Ulmer Griesbad-Galerie, die derzeit literarischen Positionen jenseits der Bestsellerliste ein Forum bietet. Der Stellwerck-Verlag passte da perfekt ins Raster: Denn Verlegerin Christine Ott ist eine Überzeugungstäterin. Ihr gehe es um gute Texte statt tolle Lebensläufe, sagte sie im Interview mit Organisator Florian L. Arnold: „Wie innovativ ist ein Text – das ist für uns das oberste Kriterium.“ Dabei veröffentlichen die Würzburger keine E-Books, sondern nur echte Bücher. Denn manche Texte, so Ott, seien es wert, wieder und wieder gelesen zu werden.

So auch die der (Slam-)Poetin Pauline Füg, die als Erstes vor den rund 50 Zuhörern vortrug. Ihre kurzen Gedichte sind luftige Momentaufnahmen, die sie manchmal sogar beim Ausgehen ins Handy tippt. „Wir hätten fragiler sein können“, wünscht sie sich in einem Text, sie sinniert über Liebe, Vergänglichkeit, Unschuld. Das Plakative oder Appellhafte vieler Slam-Texte fehlt diesen fast impressionistischen Texten völlig.

Als nicht minder interessant erwies sich bei der Freiluftlesung der zweite Autor: Axel Roitzsch. Der wartete sogar mit einer „Weltpremiere“ auf: der ersten Lesung aus seinem kommenden Roman „Der Redner“, in dem der Protagonist in den Bann eines so faszinierenden wie mysteriösen Wander-Rhetorikers gerät. Die ersten Kostproben lassen auf ein wundersam fremdartiges Buch schließen. Wieder nichts für die Bücherpyramide im Kaufhaus. Aber wahrscheinlich überraschender als der nächste Dan Brown. (mgo)

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