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Oberelchingen

26.08.2013

Gemälde aus dem Jahr 1778 stellt Experten vor Rätsel

Restauratorin Christine Götz beim Arbeiten an ihrem „Patienten“, dem großen Konventbild von Joseph Wannenmacher.
2 Bilder
Restauratorin Christine Götz beim Arbeiten an ihrem „Patienten“, dem großen Konventbild von Joseph Wannenmacher.
Bild: Manfred Deger

Ein Gemälde aus dem Jahr 1778 im Kloster Oberelchingen stellt Kunstexperten vor ein Rätsel. Das soll nun gelöst werden

Ein (fast) Unsichtbarer auf einem Gemälde aus dem Jahr 1778 in der ehemaligen Bibliothek des Klosters Oberelchingen gibt Kunstexperten Rätsel auf. Zwischen den damals 25 Mitgliedern des Konventes von Abt Robert I. Kolb, die auf der Rückseite des 2,70 Meter breiten und 2,40 Meter hohen Bildes namentlich aufgeführt sind, „geistert“ ein 26. namenloses Porträt herum.

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Hat sich hier der berühmte schwäbische Barockmaler und Freskant Joseph Wannenmacher (1722-1780) in einer seiner letzten großen Arbeiten selbst verewigt, fragt sich die Fachwelt. Porträtvergleiche gaben darüber bisher keine eindeutige Auskunft. „Künstler haben ihrer Nachwelt immer wieder solche Rätsel aufgegeben. Wenn es nicht Wannenmacher selbst ist, wäre es interessant zu erfahren, wen er dem Konvent damals aufs Auge drücken wollte“, sagt Restauratorin Christine Götz.

Restaurierung notwendig

Sie beschäftigt sich derzeit in der Bibliothek über der Sakristei der Oberelchinger Klosterkirche mit dem Bild. Gemälde seien nicht nur großartige Zeitdokumente, sie seien auch frühe Nachrichtenübermittler, die oftmals mit Angedeutetem etwas „zwischen den Zeilen“ aussagen wollen: „Vielleicht wird hier einer dargestellt, den das Kloster nicht unbedingt mit auf dem Bild haben wollte. Die genauen Untersuchungen werden das Geheimnis sicher noch aufhellen“, ist die Kunstexpertin überzeugt.

Gemälde aus dem Jahr 1778 stellt Experten vor Rätsel

Bevor diese Untersuchungen jedoch gemacht werden können, steht noch die Sicherstellung des Gemäldeerhaltes an erster Stelle. Schimmel und Schichtauflösungen sind selbst für den Laien sichtbar. Die ehemalige Klosterbibliothek ist mit ihren 85 Prozent Luftfeuchtigkeit ein denkbar ungeeigneter Aufbewahrungsort für das wertvolle Kunstwerk. Wegen seiner Größe kann es nicht über die engen Gänge und die schmale Holztreppe in die trockeneren, unteren Räume der Sakristei und des „kleinen Museums“ verbracht werden, das Elchingens Pfarrer und Kirchenkünstler Ralf Gührer dort liebevoll eingerichtet hat. Als Wannenmacher sein Werk fertiggestellt hatte, konnte es nach der Trocknung noch ohne Probleme gerollt werden. „Wir müssen nun überprüfen, ob das Bild dies auch heute noch ohne große Beschädigung der Farbschichten überstehen würde“, meint Christine Götz, die als erste Arbeit eine Schadensanalyse vornehmen wird.

Protokoll zur Rettung

Ihr Protokoll zur Rettung des Gemäldes sieht bis zu seiner Transportfähigkeit unter anderem die Beseitigung von Schäden aus früheren Maßnahmen vor. So wurde zum Beispiel auf der Rückseite bei schadhaften Stellen einfach Leim aufgebracht, der mit dem Bügeleisen glatt gebügelt wurde. In weiteren Schritten müssen die Stockflecken beseitigt und die Malschichten befestigt werden. Nach einer ersten Konservierung könnte man das Bild bereits der Öffentlichkeit zugänglich machen. „Irgendwann wird es ein Glanzstück der Sammlung des künftigen Museums sein“, ist Pfarrer Ralf Gührer, der Vorsitzende der „Freunde des Klostermuseums Oberelchingen“ überzeugt. Im Pfarrhaus und in der Klosterkirche hat er bereits museale Kostbarkeiten zur Schau gestellt.

Noch fehlen finanzielle und räumliche Möglichkeiten zur vollständigen Restaurierung und Unterbringung der Kunstgegenstände. Doch die ersten Schritte zu einem „kulturellen und touristischen Highlight“ in Elchingen sind getan.

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