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Ulm

05.11.2019

Frischer Nordwind weht durchs Ulmer Münster

Elegant in Schwarz: Der Motettenchor der Münsterkantorei machte bei seinem Heimspiel aber auch musikalisch eine gute Figur.
Foto: Florian L. Arnold

Der Motettenchor der Münsterkantorei beendet seine Schleswig-Holstein-Tournee mit einem Auftritt in Ulm. Auf dem Programm steht Musik der Moderne, die dennoch harmonisch und eingängig ist.

Der Motettenchor der Münsterkantorei Ulm durfte sich auf seiner Konzertreise, die ihn in den Herbstferien nach Flensburg, Husum, Rendsburg und Sylt führte, des Lobes gewiss sein. „Chormusik des Nordens“ stand auf dem Programm, neben Motetten der norwegischen Komponisten Knut Nystedt und Ola Gjeilo waren auch Werke des Engländers John Tavener, des Letten Eriks Esenvalds und des Russen Sergej Rachmaninoff zu hören. Nun gab es diese Zusammenstellung quasi als Abschluss der Konzertreise in Form eines Benefizkonzerts zugunsten einer neuen Chororgel auch in Ulm zu erleben – feingeschliffen durch eine, wie Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland zufrieden feststellte, „gut besuchte und an Erfahrungen reiche Konzertreise“.

Dass der Chor rundum firm war in dem abwechslungsreichen Programm, war von der ersten Note an zu hören: Knut Nystedts verhalten-innig einsetzendes, dann rasch zu einem hymnischen Jubel sich steigerndes „Laudate“ bildete einen passenden Einstieg in den vorwiegend mit zeitgenössischen Werken besetzten Abend. Die Klangsprache dieser Chor-Moderne ist dabei durchweg tonal, angenehm und klingt häufig so vertraut wie die Werke der in diesem Konzert vertreten Vorgeneration mit Rachmaninoff und Anton Bruckner. Nysted, 2014 verstorben, gehörte ohnedies zu den Vertretern einer zeitgenössischen Klassik, die von melodiefernen Experimenten denkbar weit entfernt war. Eingängig und berührend die sanften Melodien in „Peace I Leave With You“, die dem Chor farbig und transparent gelangen.

Der Motettenchor besticht durch langen Atem und grazilen Ausdruck

Ein durchweg gelungenes, in allen Abschattierungen subtiles Klangbild schuf der – etwas verkleinerte – Chor auch bei Ola Gjieilos „Pulchra es, amica mea“. Mit der notwendigen Subtilität im Gesang, mit weit gespannten Klangbögen hatte es das Ensemble mit diesem wie auch anderen Stücken nicht eben leicht – die schwebende Atmosphäre basiert auf einer immensen Beherrschung aller vokalen Elemente. Doch der Chor meisterte dieses Werk mit Aufmerksamkeit, langem Atem und grazilem Ausdruck, ebenso wie im vom gleichen Komponisten stammenden „Ubi caritas“. Hier wurde eine genau richtige Balance aus der werkimmanenten Pracht und einem zurückhaltenden Gesamteindruck erreicht. Dss sich Gjieilo eher an den Klangwelten der Hochromantik ausrichtet, gefiel durchweg und machte den Übergang zu Anton Bruckners „Os justi“ leicht, das in der oft gebrauchten Koppelung mit dem „Locus iste“ des gleichen Komponisten serviert wurde.

Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland improvisiert an der Orgel

Hervorragend in das Programm eingehängt die Improvisationen von Friedemann Johannes Wieland an der großen Orgel: Auch hier dominierten subtile Klänge, schufen zarte Melodien eine fantasievoll-fantastische „Erinnerung an den Norden“, worin auch ein Klangfetzen aus dem Lied „Der Mond ist aufgegangen“ durchschimmern durfte. Der meditative Charakter dieser Musik verband sich wunderbar mit dem unmittelbar folgenden „The Lamb“ von John Tavener. Diese Vertonung eines Gedichts von William Blake in gregorianisch durchdrungenem Klangbild gelang dem Chor ganz vorzüglich, und bildete mit dem folgenden „The Stars“ von Eriks Esenvalds einen ganz ausgezeichnet gestalteten, dabei klanglich absolut fesselnden Schlusspunkt des Konzertes. Dass Esenvalds berückend schönes Stück mit seinem geradezu irrealen Pianissimo am Schluss vom Chor mit der nötigen dynamischer Klarheit und Präsenz gestaltet wurde, hatte größten Applaus verdient – der nach dem finalen „Nearer My God To Thee“ auch prompt einsetzte.

Der Erlös des Konzerts soll dem Bau einer neuen Chororgel zugute kommen, der aktuell mit etwa 500000 Euro angesetzt ist. Wenn alles wie gedacht funktioniert, kann die neue Orgel in drei Jahren erklingen. Bis dahin aber wird es noch weiterer Benefizkonzerte und Spenden bedürfen, um die Summe zusammenzubringen.

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