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Ulm

18.02.2015

Gemälde statt Gemüsehobel

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2 Bilder
Blick in den Raum: Beim „Kunstschimmer“ stehen ganz unterschiedliche Positionen nebeneinander. 

Der „Kunstschimmer“ setzt neben der Verbraucherschau „Leben – Wohnen – Freizeit“ bunte Akzente. Doch auch bei der dritten Ausgabe sind nicht alle Probleme überwunden.

Zwischen den Bratpfannen und Solarmodulen auf der Verbrauchermesse „Leben – Wohnen – Freizeit“ (LWF) würde die Schweizerin Beltrame als esoterische Attraktion ihr Publikum finden, doch in Wahrheit ist sie eine Künstlerin, die offen sagt: „Ich kann nicht Kaffeesatzlesen, aber ich kann zeichnen.“ Ihre Espresso-Audienzen sind der Teil eines Langzeit-Kunstprojekts, das Beltrame nun auch gemeinsam mit Zeichnungen und Objekten auf dem Messegelände präsentiert. Aber nicht bei der Verbraucherschau, sondern nebenan im Donausaal, wo der „Kunstschimmer“ stattfindet.

Dahinter verbirgt sich eine junge Messe, die dieses Jahr erst zum dritten Mal über die Bühne geht. Organisiert wird die Ausstellung in diesem Jahr von Stefan Grzesina und Tommi Brem. Und die sind mit dem Zuspruch zu Beginn durchaus zufrieden: „Am Wochenende sind jeweils rund 2000 Leute durchgelaufen“, sagt Brem. „Ich habe praktisch an jedem Stand Leute im Gespräch mit Künstlern gesehen.“

73 Kunstschaffende sind es, die dieses Jahr den Donausaal, den LWF-Veranstalter UAG den Organisatoren kostenlos zur Verfügung stellt, mit ihren Arbeiten belegen. Die Konditionen sind günstig: Brem zufolge kostet die günstigste Variante – drei Meter Wand – 90 Euro, wohlgemerkt für die gesamte Laufzeit. „Das ist billiger als jeder Flohmarkt“, sagt Brem, dem dieser Aspekt wichtig ist. „Die Schwelle soll so niedrig wie möglich sein.“ Auf der Ausstellungsfläche stehen entsprechend künstlerische Positionen ganz unterschiedlicher Art und auch Qualität nebeneinander. Da zeigt etwa der Italiener Francesco Ferrante knallig-provokante Beispiele seiner „Neosuperpopart“. Ein paar Meter weiter hängen dekorativ Raubkatzen und Zebras, bei dem Aschaffenburger Konstantin Rupp gibt es großformatige Bilder von Autos und Hunden aus graviertem Rindsleder, für die schon mal 3000 Euro fällig sind.

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Die Kunsthandwerker und Hobbykünstler, sie sind beim „Kunstschimmer“ in der Mehrheit. Den Organisatoren Brem und Grzesina, der selbst mit Fotografien vertreten ist, geht es darum, einen Freiraum zu schaffen, auch wenn darüber manche im Kunst-Establishment die Nase rümpfen. Ein Ulmer Galerist, so erzählt Grzesina mit einem Schmunzeln, habe ihn sogar herausgeworfen, als er ihn für den „Kunstschimmer“ gewinnen wollte.

Die Organisatoren sehen die Kunstmesse als langfristiges Projekt – und sich selbst auf einem guten Weg. „Die Qualität ist im Vergleich zu den ersten Ausgaben ein Stück gestiegen“, sagt Grzesina. Der „Kunstschimmer“ sei ein guter Ort, um Kontakte zu Besuchern und anderen Künstlern zu knüpfen. Woran es aber noch ein mangelt, sind die Verkäufe; Brem zufolge bauten nach dem Wochenende zwei Teilnehmer wieder ab. Die anderen halten durch, so wie der Pfälzer Markus Schnell, der farbenfrohe Buntstiftarbeiten zeigt. „Ein bisschen verhalten“ sei der Zuspruch. „Viele wissen noch nicht, dass das hier stattfindet“, vermutet er. Und doch: 2016 will er wiederkommen. Die Chancen stehen gut: Brem und Grzesina zufolge kann es wohl auch 2016 wieder einen „Kunstschimmer“ geben. Das wissen sie von der UAG, nicht aus dem Kaffeesatz.

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