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Kleinkunst

02.10.2014

Gepfefferte Satire gegen den faden Lebensernst

Die drei von Teatrino: (von links) Siegfried Arnold, Florian Arnold und Gabriele Fischer.
Bild: Teatrino

Teatrino wird zehn Jahre alt und gastiert am Samstag beim „Brett im Schtoi“

Am Anfang der Geschichte von Teatrino steht ein Problem. Der Künstler Florian L. Arnold wollte für seine Vernissage keine normale Eröffnungsrede. Amüsante Texte aus eigener Feder wollte er vortragen, ein Alphornbläser sollte ihn begleiten. Als der plötzlich absagte, war guter Rat teuer – bis Vater Siegfried Arnold, damals noch aktiver Lehrer, eine Idee hatte: Er könne selbst Klavier spielen und habe als Sängerin „eine nette junge Kollegin mit viel Energie“ im Auge. Eine Chance abzulehnen habe sie nicht gehabt, erinnert sich Gabriele Fischer: „Er hat mich im Lehrerzimmer überfallen.“ Der väterliche Einsatz hat sich gelohnt: Seit nunmehr zehn Jahren sind die Ulmerin Fischer und die Arnolds aus Elchingen ein musikalisch-literarisches Trio, das sich über die Region hinaus einen Namen gemacht hat.

Dass es soweit kam, war für die Beteiligten keine Überraschung. „Wir haben uns sofort verstanden“, sagt Fischer, die bei Teatrino für den Löwenanteil der Gesangsarbeit verantwortlich ist. Siegfried Arnold spielt Klavier und verfügt nach Aussagen seiner Mitstreiter über einen unerschöpflichen Schatz selbst geschriebener Lieder. Und Florian Arnold, bekannt auch als Kulturmitarbeiter der NUZ, steuert eigene satirische Texte und bisweilen auch Amüsantes aus anderer Quelle zu den Abenden bei. Das verbindende Glied ist der schwarze Humor Wiener Schule, um den sich bei Teatrino fast alles dreht. Genau dies hat Fischer, die aus einer Familie von Organisten und Chorleitern stammt und auch selbst Organistin und Chorleiterin war, gereizt. „Viele Kirchenmusiker tragen diese dunkle Seite in sich.“

Seit dem Beginn 2004 hat sich bei Teatrino einiges getan. Florian Arnold zufolge sind nicht nur die Auftritte professioneller geworden, sondern auch die Zusammenarbeit im Trio hat sich intensiviert: „Unsere neueren Programme nicht mehr nur Lesung mit Musik, sondern schon Theater.“ Und inzwischen erweitert Teatrino für seine Auftritte die bewährte Trio-Formation zum Sextett mit zusätzlich Klarinette, Kontrabass und Tuba. So etwa bei „Schärfer als ein Pfeil“, ein Abend, der sich musikalisch und literarisch dem jüdischen Humor widmet. Zu sehen war dieser bislang vor allem bei Marion Weidenfelds Theater Erbach, das Arnold zufolge eine Art „Heimat“ für Teatrino geworden ist.

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Lieder von Musikern und vom Weltuntergang

Am Samstag, 4. Oktober, um 20 Uhr ist die Gruppe, die sich die „Verunreinigung des Lebensernstes“ zum Ziel gesetzt hat, beim „Brett im Schtoi“ in Pfaffenhofen zu erleben – zusammen mit der Band Slendro, die sich Jazz, Funk und Weltmusik verschrieben hat. Im Zentrum stehen Gedichte, die Siegfried Arnold für das von Sohn Florian mit Karikaturen illustrierte (und bislang nicht veröffentlichte) Büchlein „Molto Giocoso“ geschrieben hat. Es geht um seltsame Musiker in seltsamen Situationen. Der schwarze Humor kommt nicht zu kurz: Auf dem Programm stehen auch Lieder wie der „Weltuntergangslandler“ oder die „U-Bahnmörderin“.

beim „Brett im Schtoi“ am 4. Oktober um 20 Uhr im „Schtall“. Morgen, Freitag, gastiert die Formation um 20 Uhr im Kulturgewächshaus Birkenried.

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