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Tanztheater

27.07.2011

Geplättet und beeindruckt

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2 Bilder
Fit ist jung, oder? Eine Szene aus „Spieglein – Spieglein“.

Die Strado Compagnia Danza und ihre „Spieglein“-Performance vor Hildegard-Schülerinnen im Stadthaus

Ulm „Für jeden Geschmack ist etwas dabei“, hat Choreograf Domenico Strazzeri vor der Premiere am 29. Dezember vergangenen Jahres betont. Klar. Denn die Schneewittchenfrage „Wer ist die Schönste im ganzen Land“ lässt sich heute nicht mehr so einfach beantworten. Die Schönheitschirurgie boomt. „Und die Ärzte verdienen, und der Mensch stirbt“, sagte der Chef der Strado Compagnia Danza gestern lakonisch im proppenvollen Stadthaussaal.

Dort ging die jüngste „Strado“-Produktion „Spieglein – Spieglein“ exklusiv für Schülerinnen der St.-Hildegard-Realschule und des Hildegard-Gymnasiums über die Bühne. Im Anschluss diskutieren Tänzer Klaus David Rossteutscher und seine fünf Mitstreiterinnen Judith Nüßler, Sarah Strasser, Annika Wiesner, Sara Veitat und Schauspielerin Hanna Münch mit den Schülerinnen über Themen wie Schönheitsideale, Schlankheitswahn und Magersucht. Fazit: ästhetisch umgesetztes Satiretanztheater, aber nichts für zarte Gemüter. Das Stück zeigt stark reflexive Wirkung – und macht betroffen.

Mediale Dauerpräsenz der Allerschönsten gaukeln dem Konsumenten den perfekten Körper zur eigenen Sucht vor. In diesem Spannungsfeld setzt die Choreografie an, die schon mal auf einen imposant-elegischen Stuhlreigen im Walzertakt nicht verzichtet, bevor’s ans Eingemachte geht. Doch Strazzeri spricht auch aus eigener Erfahrung: Tänzer müssen unheimlich fit sein, acht Stunden pro Tag vor dem Spiegel tanzen – kein Zuckerschlecken.

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Da mit Speckfalten tanzen? Problematisch. Doch kein Grund, gleich Schönheitschirurgen ranzulassen. „Starkes Stück, aber ich bin auch geplättet“, meint eine Schülerin. „Wenn das Publikum immer auf Deinen nackten Busen starrt, ist das nicht komisch?“ „Nein“, entgegnet die Tänzerin, „Das ist mein Körper, ich kann damit umgehen.“ Natürlich sei das anders als im Urlaub am Strand. Viele haben sich das Stück eher märchenhaft vorgestellt. Doch „Gänsehautfeeling“, das haben so ziemlich alle bekommen.

Auch mittels überarbeiteter Wiederaufnahme setzt „Spieglein – Spieglein“ bis Sonntag auf expressive Verbindung ausdruckstänzerischer Elemente, klug sortierter Musik der Marke Klassik, Ethno & House sowie den darstellerischen Leitfaden in der gebeutelten Dominagestalt der „Fachärztin für Oberflächenästhetik“. Im türkisfarben klinischen Ambiente zeigt „Strado“ federleichte Aufbruchs- und bedrückende Jammer-Bilder, ohne dies alles aufs Auge drücken zu wollen: Das Publikum hat die Freiheit.

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