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Berufsschule

03.05.2013

Gleiche Chancen für alle

Projekt soll Jugendliche mit Förderbedarf unterstützen

Neu-Ulm Für einige Schüler der Berufsschule Neu-Ulm (BSNU) bietet sich seit Schuljahresbeginn ein ungewohntes Bild: Einmal in der Woche steht bei ihnen nicht nur ein, sondern gleich zwei Lehrer im Klassenzimmer. Denn ab diesem Schuljahr gibt es an der Berufsschule ein spezielles Inklusionsprojekt. Dabei sollen Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf besser unterstützt werden, unter anderem durch zusätzliche Lehrkräfte. Ziel ist es, auch schwächeren Schülern einen regulären Abschluss und eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Josef Petz, Direktor der BSNU, sagt: „Von unserem Projekt haben nicht nur die schwächeren Schüler, sondern auch die stärkeren etwas.“

Um das Thema Inklusion auch an den Berufsschulen zu etablieren, hat die „Stiftung Bildungspaket Bayern“ zusammen mit dem Kultusministerium 2012 einen Modellversuch zur „Inklusiven Beruflichen Bildung in Bayern“ beschlossen. In Zusammenarbeit mit der Adolph-Kolping-Förderberufsschule Neu-Ulm (AKBS) hat die BSNU ein Konzept für das vierjährige Modellprojekt entworfen. Seit Schuljahresbeginn arbeiten fünf Lehrer der beiden Schulen gemeinsam an dessen Umsetzung. Finanziert wird das Projekt von der „Stiftung Bildungspaket Bayern“.

„Bis jetzt haben wir nur gute Erfahrungen gesammelt“, sagt Petz. An der Schule gebe es zwei Ausbildungsbereiche, in denen Schüler mit Förderbedarf zusätzliche Unterstützung bekommen: in der Lagerlogistik und im Einzelhandel. Der Rektor erklärt: „Für schwächere Schüler bieten sich vor allem Ausbildungen an, die nur zwei Jahre dauern.“

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So gibt es für die 10. Klasse der Fachlageristen seit diesem Schuljahr eine Kooperationsklasse, in der Schüler mit sozialpädagogischem Förderbedarf und solche ohne gemeinsam unterrichtet werden. Dabei haben die Jugendlichen vier Stunden in der Woche, in denen sie von zwei statt von einem Lehrer betreut werden. Maria Auer, Lehrerin der Kooperationsklasse, sagt: „Die schwächeren Schüler aber auch die stärkeren, lernen jetzt besser, weil wir uns zu zweit mehr auf einzelne Jugendliche oder kleine Gruppen konzentrieren können.“ Im Unterricht sei vor allem selbstständiges Lernen wichtig. Von 20 Jugendlichen in der Klasse benötigten fünf besondere Unterstützung. Probleme würden Schüler mit Förderbedarf vor allem mit der Sprache oder dem Rechnen haben. „Also in Richtung Lernbehinderung“, sagt Auer.

Im anderen Ausbildungsbereich des Projektes, dem Einzelhandel, schauen die Lehrer der beiden Schulen speziell nach einzelnen Jugendlichen. Sonderpädagoge Stefan Schlögel sagt: „Wir helfen den Schülern außerhalb des normalen Unterrichts, je nach dem welches Problem sie haben“ – sei es mit Fachbegriffen, Fremdsprachen oder die Schwierigkeit, sich auszudrücken. Oft sei dies bei Auszubildenden mit Migrationshintergrund der Fall. „Wir holen uns dazu auch Hilfe von außen“, sagt Schlögel.

Kooperationspartner beim Projekt ist Evo-Bus, das auch Jugendliche mit Förderbedarf einstellt. Shkurte Sumiq ist in der Kooperationsklasse der Fachlageristen und hat eine Ausbildungsstelle bei Evo-Bus. Für sie ist es kein Problem, gemeinsam mit schwächeren Schülern unterrichtet zu werden. „Von zwei Lehrern haben ja auch die stärkeren Schüler was“, findet Shkurte.

Nächstes Jahr stehen die ersten Abschlüsse der Projektteilnehmer an. „Die größte Schwierigkeit besteht darin, dass an alle Schüler die gleichen Anforderungen gestellt werden“, sagt Petz. Der momentane Fachkräftemangel begünstige aber auf jeden Fall die Berufschancen der Jugendlichen. Beim Thema Inklusion stehe Bayern bisher noch ganz am Anfang. Für die Zukunft würde der Rektor nicht nur weiter gerne Schüler mit Förderbedarf, sondern auch die Sonderpädagogen fest an der Schule eingliedern.

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