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Beuren

30.07.2017

G’schriaba wie g’schwätzt

Die Beurerin Maria Störk mit ihren beiden Büchern „Ein Jahr hat viele Gedichte“ und „Ein Jahr hat viele Geschichten“.
Bild: Dorina Pascher

Maria Störk schreibt Gedichte in Mundart. Welche Vorzüge das Dichten auf schwäbisch hat und wo sie ihre Ideen findet.

Hoimelig – das ist eines der Lieblingswörter von Maria Störk. Denn es beschreibt schon allein vom Klang her, was es bedeutet: sich wohlfühlen. Und am wohlsten fühlt sich die Beurerin im Schwäbischen. Vor allem was das Dichten betrifft. Vor Kurzem hat sie ihr drittes Buch veröffentlicht: „Ein Jahr hat viele Gedichte“, es ist ein Gedichtband in Mundart.

„Mir ist das Schwäbische immer schon am Herzen gelegen“, erzählt die 62-Jährige. Doch nicht immer konnte sie so „schwätza“ wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Denn in ihrer Zeit an der Klosterschule Obermarchtal musste Störk Hochdeutsch sprechen. Die Umgangssprache wurde sogar halbjährlich benotet. Die Beurerin wollte sich schon in jungen Jahren nicht daran halten: „Selten kam ich zu einer Drei in dem Fach“, sagt Störk und lacht. Wer in Mundart gesprochen hat, wurde manchmal sogar aufgezogen, erinnert sie sich. Doch das war der gebürtigen Ravensburgerin egal: „Mit meinen Kindern hab’ ich immer schwäbisch g’schwätzt“, erzählt sie.

Dass gewandte Lyrik und ungeschliffener Dialekt keine Gegensätze darstellen, beweist Störk in ihren Geschichten und Gedichten. Bereits in jungen Jahren widmete sie sich der Poesie. Später, als Sekretärin, mussten die Verse Geschäftsberichten und Reklamationen weichen. Doch das störte sie nicht. Mit einem Lächeln auf den Lippen sagt sie: „Ich bin auch in der Lage, auf Hochdeutsch zu schreiben.“

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Das Schwäbische habe aber seine Vorzüge: Geschriebenes wird bunter und durch den Dialekt auch präziser, ist Störk überzeugt: „Man kann mit wenigen Worten viel sagen.“ In der ursprünglichen, gesprochenen Sprache werde viel bildhafter erzählt. Die Autorin hat dafür gleich ein Beispiel parat: So kann man sich viel besser vorstellen, wie es jemanden geht, wenn er „eigod wie a Priamerle“ (wie eine Primel verwelkt) – als wenn es ihm einfach nur schlecht geht.

Ihr ganzes Leben lang schrieb Störk Gedichte. Für sich selber, aber auch für andere. So suchte so mancher ihre Hilfe, wenn er auf einem „Familienfeschtle“ ein Gedicht aufsagen musste. Aber auf die Idee, ihre poetischen Werke zu veröffentlichen, kam die Beurerin lange Zeit nicht. Ihr Cousin war es, der den Einfall hatte, ihre Dichtungen in Buchform herauszubringen. „Er meinte, dass sie viel zu schade seien, um einfach in der Schublade zu verschwinden“, erzählt Störk. Allein hätte sie das nicht gemacht, doch ihr Cousin unterstützte sie kräftig. Die beiden entschieden sich, die Bücher selbst zu verlegen. „Sonst wird einem alles vorgegeben. In welchem Format man druckt oder welche Bilder man verwendet“, sagt die Beurerin. Heute sind ihre drei Bücher – ein Geschichtenband, eine autobiografische Erzählung über die Internatszeit und die Mundart-Gedichte – in der Schlegelschen Buchhandlung in Weißenhorn zum kaufen.

Die Ideen findet die 62-Jährige im Alltag. Oftmals sind es persönliche Beobachtungen. „Das kann beim Essen- oder Spazierengehen sein“, erzählt Störk. Daher habe sie immer ein „Blöckle“ in ihrer Tasche. Die Notizen werden dann in Kategorien eingeteilt und manche von ihnen später zu Gedichten verarbeitet. Es kann schon mal passieren, dass die ein oder andere Strophe ein halbes Jahr liegt, bevor es fertig wird.

Als Vorsitzende der Matzenhofer Schwabengilde, einem Verein für Mundartdichter, setzt sich Störk aktiv für den Erhalt der schwäbischen Sprache ein. Das letzte lebende Gründungsmitglied ist der ehemalige CSU-Vorsitzende und Ex-Finanzminister Theo Waigel. Im Mai dieses Jahres besuchte er die Schwabengilde anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens und hielt eine Rede – natürlich auf schwäbisch. Auf einmal war der Bundespolitiker so nahbar und zeigte sich von der persönlichen Seite, wie Störk erzählt. „Das war schon ein Highlight“, sagt die Beurerin und hält kurz inne. „Oder wie man bei uns sagt: a granatamäßig schener Obend.“

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