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Ulm/Neu-Ulm

25.03.2020

Gastronomen in Not – aber mit Ideen

Sie wehren sich mit „Ulm isst“ gegen die Corona-Krise: Elias Zurlinden, Sanjit Singh, Waldemar Honstein, Manuel Gelormini, Tobias Rocholl, Francesco Contino, Admin Drinjak und Dimi Prokopis.
Bild: Andreas Brücken

In Corona-Zeiten tun sich fünf Gastronomen zu einem Lieferdienst unter dem Titel „Ulm isst“ zusammen. Klar ist allen: Es geht ums nackte Überleben der ganzen Branche.

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Fünf Gastronomen der Doppelstadt haben sich unter dem Titel „ Ulm isst“ zu einem Lieferdienst zusammengeschlossen. Ihre Gerichte sind so verschieden wie die Geschmäcker – was sie vereint ist ihr auch in Vor-Corona-Zeiten erkennbarer innovativer Ansatz. Mit dabei sind Francesco Contino (Portico, Neu-Ulm), Tobias Rocholl (Oh My Waffle), Dimi Prokopis (Elinaki), Manuel Gelormini (Kleinlaut), Admin Drinjak (Damn Burger) und Sanjit Singh (Kleinlaut).

„Letztlich geht es um Schadensbegrenzung.“

Am liebsten wäre es freilich allen, die Notgemeinschaft könnte sich bald wieder auflösen. Denn dass der Lieferdienst die durch Corona entgangenen Umsätze in den Restaurants, Cafés und vielen Catering-Aufträgen bei Firmenveranstaltungen und Festen wirklich ersetzen kann, glaubt Tobias Rocholl, der eigentlich das Café „Oh My Waffle“ in der Ulmer Breite Gasse betreibt, nicht. „Letztlich geht es um Schadensbegrenzung.“ Denn die Fixkosten drohen bei urplötzlich weggebrochenen Umsätzen jeden Gastronomen zu erdrücken.

„So eine Situation und so einen massiven Umsatzeinbruch habe ich in all den vielen Jahren nicht erlebt“, kommentiert, wie berichtet, Johann Britsch, der Senior-Chef des Hirsch in Finningen, die Lage. „Die Gastronomie und Hotellerie stehen vor einer völlig neuen und katastrophalen Situation.“ Diese Herausforderung gelte es nun zu meistern, ergänzt Britsch, der zugleich Bezirksvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Schwaben ist. Herausforderungen, die für die ganz kleinen Betriebe aber kaum zu bewerkstelligen sind: „Für uns als kleines Café ist das der Gau und wir hoffen sehr, dass es uns nach der Krise noch gibt“, schreibt Marc Ender, der Inhaber der Neu-Ulmer Naschkatze. Und ruft auf Facebook via Paypal zu Spenden auf.

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Auch Schlössle und Co liefern

Wer nicht auf Kaffee und Kuchen setzt, kann wenigstens ausliefern. Bisher beliefert „Ulm isst“ nur Ulm und die Neu-Ulmer Innenstadt. So wie andere Gastronomen, die zum Liefern gezwungen werden: vom Offenhauser Schlössle bis zur Pfuhler Schmankerlstube.

Doch im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern kochen die fünf Gastronomen gemeinsam in einer Schulküche am Kuhberg. Bestellungen werden ausschließlich online angenommen und die Bezahlung muss aus hygienischen Gründen auch digital erfolgen. Aus hygienischen Gründen werde auch jeglicher persönliche Kontakt möglichst vermieden. Die Speisen werden im jeweiligen Stockwerk vor der Tür abgestellt. „Wir werden das Essen vor eure Tür stellen, klingeln und so lange warten, bis ihr das Essen übernommen habt“, sagt Rocholl. Jeder Koch habe in der Schulküche seinen eigenen Bereich, aber man helfe sich gegenseitig.

„Lieferdienst ist eigentlich nicht unsere Welt."

Die Bestellungen seien in der Premierenwoche gut angelaufen: Nach einem „Versuchsstart“ mit Freunden kletterten die Orderzahlen auf über 100 pro Tag. „Wir haben so was noch nie gemacht“, sagt Rocholl. Er und seine Partner hätten sich ja gerade für kleine, aber feine Restaurants entschieden. „Lieferdienst ist eigentlich nicht unsere Welt.“ Zum Beispiel, weil unter der Lieferung immer die Frische und somit die Qualität leide. Und auch aus ökologischen Gründen. Notgedrungen lieferten die Ulmer am Anfang in Plastik. Doch eine umweltfreundlichere Alternative sei bestellt. Allerdings hätten in Corona-Zeiten die Lieferfristen enorm zugenommen. Die Gastronomen liefern mitunter persönlich aus – mit ihren Privatautos. „Oder allem, was verfügbar ist.“ Doch auch hier sei vieles in der Entwicklung: Vielleicht gebe es schon bald eine Kooperation mit der Elektro-Mietflotte der Stadtwerke. Derzeit wird nur von 17 bis 22 Uhr geliefert. Doch auch das könnte sich bald ändern: „Wir haben viele Anfragen von Firmen“, sagt der 37-jährige Rocholl. So komme wahrscheinlich bald der Mittagstisch hinzu.

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