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20.06.2009

"Für Hassprediger ist kein Platz im Paradies"

Neu-Ulm "Ja, es gibt hier eine Koranschule." Oguz Burcu hat keinerlei Probleme das anzusprechen, was vor einigen Tagen für mächtig Wirbel gesorgt hat. In der Moschee an der Reuttier Straße in Schwaighofen werden tatsächlich Kinder unterrichtet - und zwar ganz legal. Ein illegales Internat, wie von den Behörden befürchtet, werde dort jedoch nicht betrieben, betont der Pressesprecher des Verbandes für Integration, Bildung und Kultur (VIKB). Hinter den Mauern der islamischen Gebetsstätte passiert nichts Verbotenes, die Verantwortlichen haben nach seinen Worten auch nichts zu verstecken.

"Wir setzen uns für das friedliche Nebeneinander der Religionen und Kulturen ein und distanzieren uns von fundamentalistischen Religionsfanatikern", beteuern die Verantwortlichen des Verbandes, der die Moschee in der ehemaligen Fabrikhalle unterhält. Burcu betont: "Wir sind gerne in Deutschland und sind dankbar, dass wir hier sein dürfen."

Die Muslime in Ulm und Neu-Ulm haben es schwer. Seit Jahren treiben in der Region Männer ihr Unwesen, die den Koran in unzulässiger Weise auslegen, und im Namen des Islam zu Gewalt gegen Andersgläubige aufgerufen und direkt oder indirekt auch an Terroranschlägen in der ganzen Welt beteiligt waren. Jahrelang sorgten die Hassprediger, die in Neu-Ulm und Ulm unverhohlen zu Gewalt und zum "Heiligen Krieg" aufgerufen haben, für Schlagzeilen. Dadurch sind alle friedliebenden Muslime in der Region unter einen Generalverdacht geraten. "Wir werden mit den Taliban in einen Topf geworfen, obwohl wir mit ihnen rein gar nichts zu tun haben", betont Oguz Burcu, ein in Deutschland lebender und arbeitender Türke, der im Vorstand des VIKB sitzt.

Der Verein und die in Neu-Ulm lebenden Muslime distanzieren sich "glasklar von den Religionsfanatikern, denen sie eine vollkommen falsche Interpretation des Koran vorwerfen. "Unsere Religion untersagt das Töten von Menschen ausdrücklich, wir predigen den Frieden und nicht die Gewalt", betont Burcu, während Vorbeter Fadil Kaya nickt. Er ist das geistliche Oberhaupt in der Schwaighofener Gebetsstätte, wird vom Verein bezahlt und betreut die rund 60 Mitglieder der Glaubensgemeinschaft.

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Die Förderung und die Bewahrung des Glaubens ist eine große und wichtige Aufgabe des Vereines. Aber auch die Integration sei von großer Bedeutung. Deshalb wird auch während der Schulferien und an Wochenenden Unterricht für Kinder angeboten. Da geht es hauptsächlich, aber nicht nur um den Koran. In Sprachkursen werde auch den Kindern geholfen, deutsch zu sprechen, weil dies die Integration in die deutsche Gesellschaft erleichtere und vorhandene Barrieren beseitige. "Dadurch können unsere Kinder auch selbstbewusster auftreten und sich gegen etwaige Ausgrenzungen behaupten" sagt Burcu.

Dem VIKB liege es fern, eine Parallelgesellschaft in Deutschland aufzubauen, wie dies von den Behörden oftmals fälschlicherweise unterstellt werde. Davon könne sich jeder jederzeit überzeugen: "Unsere Türen stehen offen, wir haben nichts zu verbergen", verspricht Burcu beim Rundgang durch die Moschee, die einen der größten Gebetsräume Deutschlands beherbergt.

Beständig werde der Verband daher daran weiterarbeiten, sein absolut ungerechtfertigtes Negativ-Image loszuwerden. Dazu gehöre es auch, mit den Behörden und der Polizei zusammenzuarbeiten. Sollten radikale Islamisten versuchen, sich in der Schwaighofener Gebetsstätte einzunisten, dann "werden wir selbstverständlich sofort die Behörden alarmieren", verspricht Burcu, "wir wollen mit den Fundamentalisten nichts zu tun haben." Die Gemeindemitglieder leben nach seinen Worten so, wie es der Koran vorschreibt. Für jene, die Hass und Gewalt predigen, habe "Allah keinen Platz im Paradies", sagt Burcu.

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