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Neu-Ulm

06.07.2015

Für Schönheit ist man nie zu alt

Gepflegtes Aussehen bedeutet immer auch Pflege der Seele. Nach diesem Motto bietet das Seniorenstift St. Michael in Offenhausen Beauty-Nachmittage für seine Bewohnerinnen an.
Bild: Foto: Dagmar Hub

Gesichtsmassage, Rosenduft und Gurkenmaske: Im Seniorenstift St. Michael lassen sich die Bewohnerinnen bei Beauty-Nachmittagen verwöhnen. Teurer Luxus? Viel mehr als das.

Viele der Bewohnerinnen des Seniorenstifts ließen sich in ihrem früheren Leben manchmal von einer Kosmetikerin verwöhnen oder pflegten und schminkten sich selbst gern für besondere Anlässe. Warum soll das im Seniorenheim ein Ende haben?, fragten sich die Heimleiterin und Betreuerin la Rosa Vaillant, die über eine Kosmetikerinnen-Ausbildung verfügt. Warum soll das Wort „Pflege“ im Altersheim auf einen Teil seiner Bedeutung reduziert werden? Warum unnötig auf ein Stückchen Luxus verzichten, der im früheren Leben zum Alltag von Bewohnerinnen gehörte und das der Seele guttut?

„So hübsch siehst du heute aus“, lobt lachend eine ältere Dame, die auf ihren Schönheitspflege-Termin wartet, die Mitbewohnerin nach der erfolgten Gurkenmaske. „So weiche Haut!“ Wobei es weniger wichtig ist, anderen zu gefallen, sagt Martha la Rosa Vaillant. „Wichtig ist, sich selbst zu gefallen.“ Und genau darum geht es beim Beauty-Nachmittag im Seniorenheim, der nach einem ersten Versuch im Mai nun regelmäßig im Seniorenstift St. Michael stattfindet und gratis zum Betreuungsangebot gehört.

Säfte und Wasser stehen auf einem Tischchen bereit, Nagellack und Schminkprodukte in verschiedenen Farbnuancen, die sich die Bewohnerinnen angesichts ihrer physischen oder mentalen Alterserkrankungen nicht mehr selbst kaufen können. Für das Wellness-Gefühl sorgen auch Rosenblüten im warmen Wasser, das zur Gesichtsreinigung gebracht wird, und leise Entspannungsmusik. „Man kann das Wort ‚Pflege‘ auch anders verstehen, als Pflege der Seele“, gibt Batistic Nardin zu bedenken. „Als unsere Bewohnerinnen noch jünger waren, bedeutete ‚Pflege‘ für sie ein gepflegtes Aussehen.“ Etwas Make-up, eine gut sitzende Frisur und schöne Fingernägel – warum soll das im Altersheim nicht möglich sein?

Für Schönheit ist man nie zu alt

Bei einer dementen Bewohnerin entspannen sich die Gesichtszüge zusehens unter der sanften Massage. Die Berührungen, das Auftragen der Cremes wecken Erinnerungen an Kosmetik-Beratungen aus einem Leben, als sie noch mitten im gesellschaftlichen Leben stand. Als das Wort „Altersheim“ höchstens mit der eigenen Großtante verbunden war. Inzwischen lässt sich die Seniorin, die als Erste an der Reihe war, die Fingernägel lackieren. „Den alten Nagellack vom letzten Mal hab ich schon runtergemacht“, sagt sie. „Diesmal will ich silbernen Lack.“ Wenn der getrocknet ist, warten Kaffee und Kuchen, ehe die zweite Runde – Schminken und Frisieren – des Beauty-Nachmittags anstehen.

Die Freude der Seniorinnen hat inzwischen auch einen der wenigen Männer unter den 42 Bewohnern angezogen. In den Genuss des Beauty-Nachmittags kam er zuvor in seinem Arbeitsleben nie.

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