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Ulm

10.04.2016

Gedichte aus der Trompete

Trompeter Tomasz Stanko und Pianisten David Virelles im Stadthaus.
Bild: Bluhm

Tomasz Stanko und seine drei Begleiter vertonen Lyrik, ohne kitschig zu werden und überzeugen so im Stadthaus.

Und welch ein Meilenstein das mit dieser Besetzung bedeutet, kann der ermessen, der den Auftritt im Oktober 2010 von Tomasz Stanko mit seinem nordeuropäischen Quintett im Stadthaus erlebte. Die schwedischen und finnischen Jung-Jazzer zertrümmerten förmlich die sensiblen Kompositionen des großen Jazzmeisters wie auf einem Schlachtfeld. Von Buhrufen war dieses Mal nichts zu hören, kongenial gingen die Begleitmusiker auf die große Erkundungsreise des Trompeters in der unendlichen Weite der Jazzmöglichkeiten mit, erzählten gemeinsam die geheimnisvollen, oft melancholischen Geschichten der Improvisationsmusik und zogen das Publikum in ihren Bann.

Zu den Höhepunkten des Musikabends gehörten zweifellos die Vertonungen der Gedichte der 2012 verstorbenen Literaturpreisträgerin Wislawa Symborska (nach ihr ist auch das neue Album des Quartetts benannt). Kurz vor ihrem Tod hatte der Pole in der Krakauer Oper die Landsmännin musikalisch begleitet, als sie aus ihrem letzten Gedichtsband las. Dieses Erlebnis ließ den musikalischen Globetrotter nicht los und er bastelte in seiner zweiten Heimat New York an einem Album, das auf den Werken der ebenso berühmten Dichterin fußt.

Lyrik zu vertonen, ohne kitschig zu werden, ist eine hohe Kunst, die Tomasz Stanko perfekt beherrscht – wie er praktizieren seine Musiker die Kunst der Langsamkeit, die stille Träume produziert. Der junge Pianist David Virelles ist da der ideale Partner, den er in einem Jazz-Club in New York entdeckt hat. Heute gehört Virelles zu den Jungstars im musikalischen Schmelztiegel New York, der unsterbliche Jazzlegenden wie Charlie Parker, Duke Ellington und das Vorbild Stankos, Miles Davies, hervorgebracht hat. Gelegentlich streut der Kubaner heimatliche Son-Rhythmen in die Improvisationen des Trompeters, mühelos auch hier von Reuben Rogers am Bass und Gerald Cleaver am Schlagzeug begleitet. Nach Dave Holland war das nun der zweite Weltstar, der in diesem Jahr auf Einladung des Vereins für moderne Musik nach Ulm gekommen war. Am 12. Juni ist das Trio des Ausnahmepianisten Pablo Held im Stadthaus zu Gast.

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