Newsticker

Bayerns Ministerpräsident Söder will Corona-Regeln in Kommunen an Grenzwerte koppeln
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Genossen schießen sich ein "klassisches Eigentor"

16.06.2009

Genossen schießen sich ein "klassisches Eigentor"

Weißenhorn Dass gut gemeint nicht automatisch gutgemacht heißt, dürfte spätestens seit Montagabend manchem Stadtrat mit SPD-Parteibuch dämmern. In jüngster Sitzung wurde auf Betreiben von Fraktionschef Hermann Geiger zum wiederholten Mal über Zebrastreifen am künftigen Kreisel auf dem Hauptplatz diskutiert. Erklärtes Ziel Geigers war es, endlich Nägel mit Köpfen zu machen und bei der Verkehrsbehörde im Neu-Ulmer Landratsamt den (bereits vom Rat beschlossenen) Antrag auf Streifen auf der Fahrbahn zu stellen. Allerdings schossen sich die Pro-Zebrastreifen eingestellten Genossen damit gewissermaßen ein klassisches Eigentor, denn sie erreichten genau das Gegenteil von dem, was sie wollten. Das Plenum hob einen im Februar 2008 gefassten Beschluss, Zebrastreifen auf die Ein- und Ausfahrten zu pinseln, auf und verständigte sich mehrheitlich darauf, vorerst nicht auf die weißen Balken zu drängen.

Akademische Diskussion

Wie die Vorausgegangenen war auch die Diskussion vom Montag weitgehend akademisch, weil das Landratsamt Neu-Ulm Herr des Verfahrens ist. Die Kreis-Verkehrsbehörde ist es, die Zebrastreifen anordnet - oder auch nicht. Bestenfalls kann die Stadt Weißenhorn mit einem entsprechenden Antrag im Landratsamt vorstellig werden, die Entscheidung wird in der "Kupferburg" getroffen, nachdem Fachbehörden wie Polizei und Straßenbauamt (jetzt: Staatliches Bauamt) ihre Stellungnahmen abgegeben haben.

Wenn aber die Zeichen nicht trügen, werden Polizei und Straßenbauamt sich offiziell gegen Zebrastreifen am Kreisel aussprechen. Das jedenfalls war den Äußerungen von Bauamt-Vertreter Michael Wagner und Arthur Schrapp von der Weißenhorner Polizei zu entnehmen, die im Wesentlichen anführten, dass Zebrastreifen Fußgängern eine "trügerische Sicherheit" vorgaukeln.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Zwar muss ein Autofahrer laut Straßenverkehrsordnung zwingend anhalten, wenn ein Passant über die weißen Streifen die Straße überqueren will; auf der anderen Seite haben die beiden Verkehrsexperten die wohl nicht unberechtigte Sorge, dass dies mancher Fußgänger als absoluten Freibrief missversteht und ohne auf Autos zu achten, quasi in Hans-guck-in-die-Luft-Manier die Fahrbahn quert. Zudem wissen Wagner und Schrapp aus langjähriger Erfahrung, dass Fußgänger stets den direkten Weg nehmen, wenn sie von der einen auf die andere Straßenseite wollen - sprich: Sie queren beispielsweise die Memminger Straße in Höhe der Kirche und nehmen keinen Umweg über die Zebrastreifen am Kreisel weiter nördlich in Kauf.

Sowohl für Michael Wagner als auch für Arthur Schrapp erscheint eine streifenfreie Fußgängerfurt am Kreisel aus Sicherheitsaspekten besser - "weil Autofahrer und Fußgänger besser aufeinander aufpassen". Polizist Schrapp konnte seine Ansicht mit Zahlen untermauern: An Weißenhorner Kreiseln ohne Zebrastreifen habe es bislang keinen Unfall mit Fußgängern gegeben. Und Radler profitierten ohnehin wenig von den Balken auf der Fahrbahn - laut Gesetz müssen sie absteigen und ihr Stahlross über den Zebrastreifen schieben.

Im Ratsgremium wurde das Thema "Sicherheit" unterschiedlich interpretiert. Namentlich in Reihen der SPD wurde vehement für Zebrastreifen argumentiert - vergeblich, wie sich spätestens bei der Abstimmung herausstellte.

Die Folge ist, dass jetzt die Stadtverwaltung keinen Antrag bei der Kreisverwaltung auf Anbringen von Zebrastreifen stellen wird. Vorsichtshalber werden bei den Bauarbeiten aber Vorkehrungen getroffen (etwa Leerrohre für Beleuchtung), die es später problemlos erlauben, Zebrastreifen anzulegen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren