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Ulm

18.06.2019

Grenzwert überschritten: Dicke Luft in der Zinglerstraße

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Viele Autos, viele Abgase: In der Ulmer Zinglerstraße wurde im vergangenen Jahr eine zu hohe Stickoxidbelastung gemessen. Dies liegt nach Überzeugung von Experten an den vielen Baustellen, die zu Staus führen.

Ulm gehört zu nur fünf Städten in Deutschland, die zurück in den problematischen Bereich in Sachen Stickstoffdioxid rutschten. Warum kaum jemand davon überrascht ist

Das Umweltbundesamt veröffentlichte am Montag die Messdaten für die Stickstoffdioxid-Belastung (NO2) im Bundesgebiet. Ulm ist demnach eine der Städte, die über dem Grenzwert liegt. Kein Einzelfall: In 57 Städten wurde eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Grenze von maximal 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft überschritten. Im Jahr 2017 waren noch 65 Städte betroffen. Dass Ulm mit Leipzig, Koblenz, Eschweiler und Sindelfingen zu den fünf Städten zählt, die im Gegensatz zu Vorjahren den Grenzwert wieder überschritten, hat einen einfachen Grund: Bei der Messstelle in der Zinglerstraße wurden baustellenbedingt in den Jahren 2016 bis 2017 keine Messungen durchgeführt. Und für das Jahr 2015 lagen nach Angaben der Stadtverwaltung vandalismusbedingt keine verwertbaren Messungen vor.

Erst seit dem 1. Januar vergangenen Jahres wird hier wieder der Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid gemessen, der nun prompt auch mit 43 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft überschritten wurde.

Der Wert für die Zinglerstraße lag nur leicht über den Grenzwerten

Die Ulmer Stadtverwaltung war längst informiert, die Ulmer Stadträte diskutierten im November vergangenen Jahres, wie berichtet, über die Thematik. Dem längst veröffentlichten Zwischenbericht des „Luftreinhalte- und Aktionsplans“ ist zu entnehmen, dass die Luftqualität in Ulm sich trotz der Überschreitung auf dem Weg der Besserung befindet. Der Wert für die Zinglerstraße lag zwar leicht über den Grenzwerten. Die 43 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft liegen aber dennoch unter den 60 Mikrogramm, die laut Luftreinhalteplan noch vor ein paar Jahren dort gemessen wurden. An der Messstelle in der ebenfalls viel befahrenen Karlstraße wurde der Grenzwert bereits zum zweiten Mal in Folge unterschritten. Der Halbjahreswert für 2018 liegt mit 33 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter deutlich unter dem Grenzwert.

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Simon Pflüger, der zuständige Experte bei der Ulmer Industrie- und Handelskammer (IHK), hält die Überschreitung des Grenzwerts in der Zinglerstraße für ein vorübergehendes Phänomen. Nach der Fertigstellung der Bauarbeiten am Ulmer Hauptbahnhof, wenn der Verkehr wieder flüssiger fließt, habe sich das Problem erledigt. „Man sieht es ja an der Karlstraße: Wenn der Stop-and-go-Verkehr zurückgeht, gehen auch die Werte zurück.“ Zudem fahren beispielsweise auch viele Regionalbusse durch die Zinglerstraße. Gerade hierdurch könne auch ein erhöhter Schadstoffausstoß erfolgen. Eine Verbesserung des Verkehrsflusses würde auch diese NO2-Quelle unschädlicher machen.

Grenzwerte für Feinstaub werden seit mehreren Jahren durchgängig eingehalten

Für Fahrverbote sieht die Ulmer IHK nach wie vor keinerlei Notwendigkeit und verweist auf eine Einschätzung der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz. „In allen Regierungsbezirken ist ein abnehmender Trend bei der Immissionsbelastung festzustellen.“ Auch, was Feinstaub angeht: Für Ulm könne festgehalten werden, dass die Grenzwerte für Feinstaub seit mehreren Jahren durchgängig eingehalten werden oder aufgrund der geringen Belastung gar nicht mehr erhoben werden. Das Regierungspräsidium ist zuversichtlich, dass auch in der Zinglerstraße die kurzfristige Einhaltung des Immissionsgrenzwertes nach Abschluss der Baumaßnahmen in Ulm greifbar und die Aufstellung eines Luftreinhalteplans nicht erforderlich sein wird.

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